Präsenz Trifft Ego

Präsenz Trifft Ego

Ein wunderbarer Artikel zum Thema Ego von Ann Weiser Cornell

Was ist “Ego”?
Ist “Ego” etwas schlechtes, das ausgemerzt werden sollte? Diese Frage höre ich im Moment ziemlich oft, also habe ich mal ein wenig nachgeforscht.

Ich habe herausgefunden, dass es zwei sehr verschiedene Definitionen von “Ego” gibt.
Der Freud’sche Term „Ego“ bezieht sich auf den “strukturierten Teil der Persönlichkeit” (nach Wikipedia), und das beinhaltet die bewusste Wahrnehmung. Außerdem gibt es das buddhistische Ego, und darauf scheinen sich die Fragen meistens zu beziehen. “Ego im buddhistischen Sinne unterscheidet sich sehr vom Freud’schen Ego. Das Ego im Buddhismus ist eine Ansammlung von mentalen Ereignissen… (siehe “An Overview of Buddhism” von Mike Butler)

Ich fand eine ganze Anzahl von Texten, in denen “Ego” im buddhistischen Sinne sehr negativ behandelt wird. Es liest sich so, als ob dies etwas ist, was man besser nicht haben sollte. Zum Beispiel: “Die tiefste Bedeutung der Unwissenheit ist der Glaube in, das Identifizieren mit und das Festhalten an dem Ego, welches wie wir gesehen haben, nichts als ein flüchtiges mentales Phänomen ist.” (“Ego and Desire,” www.mathri.com)

Eckhart Tolle ist einer dieser Autoren. In seinem Buch A New Earth schreibt er: “Das Ego neigt dazu, Haben mit Sein gleichzusetzen: Ich habe, also bin ich. Und je mehr ich habe, desto mehr bin ich. Das Ego lebt von Vergleichen. […] Das Ausmaß der Unfähigkeit des Ego sich selbst zu erkennen und zu sehen, was es tut, ist erstaunlich und unglaublich.”

Diesen Systemen zufolge gibt es also etwas, das “das Ego” genannt wird – und es wird mit so viel Geringschätzung darüber gesprochen, dass man annimmt, dieses “Ego” ist schlecht und sollte ausgemerzt werde,

Ein Prozess, nicht ein Objekt

Wenn man diese Autoren genauer liest, dann wird klar, dass keiner von ihnen tatsächlich dazu rät, zu einem Teil von sich etwas zu sagen wie “Böses Ego! Verschwinde!” Der Buddhismus gliedert sich auf in einen achtfachen Pfad, der u.a. positive Praktiken lehrt, wie die richtige Sichtweise, richtige Intention usw. Tolle empfiehlt einen Wahrnehmungsprozess, der der jetzigen Moment unterstreicht. (Zum Beispiel sagt er auch „Es gibt nichts was du tun kannst, um dich von dem Ego zu befreien.“)

Aber warum entsteht beim Lesen dieser Autoren solch eine starke Tendenz, einen Aspekt von uns so schlecht zu behandeln und anzunehmen, dass es eine gute Idee wäre, zu versuchen es auszumerzen?

Ich denke, dass es mit der Benennung (labeling process) selbst zu tun hat. Was im Kern ein Prozess ist wurde benannt – ein Nomen, ein Etikett. Füge den verachtenden Tonfall hinzu und es entsteht eine klassisches „Verbannen“ eines Aspekts des Selbst.

Wenn das Problem die Benennung ist, was ist dann die Lösung? Ich würde sagen, dass es um eine Veränderung der Sprache geht – und diese neue Sprache bringt eine deutliche Veränderung hinsichtlich dessen mit, wie wir das fragliche Phänomen verstehen, wie wir es behandeln und wie wir damit interagieren.

Anstatt zu sagen “Mein Ego sagt …” oder “Das ist ja nur der Wunsch meines Egos”, wie wäre es stattdessen mit: “Etwas in mir sagt …“ oder „Etwas in mir möchte …“ Indem wir es so ausdrücken, fangen wir an uns dafür zu interessieren, von seiner Warte aus gesehen. Wir machen einen ersten Schritt hin zu einer inneren Beziehung, die zu seiner Transformation führen kann.

Und wenn es einen anderen Aspekt in uns gibt, der dagegen Einspruch erhebt, dann können wir uns dem auch mit freundlichem Interesse zuwenden. Vielleicht entdecken wir, dass ein Anteil von uns es ablehnt, interessiert und mitfühlend mit dem Aspekt zu sein, der “Ego” genannt wird; weil es der Überzeugung ist, dass der “Ego”-Anteil
unvebesserlich, unveränderbar schlecht und falsch ist. Ich kann nicht anders als daran zu denken, wie ähnlich dies zu manchen sozialen oder politischen Überzeugungen ist: “Rede bloß nicht mit dieser Person (oder mit dieser Art von Person), weil die so [BENENNUNG] sind.“ So stagnieren wir, innerlich und auch im Außen..

Angst und Ego

Ich erinnere mich an ein Radiointerview mit einer bekannten New Age Autorin.
Sie sagte “Durch Angst hält das Ego uns klein.” Von meiner Art zu denken enthält dieser Satz Annahmen, die wahrscheinlich nicht zu einer Veränderung beitragen. In anderen Worten: Wenn man die Welt so sieht, dann stagniert man.

Wie bemerkenswert sich all das ändert, wenn wir anstatt das Wort “Angst” zu benutzen davon sprechen würden wie “etwas in mir verängstigt ist.“ Dann fangen wir an, wieder interessiert daran zu werden, was passieren würde wenn man es (dieses Etwas) besser kennenlernen würden. Dieselbe Art von Veränderung passiert, wenn wir
„Ego“ als Prozess und nicht als Objekt behandeln. “Etwas in mir scheint etwas anders in mir klein halten zu wollen.“ Wie interessant! Ich frage mich, was es eigentlich erlebt, dass es das so gerne möchte. (Und ich werde das nicht durch Bücherlesen herausfinden oder durch den Besuch einer Vorlesung über „Ego“. Ich muss mich nach innen wenden und diesen Aspekt zu einem Gespräch einladen, in dem ich der Zuhörer bin … weil ich nicht im Voraus weiss, wie die Antwort lauten wird.)

Präsenz und “Ego”

Präsenz oder Selbst-in-Präsenz (Self-in-Presence), wie Barbara McGavin und ich es jetzt nennen, ist die verkörperte Fähigkeit, mitfühlend und interessiert da zu sein für was immer in uns auftauchen mag. “Was immer auftauchen mag” beinhaltet auch das, was „Ego“ genannt wird. Als präsentes Selbst (Self-in-Presence) bewerten wir nicht als gut oder schlecht, beurteilen nicht und benennen nicht. Beurteilen, bewerten und benennen sind Erfahrungen des partiellen Selbst (partial-self), welches den inneren Kampf und damit auch unser Stagnieren aufrechterhält. Eugene Gendlin sagt es so: „Wir denken, dass wir gut werden, indem wir unsere negativen Gefühle nicht erlauben. Aber das hält sie statisch, Jahr für Jahr dasselbe.” (Let Your Body Interpret Your Dreams, S. 178)

Sobald wir mit einem Aspekt von uns identifiziert sind, welches das Bedürfnis hat zu bewerten und zu benennen und andere Aspekte auszumerzen, dann stagnieren wir. Tragischerweise verhalten wir uns dann zwar mit der Intention uns zu retten, ohne aber Erfolg damit zu haben.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass Buddhismus zu Stagnation führt! Mißverständnisse oder eine falsche Anwendung scheinen die Probleme zu sein. Es mag außerdem Schwierigkeiten mit manchen Unterrichtsarten geben, aber das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Soviel weiß ich: Jeglicher Aspekt unseres Erlebens ist auf unsere Seite, versucht uns zu helfen, egal wie negative er erscheinen mag. Dies beinhaltet auch das, was wir „Ego“ nennen, was wir „Kritiker“ nennen und was wir „Verstand“ nennen. Es geht um die mitfühlende Begleitung durch unser präsentes Selbst (Self-in-Presence), durch die eine Verbindung zur Lebensenergie jeglicher unserer Aspekte herstellt werden kann.

Im Original erschienen in: The Focusing Connection, January 2009
Übersetzung: Elmar Kruithoff
http://www.focusing-center.com/gratis/bibliothek/praesenz-trifft-ego.html

 

Om Mani Padme Hum ?

Da ich immer daran interessiert bin, dich näher kennen zu lernen, würde ich mich sehr freuen, wenn du unter diesen Artikel etwas darüber schreibst, was dich gerade am stärksten zu diesem Thema bewegt. ?

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Literatur:

 

Es wird darauf hingewiesen, dass dieser Blog nicht zur Diagnose und Behandlung medizinischer und psychischer Erkrankung gedacht ist. Bei einer entsprechenden Indikation wird an die Eigenverantwortung der LeserInnen appelliert, einen fachkundigen und entsprechend ausgebildeten Mediziner, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker aufzusuchen. Bei Erkrankungen von Tieren konsultiere einen Tierarzt oder einen Tierheilpraktiker. Du solltest Informationen aus meinen Seiten niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. 

