Ein Gastartikel von Gaby Meyer.

In diesem Artikel möchte ich diese Thematik neu beleuchten, um uns selbst und unser Denken zu reflektieren, was nun genau Ich Du Wir uns darunter vorstellen. Was ist es, dass das Eine wie das Andere ausmacht? Wofür steht es wirklich? Was ist die tiefe Bedeutung dahinter?

Frage an Dich: Was ist im Grunde die tiefe Bedeutung von Bewusstsein und Bewusstheit und warum schleudern wir diese zwei so oft durcheinander?

Dann folge mir einfach und mache Dir Deine eigenen Vorstellungen. Lass Dich inspirieren und vielleicht entdeckst Du ebenfalls, dass unsere Sprach- und Denkweise, so wie wir eben unterwegs sind, zu allen Zeiten, manchmal irrsinnige Wege gehen – Dinge einfach ausgedrückt werden, ohne zu ´wissen´ was wir da von uns geben, wie dies wirkt und rüberkommt.

Allzu oft höre und lese ich diese zwei Begriffe in vielerlei Tenor. Bunt durcheinander gewürfelt werden sie, je nachdem wer was zu sagen hat und sich dieser Worte bemächtigt. In fast jedem spirituellen Artikel findest Du wenigstens eines dieser Worte angewandt.

Schauen wir doch einmal was wir finden (Lexikon, Duden), wenn wir es trennen:

  • -bewusst:

im Sinne von sich zurechtfinden, zu wissen, im Klaren sein über etwas, volle Bedeutung klar erkannt, sorgsam u bemüht auf etwas achten

  1. absichtlich, gewollt, willentlich (bewusster Anhänger von etwas zu sein)
  2. klar erkennend, geistig wach (sich einer Sache sehr bewusst)
  3. ins klare, wache vorgedrungen (bewusste/unbewusste Vorstellung)
  • -heit:

Diese Wortendung wurde im allgemeinen (Althochdeutsch) zu Eigenschaftsnominalisierung – also Hauptwortbildung (Haupt-, Ding-, Nennwort), das eine Eigenschaft beschreibt. Die Art und Weise wie oder auch eine Erscheinung beschreibt.

  • -sein:

Unregelmäßiges Verb, hier wohl im Sinne als: Beschreibung eines bestimmten Zustands, Lage, Befinden, bestimmter Umstände, als Darstellung jemandes Besitz oder Substantiviert als: Leben/Dasein, das Sein

Dies mag schulmeisterlich genügen, so dass wir uns ein Bild machen können, was die Bedeutung sein könnte, was dahintersteckt, woher es stammt.

Wenn wir nun daraus die Worte:
Bewusstheit sowie Bewusstsein bilden, was wollen wir jeweils damit ausdrücken? Was liegt uns am Herzen, wenn wir dieses oder jenes Wort verwenden? Ist es uns klar, warum wir es gebrauchen?

Ganz oft lese ich in einschlägigen Magazinen, Schriftsätzen, Ankündigung von Workshops, Seminaren – meist spiritueller Natur, dass eine Transformation vor sich gehen soll, dass wir dadurch Bewusstsein erlangen sollen oder zumindest es uns in die Richtung schiebt, die wir ja so gerne hätten ……. Bewusster werden, präsenter, klarer, eigenmächtiger, authentischer …… alles in Verbindung und für Dein Bewusstsein.

Was ist jedoch dieses Bewusstsein?

Bewusst Sein?

Seit Jahrhunderten wird versucht es zu definieren, von der Psychologie, der Physik, innerhalb der Spiritualität, der Neurowissenschaft etc. pp…… keiner weiß es genau – und am wenigsten diejenigen, die nicht an ein Bewusstsein glauben oder das, was wir Seele/höheres Selbst nennen, von dem wir bewohnt werden, dass da etwas allgegenwärtig ist, immer da, nie stirbt.

Darum geht es hier auch gar nicht, dass darf jeder für sich selbst heraus- finden. Für meinen Geschmack wird zu unreflektiert, ja selbstverständlich mit diesem Worten umgegangen.