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Bewusstsein ist kein Ding, sondern ein Prozess

Bewusstsein ist kein Ding, sondern ein Prozess

Dieser Exklusivartikel ist jetzt frei gegeben.

geschrieben von Steven Black

Das Bewusstsein an sich ist ein Phänomen und ein Mysterium, welches sich unserem Verständnis immer wieder entzieht, wie auch jedweder Kategorisierung. Wenn ich jetzt einen Artikel dazu verfasse, dann bedeutet das nicht, ich wüsste alles darüber, sondern dass ich es als ein lohnendes Thema betrachte, worüber zu schreiben für mich wertvoll ist. Und in letzter Konsequenz nur den aktuellen Stand des Irrtums repräsentieren soll, in dem ich mich derzeit befinde. Es gibt noch sehr viel darüber zu lernen ..

Im allgemeinen gehen wir sehr freizügig und vielleicht auch ein bisschen zu spielerisch mit dem Begriff Bewusstsein um, denn mit dem Wort Bewusstsein werden eine ganze Menge Dinge umschrieben oder benannt, wofür es womöglich keine genauere Definition gibt.

“Das Bewusstsein” – das wirkt dann oftmals wie eine Art Etikett, worunter alle dasselbe verstehen sollten. Aber eigentlich ist Bewusstsein für uns Menschen eine sehr komplexe Sache, wo viele Räder ineinandergreifen und die ne ganze Menge unterschiedliche Vorstellungen über das Leben beinhalten, um einen gigantischen Prozess möglich zu machen, der bis zum Ende unseres Lebens und darüber hinaus laufen wird.

Wenn von Bewusstsein gesprochen wird, müssen wir unterscheiden –  zwischen dem Bewusstsein an sich und der Instanz in uns, die durch und mit Bewusstsein arbeitet, die wahrnimmt und sich selbst bewusst ist. Bewusstsein an sich, kann man als eine göttliche Essenz betrachten, ohne die es kein Leben oder keine Existenz geben würde.

Ich möchte das Bewusstsein als einen inneren Raum in uns beschreiben, in dem eine große Vielfalt unterschiedlichster Wahrnehmungen und Informationen zusammenkommt, prozessiert, ausgewertet, sortiert und abgespeichert wird. Nein, wir sprechen nicht über das Gehirn, das ist aber teilweise daran beteiligt. Die Wahrnehmungen meiner Gefühle und Emotionen, meine Gedanken und Glaubensmuster, energetische Einflüsse, meine Rückschlüsse und Erkenntnisse zu allen möglichen Themen, Erfahrungen, usw., – all dies ist ein kontinuierlicher Strom, der innerhalb meines Bewusstseins zusammenfließt und den gesamten Informationsinhalt des Körper-Geist-Komplexes umfasst und mein Bewusstsein permanent anreichert. Das Bewusstsein ist wie eine Art “Multimedia Superhighway”, welche den menschlich und seelisch erlebten Spannungsbogen mit all seinen scheinbaren Widersprüchen zwischen den Wahrnehmungen der inneren und äußeren Welt aus vielen Kanälen zusammenbringt.

Ich bin das ICH BIN

Bewusstsein hängt mit der Tatsache eigener Existenz und den Wahrnehmungen innerhalb der eigenen Existenz zusammen. Nicht nur mit der menschlichen Existenz, sondern mit Existenz grundsätzlich. Wenn man irgendwo den “esoterisch geflügelten” Spruch, “I AM”, also “Ich bin” liest, dann wird damit genau das ausgedrückt – “ich existiere”. Das manche daraus eine Art “Zauberspruch” gebastelt haben, wie etwa, “Kraft meiner göttlichen Ich Bin Gegenwart erlaube ich den Illuminati nicht mehr, weiterhin Kriege zu führen”, den kann man lustig finden. Aber es demonstriert natürlich einen deutlichen Mangel an Verstehen, dass die Tatsache der eigenen Existenz alleine nicht dafür ausreicht, um einfach irgendwelche Verfügungen, die man sich grade denkt oder wünschen mag, in die Realität zu bringen. “I Am” bedeutet nur am Leben, in Existenz und sich selbst bewusst zu sein ..

Es ist Mode geworden, in den sozialen Netzwerken Zitate erleuchteter Meister zu posten, wie etwa: “Ich bin das eine, unendliche Bewusstsein – ICH BIN DAS” – dann frage ich mich manchmal, wem soll das nützen? Natürlich sind wir Teil des einen Bewusstseinsstroms, aber wir sind eben auch Menschen. Die Erkenntnis: “Ich bin das eine, unendliche Bewusstsein – ICH BIN DAS”, wird weder dabei helfen, meine Miete zu bezahlen oder meine menschlichen Probleme zu lösen. Ein Unterschied ist natürlich auch, ob jemand das postet, weil er es irgendwo gelesen oder gehört hat – oder ob er eine Selbstrealisierung diesbezüglich erlebt hat. Wenn einem das wirklich bewusst ist, dann wird das zwar einiges verändern, aber ein Mensch bleibt man dennoch ..

Bewusstsein ist ein Geschenk der Schöpfung und des DaSeins selbst, das wir alle erhalten haben, weil wir Teile der Schöpfung selbst sind. Die Entwicklung von persönlichem Bewusstsein hingegen, ist ein fortlaufender, sehr von Dynamik geprägter Prozess, in dessen Verlauf wir immer mehr über uns selbst, die Welt in der wir uns befinden und all die Zusammenhänge, die damit einhergehen, verstehen. Bewusstsein ist eine sich fortsetzende Geschichte von Erfahrungen, von Versuch und Irrtum, lernen, verstehen und vor allem Selbstreflektion. Man muss es Tag für Tag leben und diverse Erfahrungen durchleben, um Bewusstsein mit Erkenntnissen, Schlussfolgerungen über diese Erfahrungen und damit Anreicherung von Wissen im eigenen Bewusstsein anzulegen.

Unser Bewusstsein umfasst eine enorme Bandbreite verschiedener Erkenntnisstufen und Grade, die man erreichen und verstehen lernen kann.

Bewusstsein ist Wahrnehmung und Wahrnehmung bedingt Fokus. Die Aufmerksamkeit des eigenen Bewusstseins muss auf eine bestimmte Sache gelenkt werden, um das Bewusstsein damit zu füllen. Es muss eine Instanz geben, welche die Aufmerksamkeit auf bestimmte Vorgänge und/oder Ereignisse lenkt – um das Bewusstsein darauf zu fokussieren, drauf zu richten. Bewusstsein an sich ist vollkommen neutral, nicht zielgerichtet oder fokussiert. Es ist gleichzeitig überall und nirgends. Es ist der jeweilige Träger eines Bewusstseins, welches ihm eine bestimmte Richtung, einen Brennpunkt und die persönliche Note gibt. Und damit kommen wir zur Identität, die das jeweilige Bewusstsein beherbergt und ausdrückt.

Seele vs Mensch-Bewusstsein

Da ist zum einen die ursprüngliche, seelische Identität und zum anderen, die menschliche Identität und Persönlichkeit – das sogenannte Ego.

Auch wenn manche Leute glauben, das Ego wäre nur eine Illusion, so ist dies eine Halbwahrheit – also nicht wahr, aber auch nicht ganz falsch. Kommt ganz auf den Kontext und die Perspektive an, wie man das betrachtet.

Wer sich nur lange genug mit den Umständen der menschliche Persönlichkeit und wie sich diese entwickelt auseinandersetzt, wird irgendwann bei der Erkenntnis landen, dass tatsächlich viel von der menschlichen Identität auf Konditionierung basiert. Wie wir sprechen, denken, was wir glauben, diverse Einstellungen und Werte oder hunderte andere Dinge sind uns antrainiert worden – wir haben das gelernt. Und wir identifizieren uns mit damit, weil wir daran glauben, was wir gelernt und trainiert haben. Dabei übernehmen wir eine ganze Menge an falschen Vorstellungen und identifizieren uns mit verdrehten, uns eigentlich fremden und nicht zu uns passenden Ideen. Man nennt diese Form von Identifikationsverhalten auch “falsches Ego” – falsch deswegen, weil es uns unweigerlich von uns selbst wegführt. Das führt zu persönlichen Erfahrungen, die eigentlich nicht so wirklich im Plan lagen.

Und ja, es kann ein bisschen desillusionierend sein, wenn man erkennt, wie viele unserer Verhaltensweisen, Reaktionen und Standpunkte auf antrainierten, gelernten Prozessen beruhen, die wir im Rahmen der menschlichen Sozialisierung durchlebten. Aber das ist trotzdem nicht die ganze Wahrheit.

Jeder von uns hat bestimmte Charaktereigenschaften, Talente und Fähigkeiten, die andere Menschen nicht haben und wir reagieren alle sehr individuell auf Umstände, die zwar alle Menschen erleben, aber die aber eben doch unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt werden. Das ist nicht nur der menschlichen Konditionierung zu verdanken, sondern ist auch ein  “maßgeschneidertes Kleid”, welches wir für die menschliche Inkarnation “anziehen”. Und zwar zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Seele, abgestimmt auf ihre jeweilige Entwicklungsstufe und die Inkarnationsabsicht.

Die jeweiligen Prägungen, die wir als Menschen haben, sind eine bunte Mischung zwischen menschlicher Konditionierung und basieren ebenso auf den seelischen Entscheidungen, die im Auswahlprozess vor der Inkarnation für unsere jeweilige menschliche Persönlichkeit gefällt wurden. Das sind Ego – also Persönlichkeitsstrukturen, die man als echt bezeichnen kann, weil sie für uns als Seele exakt so zugeschnitten wurden. An diesen originalen Egostrukturen kann man auch nicht herumdoktern oder sie verändern, da kannst du Transformationsarbeit machen, bis der Rauch aus dir aufsteigt – aber man kann an den “falschen Egostrukturen” arbeiten und sie verändern.

Dieser Auswahlprozess des Inkarnationsdesigns orientiert sich an der jeweiligen Rolle, welche die Seele als Mensch zu spielen und zu erfahren gedenkt. Dabei werden grundsätzliche, bereits vorkonfigurierte, auf die jeweilige Inkarnation abgestimmte UND nicht konfigurierte, undifferenzierte Aspekte und Kanäle, mit dem gesamten menschlichen Setting verbunden.

Diese “Illusion oder nicht Illusion” Frage, kann nur schlüssig beantwortet werden, wenn man verstanden hat, dass wir keine Menschen, sondern Seelen sind, die menschliche Erfahrungen machen. Das menschliche Ego ist kein Unfall der Schöpfung und auch keine Illusion, sondern ein Design, welches dem Zweck der menschlichen Erfahrung dient. Und damit ist das Ego zwar eine temporäre Erscheinung, die nach dem physischen Tode zerfällt, wobei aber die Erfahrungen, die ich als genau dieser Mensch gemacht habe, erhalten bleibt. Nur, weil das Ego, die Persönlichkeitsstruktur, die wir ausgewählt haben, eine auf Zeit begrenzte Erscheinung ist, bedeutet das nicht, es wäre eine Illusion. Denn es entspricht vollkommen den Bedürfnissen, Absichten und Neigungen der seelischen Kernidentität – wir alle wählen ein Ego, welches zu uns als Seele passt und deswegen kann man die ausgewählte Egostruktur auch als echt bezeichnen.

Das ursprünglich gewählte, echte und das “falsche Ego” – BEIDE sind notwendig, im menschlich – seelischen Bewusstseinsprozess. Es ist nichts falsches am “falschen Ego” – an den zahlreichen, übernommenen Dogmen und Glaubenssätzen, die wir im Rahmen von Erziehung und Gesellschaftsströmungen aufnehmen. Tatsächlich scheint genau diese energetische, gegensätzliche Spannung notwendig, um den eigenen Bewusstseinsprozess in Bewegung zu bringen, was überhaupt erst zu vielerlei Erkenntnissen und Bewusstseinswachstum führt.

Natürlich nennen wir es falsch, wenn uns erstmals bewusst wird, wie sehr wir in die Irre gegangen sind und Dinge übernommen haben, die eigentlich nicht zu uns passen. Aber es ist der Kontrast, zwischen falschem und echtem Ego, zwischen den konditionierten Identifikationsübernahmen und dem originalen Bauplan in uns, der die Bewusstseinsentwicklung vorantreibt. Und zu diesem Verständnis gelangen wir auch erst, wen wir viele unterschiedliche, menschliche Leben hinter uns und Erfahrungen gemacht haben.

Auch dann ist es meistens erst ab der zweiten Lebenshälfte möglich, wenn wir uns mit uns selbst ernsthaft auseinandersetzen, dass wir zu erkennen beginnen, wie viele Dinge wir übernommen haben, die uns eigentlich nicht dienen und die lediglich gesellschaftliche Dogmen und Übereinkünfte sind. Dazu ist ein selbstreflektierender Prozess notwendig und ein verstärktes Beobachten und Wahrnehmen der eigenen inneren Welt. Wenn einem dann bewusst wird, wie viele Dinge wir entgegen unserem besseren Wissen getan haben, fangen wir an, uns aus falschen Mustern und Verhaltensweisen zu befreien. Dies ist der Anfang, wo der Nebel der Selbsttäuschungen sich zu lichten beginnt ..

Die Seele hat kein Interesse daran, ihre menschliche originale Egostruktur aufzulösen, weil sie diese benötigt. Das Ego ist ein Werkzeug, ein Instrument für die Seele, wodurch sie befähigt wird, ganz in Raum und Zeit verankert zu sein. Wenn Leute auf die Idee kommen, ihr “Ego loslassen” oder gar „töten“ zu wollen, dann ist dies die Übernahme einer Idee, die mit spirituellem Jargon und dem unausgesprochenen Versprechen daherkommt, dies wäre das ultimative Ziel, um ein Leben ohne Schmerz, Kummer oder Leid zu führen. Dabei rührt der größte Teil unseres Schmerzes eigentlich daraus, dass wir nicht unsere original gewählte Persönlichkeit, die wir ursprünglich geplant hatten, ausdrücken und leben, sondern uns verbiegen. Und abgesehen davon, gehört Schmerz zu der menschlichen Erfahrung, die manchmal einfach passiert und nicht vermieden werden kann. Als Seelen werden wir im Laufe vieler Inkarnationen dass gesamte Spektrum menschlicher Gefühle und Emotionen erleben. Und es ist der erfahrene Schmerz, der dafür sorgt, dass unser menschliches Bewusstsein Tiefe bekommt. Und uns dadurch befähigt, Mitgefühl mit anderen zu empfinden.

Das Bewusstsein, welches wir als Seele und jenes, welches wir als Mensch haben, ist natürlich unterschiedlich, kann aber nicht so ohne weiteres voneinander getrennt werden. Immerhin nimmt die Seele Einfluss auf das menschliche Bewusstsein, indem sie leise unterstützt und führt. Wenn dann der Moment eintritt, wo die menschliche Persönlichkeit zu der Erkenntnis und der eigenen Wahrnehmung der Seele kommt, dann verändert das ziemlich viel an den eigenen Wahrnehmungen und natürlich an der Identifikation des Menschseins. Aber bleiben wir beim menschlichen Bewusstsein.

Worüber habe ich als Mensch Bewusstsein?

Wenn wir die Worte “Bewusstsein” oder “bewusst” verwenden, dann wird dabei immer ein weiterführender oder dahinterstehender Kontext angesprochen. Ein Beispiel:

Situationsbewusstsein

Nehmen wir einmal an, ich stehe mit einem Kollegen an einer Straßenecke und wir beobachten, wie ein Spaziergänger – weder links, noch rechts blickend, über die Straße geht und von einem Auto gestreift wird. Mein Kollege könnte eventuell sagen: “Selber Schuld, der Typ hatte null Bewusstsein für das Verhalten im Straßenverkehr.” Damit sagt er zum einen, dass dieser Mann entweder unaufmerksam war oder dass er einfach einen Scheixx auf Verkehrsregeln gegeben hat. Er achtete nicht auf den Verkehr, weil der Fokus seines Bewusstseins vermutlich völlig woanders war. Schlecht für ihn ..

Jedem von uns ist klar, dass im Straßenverkehr – egal, ob Spaziergänger oder Autofahrer, ein gewisses Situationsbewusstsein vorhanden sein sollte. Ein selbstreflektierendes Bewusstsein darüber, wo ich selbst stehe, wo die anderen Verkehrsteilnehmer sich befinden, oder sich hinbewegen. Ein Wissen über Verkehrsregeln und über das Verhalten im Verkehr. Wenn wir also von Situationsbewusstsein sprechen, dann inkludiert das ein mentales, gelerntes Wissen, gepaart mit Erfahrung, die einhergeht mit dem persönlichen Fokus.

Es gibt dazu sehr viele Bereiche, worüber man Bewusstsein haben kann: Wie etwa – Kommunikationsbewusstsein, Körperbewusstsein, Geldbewusstsein, Beziehungsbewusstsein, sexuelles Bewusstsein, energetisches Bewusstsein und vieles andere mehr. Wenn wir über menschliches Bewusstsein sprechen, dann sind Bewusstseinszustände gemeint, die sich immer wieder ändern und wechseln werden. Ein singuläres, kontinuierliches Bewusstsein ist eher selten der Fall. Unsere Bewusstseinszustände wechseln sich ab und beruhen auf unterschiedlich aufkommenden, emotionalen Stimmungen, welche wiederum von unseren inneren Anteilen kommen.

WER in mir hat welches Bewusstsein?