Ist das Bewusstsein nicht DAS Allmächtigste, Höchste, Weiteste, Tiefste, Größte, Mächtigste aller Formen, die wir je beschreiben oder bezeichnen könnten. Ich meine, dieses Bewusstsein – was niemand wirklich dinghaft machen kann, selbst die Wissenschaftler und alle in diesem Dunstkreis nicht – dies ist es ja genau, warum es zwar gebraucht wird und auch dessen Beschreibung und Vorhandensein fast nicht mehr verleugnet werden kann (gut, von einigen Unverbesserlichen schon) …. Aber es ist und bleibt diffus. Wir sind noch nicht im Stande, es zu be-(greifen), wissen noch nicht, was es wirklich bedeutet und fast alle spinnen sich etwas darüber zurecht, färben es ein mit eigenen Erfahrungen, dem was sie gelesen haben, was der neueste Stand er Dinge aus der Metaphysik ist, haben darüber in Workshops gehört – ja be-(nutzen) es einfach für die eigenen Belange und Zwecke.

Nur, was soll denn wirklich ausgedrückt werden?

Ist es nicht so, dass das Unbekannte, Unfassbare, Allgegenwärtige, nicht Benennbare, sich ständig Ausdehnende, Verändernde, in allem und jedem Seiende ……. eben nicht einfach mal so benannt werden kann? Wenn überhaupt nur ansatzweise erfahren! Es existiert jenseits von Zeit und Raum denken und ist als Aspekt des nicht-lokalen Bewusstseins (ewiges Jetzt, zeitloser Moment) – da zwischen dem Ich und der Umgebung nicht mehr unterschieden wird – als die einzige Wirklichkeit erfahren – in dem man sich selbst als einen Teil und zugleich als Ganzes erlebt. Dieser Zustand wird Einheitserfahrung genannt.

Wenn ich also lese, dass Du da Dein Bewusstsein durch diese oder jene Transformations-, Seelen-, Schatten-, Selbsterfahrungsarbeit berühren, erweitern, … what ever … kannst, ist dies nicht unermesslich hochgegriffen? Es wirkt auf mich irgendwie grotesk, ein Spiel innerhalb der sogenannten Spiritualität.

Ok, es gibt erweiterte Bewusstseinszustände/außergewöhnliche Bewusstseinserfahrungen durch Drogen, Meditation, Gurus, jahrelanger Praxis – von was auch immer. Wir als Menschen wollen ja so gerne erfahren, von etwas berichten, etwas Besonderes darstellen. Und zu Veränderung deiner Selbst, deiner Umgebung, deines Lebens, der Umstände – die vielleicht nicht mehr tragbar für Dich sind, ist es ganz bestimmt gut, die Form, die jetzt für Dich stimmig ist an Selbsterfahrungstechniken zu praktizieren. Inzwischen raten Lehrer auch von jeglicher Praxis ab, einfach sein, mit dem was ist – um aus dem ständigen Tun heraus zu kommen.

Ich schweife ab 🙂

Aber DAS SEIN: DAS BEWUSSTSEIN – das pure reine klare UNFASSBARE – welches für meinen Geschmack arg missbraucht wird, ist meistens nicht gemeint, da wir dort noch nicht angekommen sind und Worte bei weitem nicht ausreichen es nur ansatzweise zu beschreiben. Hingegen kann ich mir sicher über etwas bewusst sein. Es wird mir etwas klarer, bewusster, ist tiefer durchdrungen worden bestenfalls, um so eine Änderung besagter Thematik, Lebensumstände zu bewirken oder wenigstens anfänglich erfasst zu haben.

Ich glaube, dass wir im allgemeinen Kontext, den wir so sehr gebrauchen – gerade auch die vielen spirituellen Angebote betreffend – eher die Bewusstheit meinen und vielleicht deswegen auch eher benennen sollten.