Es gibt sehr viele Ebenen in uns, die alle am Bewusstseinsprozess beteiligt sind und mitmischen. Viele unterschiedliche Persönlichkeitsanteile, die sehr unterschiedliche Ansichten, zum selben Thema haben können, z.B.:

Inneres Kind
Innerer Rebell/Teenager
Die Wächterstrukturen – innerer Kritiker, Richter, Ankläger, Beschützer, usw.
Der Erwachsene
Der Erwachsene in seiner bewussten Präsenz

Die hauptsächliche Bewegung, die in unserer Psyche zwischen all diesen Teilen vorherrscht, besteht zwischen jenen Teilen, die Schmerz empfinden, die also im Schmerz sind (was meistens bedeutet, das Innere Kind) und jenen, die versuchen diesen Schmerz auszubalancieren, auszublenden, ihn zu leugnen, dagegen rebellieren oder was auch immer helfen könnte, das System vor der Überflutung durch den Schmerz zu schützen.

Wenn wir kein Bewusstsein für das Drama haben, welches sich in unserer Psyche und damit auch in unserem Bewusstsein abspielt, dann werden wir immer wieder von einem Bewusstseinszustand in den anderen fallen – nicht wissend, was grade geschieht. Wenn irgendeine Situation oder ein Mensch mein Inneres Kind triggert, dann wird es wahrscheinlich passieren, dass ich mich in “Nullkommanichts” genau 5 Jahre alt fühle und genauso hilflos. Das Bewusstsein, worüber ich dann verfügen kann, ist exakt 5 Jahre alt – nicht grade sehr hilfreich, wenn man da als Erwachsener drinsteckt.

Mein innerer Rebell könnte daraufhin auftauchen, im Versuch, mich aus der Situation zu befreien und wird vermutlich aggressiv dabei vorgehen und alles zu Kleinholz raspeln, was dabei im Weg steht. Dieses Bewusstsein ist etwa zwischen 13 und 18 Jahre alt.

Die inneren Wächter sind bereit, jeden listigen Kniff und Trick anzuwenden, um mich aus der eingefrorenen Kind Situation rauszuholen, inklusive Selbsttäuschung und Lügen, Dissoziierung oder physischer Ohnmacht. Kommt ganz auf den Schwierigkeitsgrad der Situation an .. das Wächterbewusstsein ist unglaublich intelligent und gerissen. Das Problem ist nur, man kann ihnen kaum ein Wort glauben, weil sie nahezu alles einsetzen, um uns vor dem eigenen, innwendigen Schmerz zu beschützen.

Das Bewusstsein des Erwachsenen in mir wird solange anwesend sein, bis irgendetwas passiert, was dieses Bewusstsein aus dem Körper “rauswirft” und ein anderes Bewusstsein – was natürlich ebenfalls Teil meines Bewusstseins ist, auftritt.

Das Bewusstsein des Erwachsenen in seiner bewussten Präsenz, ist schon ein ziemlich “hoher” Bewusstseinszustand. Dieses Bewusstsein ist fähig und in der Lage, alle Teile seines inneren Systems zu handhaben. Es ist ihm möglich, Schmerz bewusst zu prozessieren und ist nicht mehr darauf angewiesen, die Wächterinstanzen in Aktion treten zu lassen. Aber auch aus diesem Bewusstseinszustand wird man immer wieder “rausfallen”, bis man diese Ebene in sich stabilisiert hat. Das benötigt Zeit und ist ein seeeehr langer Prozess.

Die Frage ist immer, wer oder was in mir lenkt gerade in diesem Moment mein Bewusstsein? Und wie viel Bewusstsein habe ich ÜBER mein Bewusstsein?

Unsere Erfahrungen definieren unser Bewusstsein

Das menschliche UND das seelische Bewusstsein setzt sich aus vielen “Komponenten” zusammen. Ihnen gemeinsam sind, dass viele praktische Erfahrungen notwendig sind, um zu lernen. Sie Seele lernt alles über das MenschSein, Jahrtausende lang. Als Menschen lernen wir, das eigene Bewusstsein auszudehnen, zu lenken und immer mehr über uns zu begreifen und zu verstehen. Um als Mensch Zugang zum eigenen seelischen Bewusstseinsreichtum zu kommen, müssen wir uns sehr ernsthaft und tief mit unserem Innenleben beschäftigen. Das braucht viel Zeit, Aufmerksamkeit, Disziplin und Beharrlichkeit – dran bleiben ist wichtig, denn Bewusstseinsausdehnung bekommt keiner von uns geschenkt, es muss sozusagen verdient werden.

Bewusstsein ist ein Prozess, der bis an unser physisches Lebensende läuft. Und die Seele hört ebenfalls nie auf, weiter zu lernen, sich selbst zu erfahren und auszudehnen. Sie mag für kurze Zeit zur infiniten Quelle zurückkehren, aber stürzt sich immer wieder in neue Lernfelder.

Und um den seelischen Reichtum und die Weisheit davon bergen zu können, werden wir uns mit den Untiefen des eigenen menschlichen Bewusstseins auseinandersetzen müssen. Dort, wo all der unerlöste Schmerz liegt, dort, wo es weh tut. Denn das überlagert den Zugang zur eigenen Quelle.

Until next time same station .. euer Steven

https://stevenblack.wordpress.com/

 

Om Mani Padme Hum ?

 

Da ich immer daran interessiert bin, dich näher kennen zu lernen, würde ich mich sehr freuen, wenn du unter diesen Artikel etwas darüber schreibst, was dich gerade am stärksten zu diesem Thema bewegt.

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Literatur:

Es wird darauf hingewiesen, dass dieser Blog nicht zur Diagnose und Behandlung medizinischer und psychischer Erkrankung gedacht ist. Bei einer entsprechenden Indikation wird an die Eigenverantwortung der LeserInnen appelliert, einen fachkundigen und entsprechend ausgebildeten Mediziner, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker aufzusuchen.

Wer bin ich und wenn ja, wie viele

Wer bin ich und wenn ja, wie viele

Dieser Exklusivartikel ist jetzt frei gegeben.

geschrieben von Renate Hechenberger

Wer bin ich und wenn ja, wie viele ist der Titel eines Buches von Richard David Precht. Den leih ich mir jetzt mal aus, denn er beschreibt wunderbar das erste Erkennen, dass wir mehr sind als wir meinen. Die Herausforderung, ein sogenanntes ICH (oder auch Ego genannt) in ein Selbstbildnis von einem WIR (Innere Personen, das Innere Team, Teilpersönlichkeiten, Aspekte, Subpersönlichkeiten, Energiemuster oder wie auch immer genannt) zu wandeln und alle diese Selbste auf kreative Weise zu integrieren, ist vielleicht die schwierigste Aufgabe in der Entwicklung des Bewusstseins in diesem Moment überhaupt.

Was wir als unser Ich kennen ist kein Ich, es ist vielmehr ein WIR.
Die Vorstellung, dass dieses angenommene Ich vielmehr ein Konglomerat verschiedener Ich-Identitäten und Persönlichkeiten sein könnte, um die menschliche Erfahrung zu potenzieren und die gemeinschaftlich an der menschlichen Erfahrung mitwirken, dies zerrt erst einmal an den Grundfesten des gelernten und ist ziemlich gewöhnungsbedürftig für viele. Denkt man genauer darüber nach und hat man einmal einige “Tauchgänge” in die eigene Psyche hinter sich, dann versteht man sehr schnell, wie die Architektur unserer inneren Landschaft wirklich beschaffen ist. Zum Beispiel sind sich Menschen sehr wohl bewusst darüber, dass „etwas“ in ihnen das eine will, und „etwas“ möchte was anderes, oder auch als unterschiedliche Stimmen bekannt, die sie in ihren Kopf wahrnehmen. Oft kommen die verschiedenen Persönlichkeitsanteile während des Tages durch, ohne dass die Person eine Ahnung davon hat, dass da mehrere Aspekte in ihrer Psyche anwesend sind. Die Übergänge können fließend, oder manchmal auch abrupt sein. Aber es wird immer aus der Position des Ich wahrgenommen. Dieses ständige Wechseln zwischen den Anteilen ist natürlich und stellt normalerweise kein Problem dar. Diese entstehen erst, wenn zu viele Anteile unterschiedliche Dinge möchten; dann beginnt der innere Kampf den viele gut kennen und der sehr viel Energie und Kraft kosten kann.

Wir mögen über unser „Inneres Kind“, unser „Über-Ich“ oder den Inneren Kritiker (die sind inzwischen populär geworden) unsere Launen und inneren Stimmen sprechen, aber die wenigsten von uns betrachten sie als eigenständige innere Wesen. Stattdessen werden sie als Metaphern für emotionale Zustände betrachtet oder als Aspekte unserer einheitlichen Persönlichkeit. Diese Idee der einheitlichen Psyche ist allerdings eine relativ neue Erfindung der „zivilisierten Gesellschaft“, denn wer sich nur ein bisschen mit den schamanischen Traditionen der Urvölker befasst hat, dem wird schnell klar, dass in all diesen Kulturen es das Reich der Geister gibt und eben auch ein Reich, das von verschiedenen Stimmen und Gestalten bewohnt wird.

Die meisten therapeutischen Modelle lehren, dass die Gründe für all unsere Lebensprobleme in unseren Genen, in neurologischen Prozessen, negativen Gedankenmustern, Mangel an rationaler Selbstkontrolle, kulturellen und familiären Konditionierungen oder strukturellen emotionalen Fixierungen zu finden sind. All diese Faktoren werden dargestellt als das, was zwischen unserer Realität und unserem idealen Selbst steht. Je kleiner diese Diskrepanz, umso größer ist unser Selbstbewußtsein – so die landläufige Meinung. Psychotherapie, ob traditionell oder von Pop-Spiritualität beeinflußt, hatte bisher lediglich zum Ziel, negatives Verhalten, nicht aber die ungesunde Basis unseres Verhaltens insgesamt zu behandeln, und wenn diese Basis nicht gesund ist, dann ist es egal, ob wir dieses Verhalten positiv oder negativ einschätzen. Denn alles, was wir unbewußt nutzen, um eine unangenehme Wahrheit über unser Leben nicht zu fühlen, stellt eine Art von Droge dar. Das anzuerkennen ist eine große Herausforderung.

Solange wir nicht wirklich und direkt mit den Inneren Personen Kontakt aufnehmen, ist klassische Therapie leider oft auf das Herauslassen oder Druckablassen von Emotionen beschränkt. Aber Ziel echter Therapie sollte sein, aufzudecken, was auch immer wir auf diese Art als Droge nutzen und das kann auch positive Verhaltensformen, positives Denken, Selbstkontrolle oder Spiritualität betreffen. Die Idee der Multiplizität des ICHs bleibt aber bislang eine Randerscheinung des psycho-medizinischen Establishments und unserer Kultur insgesamt.

Dem Einwand, dass Methoden wie IFS und Voice Dialogue die menschliche Persönlichkeit spalten könne, ist zu entgegnen, dass sie es bereits ist. Es ist die Aufgabe von Schulen wie IFS und Voice Dialogue, diese Spaltung zu erkennen und zu bearbeiten. Ohne dieses Verständnis müssen wir weiterhin ohnmächtig zusehen, wie verschiedene Persönlichkeits-aspekte unser psychologisches Auto steuern, während wir auf dem Rücksitz – oder noch schlimmer – im Kofferraum sitzen.

Die wichtigsten Methoden und Schulen der Inneren Personen Dynamik

Inner Family System (IFS) von Dr. Richard C. Schwartz hat in den letzten Jahren sehr nachhaltig dazu beigetragen, die professionelle therapeutische Landschaft dahingehend zu beeinflussen und zu verändern.

Voice Dialogue von Dr. Hal und Dr. Sidra Stone ist eine der ältesten Methoden, welche mit den Subpersönlichkeiten arbeiten. Theoretisch von Jung und Assagioli beeinflusst, wurde es von Trends wie Psychodrama, Gestalt, Transaktionsanalyse und Psycho gefördert, und Einflüsse können zurück auf die griechische Philosophie und die Lehren von Aurobindo und Gurdjieff verfolgt werden. Seither wird VD kontinuierlich ausgearbeitet und hielt Einzug in Psychotherapie, Coaching, Beratung und andere Bereiche.

Individual Systemics von Artho Wittemann ist eine im deutschsprachigen Raum sehr gut bekannte Methode. Er war einer der ersten Trainer von Voice Dialogue in Deutschland, trennte sich dann von VD und entwickelte Individual Systemics – „Fünf Sprachen der Psyche”.

Ein weiterer Einfluss kommt durch EBE (Emotional Body Enlightenment) von Daniel S. Barron. Ihm geht es um die Erleuchtung des menschlichen Emotionalkörpers und um das Ende der Vorstellung, dass das Menschsein auf irgendeine Weise transzendiert werden müsse, damit wir spirituelle Reife erlangen können. Laut Barron nehmen die Wunden des Emotionalkörpers die Gestalt bewusster, ganz bestimmter Subpersönlichkeiten an, um sich in Form unseres unbewussten Schattens und seiner verborgenen Motivationen zu zeigen.

Barron lehrt, dass unsere emotionale Entwicklung vier Stadien durchläuft:

1. Abhängigkeit von den Eltern im Kleinkindalter
2. Ko-Abhängigkeit von den Eltern in der weiteren Kindheit
3. Unabhängigkeit, sobald wir gelernt haben, uns emotional zu heilen
4. Authentische Offenheit, sobald wir unsere Heilung auch auf intime Beziehungen ausweiten

CoReOn True Self – CTS

Vor ungefähr fünfzehn Jahren fiel mir auf, dass ich in meiner energetischen Arbeit immer wieder unterschiedliche Anteile von Menschen sehr leicht wahrnehmen konnte, vor allem die inneren Kinder, aber auch andere “Figuren“. Oft konnte ich sie richtiggehend „sehen”, meistens aber habe ich sie „gehört“, da ich stark hellhörend bin. Mein Problem jedoch war, dass ich nicht wusste, was mit ihnen anfangen bzw. wie ich ihnen am besten helfen sollte.
Ich habe mich lange damit herumgeplagt herauszufinden, wie diese Stimmen und Aspekte einzuordnen sind, habe lange gesucht und nichts brauchbares gefunden, bis ich „zufällig” in London auf Voice Dialogue gestoßen bin. Endlich hatte ich ein System und Erklärungsmodell gefunden, welches für mich Sinn machte und mit dem ich mich und meine Arbeit weiterentwickeln konnte.

Da ich ja keine Psychotherapeutin bin, sondern Spezialistin für energetische, spirituelle, feinstoffliche, innere Welten, war ich hauptsächlich daran interessiert, wie ich diese für mich neue und total spannende Welt der Inneren Personen Menschen zugänglich machen kann, die sich nicht in Therapie befinden. Also eine Methode für Menschen zur SelbstErfahrung und Kommunikation; ähnlich aufgebaut wie Voice Dialogue, nämlich für Jedermann, nicht nur für Spezialisten und Therapeuten.

Also fing ich an mit meiner CoReOn MasterClass Gruppe für einige Jahre zu experimentieren, ausprobieren und wirklich testen, was am besten anwendbar ist. Ich wurde dabei von Ansätzen und Methoden wie Aufstellung (der inneren Anteile), Focusing (Fühlen), Voice Dialogue, IFS, Barron und Witteman geführt, getragenen und inspiriert. Daraus hat sich über einige Jahre hinweg dann mein eigener Ansatz CoReOn True Self (CTS) entwickelt, den ich mit meiner Art der Energiearbeit und geführten Trance Reisen (Meditation) speziell für diese Arbeit verbunden habe. CTS bildet jedoch ein in sich vollständiges Weltbild, das keine dieser anderen Lehren repräsentiert oder von ihnen repräsentiert wird.

CTS ist natürlich nicht in der Größenordnung einer IFS oder VD Methode angelegt, sondern eine kleine, immer noch sehr experimentelle Methode, um die Inneren Personen kennenzulernen, die verdrängten Anteile zu integrieren und sich zusammen weiterentwickeln lernen, mit der klaren Absicht, in Zukunft so gut als möglich aus unserer Bewussten Präsenz heraus zu leben.

Ich suche ständig nach neuen Kriterien für Selbst-Aktualisierung durch emotionale Reife, denn beides hat bislang in der gesamten Bewusstseinsszene gefehlt. Es gibt dort immer noch keine klare Vorstellung davon, was genau Emotionen sind, was der Emotionalkörper ist, wie er unsere Emotionen speichert und wie wir mit ihnen auf eine heilende Art und Weise umgehen können. Ich habe das halbe Universum dafür in Bewegung gesetzt, damit wir hier endlich einmal weiter kommen. Mein Höheres Selbst und mein gesamtes Team aus den geistigen Welten sind mit diesem Projekt verbunden, und sie unterstützen uns nach ganzen Kräften und Möglichkeiten – denn es ist wirklich kein leichtes Unterfangen, zumindest nicht jetzt. Ich beginne täglich besser zu verstehen, dass es die Inneren Personen sind, aus denen ALLE unsere emotionalen Konflikte stammen und wenn sie nicht geheilt werden, führt keine Therapie oder spiritueller Weg zu echter Transformation.

Die Inneren Personen aus der Sicht von CTS

Die spirituellen Lehren sowohl des Ostens als auch des Westens gehen immer davon aus, dass wir die so genannten negativen Aspekte, den Schatten unseres Menschseins transzendieren müssen, um in Liebe, Mitgefühl und All-Verbundenheit zu leben. Vor allem sind sie stark auf Ego-Auflösung basiert, welches ein wirkliches Drama im Inneren des Menschen auslösen kann, denn viele der inneren Anteile sind strategisch, d.h. sie sind Teil des Egos. Und sie wollen sicher nicht aufgelöst werden, deshalb kann es zu ernstzunehmenden Psychosen kommen, wenn das versucht wird.

Was wir als unser ICH kennen ist keine singuläre Persönlichkeit, sondern vielmehr ein komplexes Sozialsystem aus mehreren Persönlichkeitsanteilen. Anteile, die wir teilweise schon mitgebracht haben und Anteile, die wir in diesem Leben aus uns selbst erschaffen haben – die aber sehr unterschiedlich agieren und reagieren können. Was wir als unser Ich kennen ist kein Ich, es ist vielmehr ein WIR.