Ich kann an meiner Bewusstheit arbeiten, kann durch Praktiken, Workshops, Vorträge – wo und durch was auch immer dazu beitragen, bewirken, dass sich meine Bewusstheit schult. Ich bewusster werde, mir meiner bewusst werde und somit auch tiefer eintauche in das was mich und meine Bewusstheit ausmacht.

Das Bewusstsein ist ja bereits da, war immer schon da und ist als Institution benannt gar nicht antastbar, weil dies einfach nicht möglich ist. Wie soll man einen Zustand, ein Sein, das Größere, Ewigliche denn durch spirituelle Praxis verändern, erweitern, es aufspüren – um zu (also etwas tun, um zu … erreichen). ES IST DOCH BEREITS DA – WAR IMMER DA UND WIRD IMMER DA SEIN – EIN MEER VON BEWUSSTSEIN!! Mit oder ohne uns. Gut es heißt, es verändert sich ständig, wächst, pulsiert, persönlich wie kollektiv aber nochmal: direkt und unmittelbar durch spirituelle Praxis mit dem Zwecke das Bewusstsein zu vertiefen, zu verändern. Ich denke, das geht nicht!

Im Lexikon steht:

Die Bewusstheit einer Handlung | mit Bewusstheit handelnde Menschen | ein Mensch von hoher Bewusstheit

Das trifft schon eher den Kern der Sache. Wenn ich also in die Praxis, mit was auch immer gehe, dann kann ich darüber hinaus meine Bewusstheit erweitern, festigen, verändern – daran wirken, arbeiten. Aber nicht das allumfassende Bewusstsein – da dieses nicht bearbeitbar ist und sich einfach nicht auf Worte und Gedanken reduzieren lässt.

Bewusstheit mag heutzutage vielleicht gleichgesetzt werden mit dem modernen Ansatz der Achtsamkeit, des Gewahrseins (MBSR nach Kabat-Zinn war einer der Initiatoren). Davon werden wir ja mehr und mehr überspült, will der Mensch doch lernen, wie er seinen Stress bewältigt, freier, glücklicher, intensiver sein Leben zu leben. Weg vom Autopiloten des Alltagmodus – hin zu im Jetzt sein.

Ich finde Bewusstheit (manchmal auch awareness genannt) bezeichnet die gegenwärtige, nicht-bewertende Wahrnehmung des eigenen Selbst und der Umwelt.

Man kann sich sowohl seiner Sinneswahrnehmungen wie Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken als auch seiner Gedanken, Phantasien, Gefühle, Bedürfnisse, Werte, Handlungen und Körpersensationen (Verspannungen, Wärmeempfindungen usw.) bewusst sein. Bewusstheit ist ein fortschreitender Prozess, steht jedem zur Verfügung und wird subjektiv empfunden. Es gibt ein fortschreitendes Erleben (innen wie außen) von Bewusstheit von Augenblick zu Augenblick und kann eben durch diverse Praktiken vertieft, bearbeitet werden.

Was unmöglich mit dem endlosen Bewusstsein ´gemacht´ werden kann. Bestenfalls selbst erfahren wird, durch tiefes Einlassen, wie in verschiedene Arten von Erfahrungen: so beispielsweise die NTE (Nahtoderfahrung) oder sehr überwältigende lebensverändernde Erfahrungen. Dies wird im allgemeinen heute Einsichtserfahrung oder Erleuchtungserfahrung genannt – was nicht heißt, dass das Streben danach nicht wünschenswert ist! Nur, es kann nicht gemacht werden.

 

Om Mani Padme Hum 💚

 

© 04/2018 Gaby Meyer. Alle Rechte Vorbehalten.
Foto credit: © Ehrmann Photographic – Shutterstock/com
Foto credit Fun Frog: © Julien Tromeur – Shutterstock/com

Da ich immer daran interessiert bin, dich näher kennen zu lernen, würde ich mich sehr freuen, wenn du unter diesen Artikel etwas darüber schreibst, was dich gerade am stärksten zu diesem Thema bewegt. Renate.

 

Danke für deinen Besuch!

 

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