Jeder Mensch erlebt sich selbst in unterschiedlichen Ich-Zuständen, in verschiedenen Rollen. Die Ich Erfahrung des Menschen ist wie eine Art Rollenspiel, wobei unser Bewusstsein sich mit jeder beliebigen Rolle identifizieren, sie als Identität annehmen und zum Leben erwecken kann. Bewusstsein kann jede Persönlichkeit annehmen und alle möglichen Vorstellungen von einer Persönlichkeit entwickeln, sodass wir glauben, nur diese eine Persönlichkeit zu sein. Bevor wir in einen physischen Körper inkarnieren, wissen wir genau, dass wir nicht die Erfahrung sind, sondern Erfahrungen haben. Als Mensch jedoch glauben wir hartnäckig daran, nur dieser Mensch, mit jenen Erfahrungen zu sein. Unser Ich ist jedoch ein systemischer Verbund, wie eine Art innere Familie.

Wir erleben uns möglicherweise als ein Vater oder eine Mutter, gleichzeitig sind wir vielleicht auch Inhaber einer Firma oder Angestellte. Wir sind eventuell auch Mitglied in einem Sportklub, begeisterte Mathematiker, Hobbybastler, vielleicht lieben wir Science Fiktion Bücher oder sind auch noch “Play Station” Fan. Als Vater oder Mutter werden wir die Welt aus völlig anderen Augen betrachten, als der Firmeninhaber, der wir auch sind. Wir werden als Unternehmer oder Angestellte andere Herausforderungen haben, als jene, die wir als Eltern haben. Der Persönlichkeitsanteil, der Mitglied in einem Sportklub ist, wird sich wieder etwas anders ausdrücken, als der Teil in uns, der Vater oder Mutter ist. Und anders, als wir uns als Firmenchef ausdrücken.

Der Mathematiker in uns wird viele Herausforderungen in der Welt unter mathematischen Gesichtspunkten betrachten. Der Bastler in uns kümmert sich vielleicht überhaupt nicht um weltliche Probleme, sondern zieht sich lieber zurück und bastelt halt etwas schönes. Der Firmeninhaber in uns muss beispielsweise fähig sein, harte Entscheidungen zu treffen, die wir als Vater oder Mutter nicht gezwungen sind zu treffen. Und auch nicht der Bastler in uns, der Sportler oder der “Playstation” Spieler.

Und trotzdem sind wir das alles. Wir sind das alles und mehr. Und jeder dieser Persönlichkeitsanteile, die wir über die Zeit entwickelt haben, nimmt sich als ein Ich wahr. Diese Ich Ausformungen gründen sich auf spezielle Interessen und Neigungen, die andere Teile in uns gar nicht haben. Viele Menschen nehmen nicht einmal wahr, dass sie aus unterschiedlichen Persönlichkeitsaspekten bestehen. Es gibt auch Menschen, deren Persönlichkeitsbandbreite auf nur wenigen Aspekten beruht, während andere Menschen breitgefächerte Persönlichkeitsanteile entwickelt haben. Das ist Teil des menschlichen Sozialisierungsprozesses, den jeder Mensch unterschiedlich erlebt und daher prägen wir unterschiedliche Persönlichkeitsaspekte aus.

Das Problem dabei ist nicht, dass wir verschiedene Anteile haben, sondern dass in uns Persönlichkeitsanteile existieren, die wir verdrängt, abgespalten und verbannt haben, oder die schwer traumatisiert sind und wir sie bislang nicht integrieren konnten, egal welche Wege und Methoden wir bisher versucht haben und oft kläglich gescheitert sind.

Wir brauchen also dringend Methoden wie IFS, VD und CTS, um unseren sogenannten Schatten heilen zu können, ohne ihn zu transzendieren. Und damit wird unser »Menschsein« zum Fundament und zur Voraussetzung für unseren spirituellen Weg, anstatt zum Hindernis. Nur so werden wir erleben, dass wirkliche spirituelle Reife nur auf Grundlage echter emotionaler Reife möglich ist.

Von Herz zu Herz ?
Renate

 

Om Mani Padme Hum ?

 

© 04 + 10/2017 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.

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Da ich immer daran interessiert bin, dich näher kennen zu lernen, würde ich mich sehr freuen, wenn du unter diesen Artikel etwas darüber schreibst, was dich gerade am stärksten zu diesem Thema bewegt. ?

Quellen

IFS Therapeuten Deutschland, Österreich, Schweiz

Empfehlung

Zum Thema empfehle ich auch folgende Bücher:

Barron ist leider nicht mehr erhältlich, weder in Deutsch noch in Englisch.

 

Wächter und Bewusste Präsenz

Wächter und Bewusste Präsenz

Dieser Exclusivartikel ist jetzt freigegeben ..

geschrieben von Steven Black

Wächter und Transformationsarbeit

Wächter sind, wie der Name schon sagt, im Beschützer Business. Ihre Aufgabe ist es jede Art von möglicher Situation und Erfahrung abzuwehren, die uns entweder an emotionale sowie mentale Konflikte erinnern, die wir einmal erlebt haben oder diese erneut stimulieren könnten. Die Wächter sind Kontrollinstanzen in uns, denen jedes Mittel recht ist, um jeden und alles abzuwehren oder anzugreifen, was an bereits zuvor erlebte Situationen und Gefühle auch nur entfernt erinnert, die mit erlebtem Schmerz zusammenhängen. Wächter sind Schutzteile, die sich VOR den Teilen, die traumatischen Schmerz erlebten positionieren und die versuchen zu verhindern, dass wir, das gesamte Ich System, diesen Schmerz erneut fühlen.

Es gibt viele Innere Wächter, aber im Grunde ist es ein einziges Wächterbewusstsein, welches sich in verschiedene Wächtertypen aufteilt, die unterschiedliche Funktionen und Aufgaben wahrnehmen. Dieses Wächterbewusstsein ist ein enorm wichtiger Bestandteil des Gesamtsystems, solange der Mensch mit Herausforderungen zu kämpfen hat, die er noch nicht ganz meistern kann. Das Wächterbewusstsein ist einerseits im ständigen Optimierungsbestreben, als auch im Flucht-, Kampf, Vermeidungs – oder Verdrängungsmodus. Als letzte Möglichkeit sperrt es Wahrnehmungsebenen völlig ab. Das Wächterbewusstsein ist ein Verteidigungssystem, zum Schutz der psychischen und emotionalen Stabilität, und um die menschliche Erfahrung zu optimieren.

Man nennt sie Wächter, weil sie permanent über die menschliche Erfahrung und das persönliche Erleben wachen. Die Energie, welche das Wächterbewusstsein antreibt ist eine tiefsitzende Angst vor jedweder Art von Schmerz, der in der physischen Erfahrung aber nicht zu vermeiden ist. Angst ist die Wurzel des Wächterbewusstseins. Diese Angst wird genährt von einem Bündel gestauter und unerlöster Emotionen, wie etwa Scham, Wut, Ohnmacht, Verzweiflung, usw.  und die verschiedenen Arten von Wächtern ergeben sich aufgrund diverser Situationen und Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit erlebten. Sie sind eine Reaktion darauf, mit dem Erlebten umgehen zu können.

Und hier liegt auch die Schwierigkeit, der man grundsätzlich begegnet, wenn man mit Menschen arbeitet. Jeder Klient trägt sein persönliches Päckchen an Wächtern mit sich herum. Was auch immer die Gründe sind, warum Leute zu einem Heiler, Coach, Psychologen oder Therapeuten gehen, sobald man die Oberfläche verlässt und tiefer geht, wird man die innere Wunde des Kindes und andere Verletzungen berühren. Sich direkt dem inneren, verletzten Kind zu nähern ist nicht nur sinnlos, sondern auch kontraproduktiv. Zuerst muss ein Kontakt zu den Wächterinstanzen aufgebaut werden, denn diese werden letztendlich entscheiden, wie weit der Klient zu gehen bereit ist – bzw., wie weit die Wächter es zulassen werden und können. Wenn Wächter nicht bereit sind, ein oder zwei Schritte zurückzutreten und den Prozess damit zu unterstützen, kann es passieren, dass Klienten mitten im Prozess den Kontakt einfach abbrechen und plötzlich nicht mehr kommen.

Wächter übernehmen sofort die Kontrolle, sobald etwas berührt wird, was das Bewusstsein der jeweiligen Person überfordert. Wir beobachten das in den privaten Aufstellungen von Klienten, aber auch in unseren Gruppen, wenn verdrängte Themen aus dem Unterbewusstsein aufgedeckt werden. Auch wenn der jeweilige Mensch den wirklichen Wunsch dazu hat, sich seiner in ihm liegenden Themen bewusst zu werden, kann es ihm im Laufe einer Aufstellung passieren, dass er alle Informationen ausblendet, die dazu auftauchen. Denn im allgemeinen neigt das Gesamtbewusstsein dazu, den unerfreulichen Aspekten in sich auszuweichen und sie grade nicht zu reflektieren. Der Drang zum ausweichen erfolgt nicht bewusst, sondern unbewusst, weil diese Ausweichbewegung in unserem Bewusstsein tausende Mal vollzogen und wiederholt ausgeführt wurde. Der Drang zum ausweichen erfolgt, sobald eine Verletzung gefühlt wird und wenn wir nicht fähig sind es zuzulassen oder nicht gelernt haben, wie man das konstruktiv prozessieren kann.

Es erfordert für jeden Menschen sehr viel Mut, sich den eigenen Abgründen zu stellen. Und es erfordert sehr einfühlsame Menschen, die diese innere Arbeit selbst machen, um überhaupt fähig zu sein, mit anderen Menschen daran zu arbeiten. Es ist ein ziemlicher Drahtseilakt, um den Raum bereitzustellen, damit sich Vertrauen entwickeln kann und die Wächter im Laufe des Prozesses nicht zu verschrecken. Ganz egal wie sehr man glaubt, man sei bereits durch die schwierigsten Dinge in der spirituellen Bewusstseinsentwicklung durchgetaucht. Wenn man sich auf das Wagnis einlässt, sich seinen abgetrennten, versprengten, verletzten Teilen zuzuwenden, dann betritt man eine unbekannte Zone, was wahrscheinlich zum Schwierigsten gehört, worauf man sich in diesem Leben überhaupt einlassen kann. Eine Zone, die man stets vor sich selbst versteckte und die zu betreten wir vorher keine Kraft und keinen Mut fanden.

Auch wenn wir dann einmal den Entschluss gefasst haben, dass wir uns dem stellen, kann es dennoch passieren, dass wir uns der Herausforderung nicht gewachsen fühlen und versucht sind, die Flinte ins Korn werfen. Das sind dann jene Teile in uns, die Angst haben und wenn diese Ängste ein bestimmtes Maß übersteigen, dann werden wir die Stimme eines Wächters in uns hören, der uns entweder davon zu überzeugen versucht, dass das sowieso alles nur Quatsch ist oder dass wir das gar nicht nötig hätten. Da kriegen wir dann jede Menge gute Argumente vom unseren Wächtern bzw. Inneren Kritikern (die auch zu den Wächtern gehören) geliefert.

Ein beliebtes Argument welches hervorragend dazu geeignet ist, wäre beispielsweise – die Intuition.  Der/die Heiler(in), Therapeut(in) sei die falsche Person, sei nicht vertrauenswürdig, würde alles falsch verstehen, etc. Dabei werden wir zu der Ansicht kommen, es sei die Intuition, die uns davon abrät, sich weiterhin von dieser Person unterstützen zu lassen, obwohl diese nichts anderes getan hat, als die in uns blutende Wunde aufzuzeigen. Aber was da oftmals als Intuition auftaucht, ist manchmal nichts anderes als ein Wächter.

Das Problem dabei ist, so wertvoll Intuition natürlich sein kann – unsere Wächter sind fähig, jede erdenkliche, noch so konstruktive oder positive Intention zu benützen und sie für ihre Zwecke einzusetzen. Es kann natürlich auch stimmen, denn vielleicht ist jene Person tatsächlich nicht die Richtige für mich. Die Idee, dass die menschliche Psyche multipel angelegt ist, mit vielen Teilen und Persönlichkeitsaspekten, die wie eine Art inneres Orchester um den Kern der multidimensionalen Persönlichkeit gruppiert sind, erfordert eine intensive Untersuchung unserer eigenen Bedürfnisse, Ansichten, Absichten, Ziele und noch vieles mehr.

Die Frage ist immer, WER in mir hat welches Bedürfnis, wer in mir hat welche Absichten und wer in mir will überhaupt irgendetwas? Das zu untersuchen ist ein ständiger Hinterfragungsprozess, aber dabei lernt man sich selbst sehr genau kennen und man muss dabei auch ziemlich viel über sich selbst lachen. Vor allem, wenn man zu erkennen beginnt, welche Anteile grade vorne stehen und in uns übernehmen.

Solange wir nicht fähig sind mit unseren schmerzhaften und ungeheilten Emotionen umzugehen, brauchen wir diese Wächter in uns. Doch ihr Verhaltensmuster ist auch dafür verantwortlich, die Lebendigkeit in uns zu ersticken. Wenn wir nur mehr den Impulsen und Einflüsterungen unserer Wächter folgen, die immer angstbesetzt sind, dann zwängt es uns in ein enges, gepanzertes Korsett ein. Wächter sind sozusagen ein “zweischneidiges Schwert” – einerseits sorgen sie dafür, dass wir uns in unserer Identität und Realität sicher fühlen können, ganz egal wie sehr wir sie uns zurechtgebastelt haben, andererseits blockieren sie unsere Gefühlswelt und verhindern damit viele der feineren Empfindungen, die wir über das Leben und andere Menschen bekommen könnten. Die Vehemenz und Stärke unserer inneren Wächter korrelieren direkt mit dem Grad an Unsicherheitsgefühlen und der Angst in uns, welche wir durch verschiedene Erfahrungen entwickelt haben und welches sich für manche Teile in uns wiederholt bestätigt hat.

Doch in der Transformationsarbeit kristallisieren sich die Wächter immer mehr als ein Hindernis heraus, die den Weg der Integration und die Heilung der Vergangenheit blockieren wollen. Sie versuchen uns mit allen möglichen Ideen und Impulsen daran zu hindern, der Wunde bewusst zu begegnen. Und damit sorgen sie unbewusst dafür, dass wir weiter daran leiden werden. Denn die Wächter können nicht verhindern, dass eine Neuinszenierung früherer Erlebnisse und alter Wunden in abgewandelter Form passiert. Ihr Modus besteht ja aus Vermeidungsstrategien, um den erlebten Gefühlen fernzubleiben und indem sie alles Mögliche unternehmen, um uns abzulenken, unseren Emotionalkörper betäuben oder absperren. Dafür verwenden sie alle möglichen Methoden, angefangen von Drogen, Alkohol, Spielsucht, Sexsucht, Mediensucht, Kaufsucht, bis hin zu diversen anderen Ablenkungen.

Wächter machen auch keinen Halt vor spirituellen Prinzipien, die – so hoch sie auch sein mögen, ebenfalls als Vermeidungsstrategie eingesetzt werden können. Man nennt das auch “Spiritual Bypassing” – wobei alle möglichen spirituellen Lehren und Ansätze zur Vermeidung der Realität und zur Verleugnung von Schmerz eingesetzt werden oder um die blutende Wunde zu verdecken, die tief in uns existiert. Wenn Leute vom “Spirituellen Ego” reden, dann wird damit nichts anderes beschrieben als ein sehr spezieller, hochintelligenter, überintellektualisierter und durchtriebener Wächter. Dieser hat das Wissen unzähliger Bücher und Weisheitslehren aufgesaugt und auswendiggelernt und tut so, als ob er diese Weisheiten alle verstehen und leben würde, dabei hat er nur den Jargon und das Wissen eines anderen Menschen übernommen und benützt dieses Wissen, um den inwendigen Wunden einen dicken Panzer zu verpassen, damit wir uns unverwundbar fühlen und die Welt rosa malen können.

Um es klar zu sagen, jeder, der in spirituelle Welten eintritt, wird manchmal der Versuchung erlegen, durch Glückskeksweisheiten ala “wir sind alle Eins”, “du bist nicht deine Geschichte”, “es ist alles nur eine große Illusion”, wie eine Salbe zu verwenden, die wir auf unsere Wunden streichen. Genau das ist Spiritual Bypassing. Es mag uns eine Zeitlang in Sicherheit wiegen und unsere Wunden vergessen lassen, aber es verhindert sehr effektiv unsere Auseinandersetzung damit und ist so mitverantwortlich dafür, dass unsere Wunden erhalten bleiben.

Wächter benutzen Spiritual Bypassing, um uns etwas zu geben, woran wir glauben können und um eine bessere Vision davon zu liefern, was wir in unserer persönlichen Realität so sehr vermissen. Das Problem ist natürlich, dass diese Visionen lediglich Wunschdenken sind, die sich nie bewahrheiten oder real werden können. Wächter benutzen es, um uns von der unerträglich empfunden Situation abzulenken, an der wir gerade leiden. Es ist ihnen total egal, dass sie eigentlich einen echten Umweg auf dem Weg zu authentischer Spiritualität erschaffen. Indem wir dann das Entscheidende vermeiden, nämlich die Auseinandersetzung mit unseren Wunden, wird Spiritualität zu einer Krücke, statt zu einem Ausdruck unserer natürlichen Entfaltung. Wirkliche Transformationsarbeit ist Konfrontation mit dem in uns lebenden Schmerz. Der Weg zur Heilung und Integration geht durch den Schmerz, nicht über Schmerzvermeidung, denn Schmerzvermeidung zementiert die Wunde bis in alle Ewigkeit.

In der spirituellen und therapeutischen Arbeit ist es daher unumgänglich, sich mit den inneren Wächtern auseinanderzusetzen, damit wir die Zusammenhänge verstehen, wie die Wächter in uns vorgehen, welche Wunde sie beschützen und weshalb. Solange wir die Wunden in uns verleugnen oder weghaben wollen, bleiben sie aktiv und die Wächter sind in ihrer Funktion erstarrt. Wir haben durch viele Aufstellungen hinweg gelernt, als erstes die Wächter kennenzulernen, sie zu begrüßen und ihnen zu versichern, wie sehr wir ihre Anwesenheit schätzen. Wir bedanken uns bei dem jeweiligen Wächter für seine unermüdliche Arbeit, unser Überleben sichergestellt zu haben. Und wir betonen, dass er da sein darf. Die Erleichterung der Wächter ist offensichtlich, nachdem sie realisierten, dass ihnen niemand ihren Platz streitig machen will. Und interessanterweise sind sie dann auch bereit, einen oder zwei Schritte zurückzutreten, um dem inneren Prozess Raum zur Entfaltung zu geben.

Dieser intime Tanz mit den Wunden der Kindheit und unseren Wächtern ist auch anstrengend. Du gehst damit einen entgegengesetzten Kurs, der für Jahrtausende auf der Erde dominierend gewesen ist. Die übliche Lösung war immer, dass unsere inneren Wächter übernahmen und uns dazu brachten dem Schmerz auszuweichen, zu leugnen, zu verdrängen, positiv zu sein, drüber wegkommen, cool sein, wasauchimmer – aber es hat nie auf Dauer funktioniert. Wächter sind letztendlich ein Notfallprogramm, aber keine effektive Lösung.

Eines sollte mittlerweile klar sein – die Wächter sind tatsächlich keine externe Kraft, die das persönliche Leben diktatorisch dirigieren. Auch wenn sich das manchmal so anfühlen mag.  Die Vehemenz und Stärke unserer inneren Wächter korrelieren direkt mit dem Grad an Unsicherheitsgefühlen und Angst in uns, welche wir durch verschiedene Erfahrungen entwickelt haben und die sich für manche Teile in uns wiederholt bestätigt haben. In unserem Bemühen, uns selbst so gut wie möglich zu beschützen, haben wir diese Wächter kreiert und ihnen die Aufgabe übertragen, uns zu beschützen.

Sie sind ein Teil unseres inneren Gesamtsystems – ein ziemlich wichtiger Teil sogar. Bricht die Wächterstruktur zusammen – was aufgrund vielfältiger, emotionaler, geistiger und energetischer Probleme passieren kann und wenn da kein bewusstes Ich, keine Bewusste Präsenz entwickelt wurde, die gelernt hat mit den inwendigen Wunden und Themen konstruktiv umzugehen, dann ist der Weg frei, in einer psychiatrischen Einrichtung zu landen. Wenn die Wächter die einzige Verteidigungslinie zwischen innerer und äußerer Realität sind und wir als Gesamtwesen nicht gelernt haben, konstruktiv und halbwegs gesund mit diversen Situationen umzugehen, dann ist niemand mehr da, der uns hindurchführen kann.

Nochmal: Wir selbst sind unsere Wächter, wir selbst sind unsere Teile und wir selbst sind es, die fortwährend um die Kontrolle des eigenen Erlebens besorgt sind.

Bewusste Präsenz entwickeln

Dass wir selbst unsere Wächter sind, das ist die wirklich gute Nachricht. Da sie ein essentieller Teil unserer Bewusstseinsstruktur sind, die nichts anderes im Sinn hat, als uns zu beschützen, werden sie uns ebenfalls unterstützen, wenn sie erkennen und uns wirklich glauben, dass wir uns jetzt daran machen wollen, die bisher unbewältigten Erfahrungen und Emotionen zu integrieren. Solange wir davor weglaufen, die unerfreulichen, gestauten Emotionen nicht fühlen oder einfach nur weghaben wollen, werden sie uns auch dabei behilflich sein.

Das bedeutet, wir müssen innerhalb von uns einen Persönlichkeitsaspekt entwickeln, der willens und fähig ist, sich den alten Geschichten zu stellen. Dabei nutzen wir dieselbe Quelle, womit wir auch alle anderen Persönlichkeitsaspekte in uns erschaffen haben. Nämlich uns selbst – und die Erschaffung dieser “Bewussten Präsenz”, wie Renate es nennt, ist eigentlich ein Prozess, der sich währenddessen vollzieht, während wir unsere verschiedenen Stufen von erkennen und verstehen der eigenen Innenwelt durchwandern und die erforderliche Transformationsarbeit dazu machen. Das dauert natürlich seine Zeit, bis wir die ganze komplexe Geschichte verstehen, die zu unserem Leiden und endlosem Drama geführt hat und anschließend den Integrationsprozess zu durchlaufen.

Es geht dabei um eine Verschiebung in unserem Bewusstsein, wobei wir lernen, den Fokus unseres Bewusstseins bewusst einzusetzen und selbstverantwortlich damit zu agieren. Dies ist (manchmal ein langer) Prozess. Dabei begibt sich dieser Teil in uns auf die Suche, um herauszufinden, wie all die Dinge in den eigenen Innenräumen zusammenhängen. Dazu wird man verschiedene Bücher darüber lesen, vielleicht Seminare und Workshops besuchen, sowie Erfahrungen mit unterschiedlichen Transformationstechniken suchen. Mit der Zeit lernt man sich selbst immer besser kennen. Und die früheren Rätsel, warum manche Dinge so geschehen sind, hören auf, ein Rätsel zu sein.

Dann beginnst du immer öfters zu erkennen, an welchen Momenten du im Leben mit den verschiedensten Persönlichkeitsaspekten in dir reagierst und identifiziert bist. Sobald du unterscheiden lernst, wann du mit deinem Wächterbewusstsein agierst, wann du mit deinem inneren, verletzten Kind identifiziert bist, bei welchen Situationen dein trotziger, rebellischer Teenager aktiv wird, wann der Innere Kritiker herumwütet oder in welche Erfahrungsrollen du sonst noch fällst – wenn dieser Tag kommt, wo du das wirklich verstanden und begriffen hast, dann ändert sich einiges in deiner Perspektive und du hast auf einmal einen Riesenbewusstseinssprung gemacht.

Das sind die Momente, wo du wirklich begreifst, dass es tatsächlich unterschiedliche Persönlichkeitsaspekte in dir gibt, die je nach Situation teilweise völlig anderes agieren. Dann erkennst du, dass das Wesen, welches du bist, vielmehr ein WIR anstatt ein einzelnes Ich ist. Wobei allerdings jeder Aspekt in dir, sich als ein Ich betrachtet – was völlig okay ist, dazu dient ja die menschliche Erfahrung. Das ist wirklich ein herausfordernder Moment, weil man der irrigen Idee verfallen könnte, man sei schizophren oder so. Natürlich stimmt das nicht, aber diese Erkenntnis über die verschiedenen Anteile bedroht (manchmal) die nicht auszurottende Idee unserer westlichen Kultur, wonach wir nur ein einzelnes, unteilbares In-di-viduum wären.

Und dann beginnt sich deine menschliche Erfahrung auf eine Weise zu verändern, wo du dir bewusst wirst, wie unbewusst du dir über deine verschiedenen Aspekte und Rollenmuster bisher gewesen bist. Wie unbewusst und oft hilflos du von einer Rolle in die andere gefallen bist, sobald eine bestimmte Situation auftauchte. Diese Bewusstwerdung ist ein wichtiger, essentieller Teil des Prozesses.

Dieser Begriff einer bewussten Präsenz, soll die diametral entgegengesetzte Wahrnehmungsebene von der unbewussten, manchmal ohnmächtigen Teilnahme an den eigenen Erfahrungen beschreiben. Diese Bewusste Präsenz, die wir im Prozess kennenlernen, trainieren und ausbilden und durch ständiges lernen prägen, wird nach und nach die Führungsrolle in unserem Gesamtsystem übernehmen. Bewusste Präsenz ist die einzige Instanz in uns die fähig ist, alle unerlösten Anteile und gestauten Emotionen zu integrieren. Damit entwickeln wir einen Persönlichkeitsanteil, der den unterschiedlichen Stimmungen und Strömungen in unserem System nicht mehr hilflos ausgesetzt ist. Indem wir die Verantwortung für unser Erleben übernehmen und mit hilfreichen Werkzeugen ausgestattet sind, sind wir den Vorgängen in unserer Innenwelt nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert, sondern werden zum “Herrn des Hauses”.

Until next time same station .. euer Steven

https://stevenblack.wordpress.com/

 

Om Mani Padme Werd Erwachsen ?

 

© 06/2017 Renate Hechenberger & Steven Black.
All Rights Reserved. Bitte Beiträge NICHT kopieren. Du kannst gerne einen Blogbeitrag von mir Rebloggen oder ein Zitat aus einem meiner Blogbeiträge mit meinem Namen und einem Link zum jeweiligen Artikel auf meinem Blog einbinden. Danke.

Foto credit: © Sargis Galstyan – Shutterstock/com
Foto credit Fun Frog: © Julien Tromeur – Shutterstock/com

Literatur:

 

Da ich immer daran interessiert bin, dich näher kennen zu lernen, würde ich mich sehr freuen, wenn du unter diesen Artikel etwas darüber schreibst, was dich gerade am stärksten zu diesem Thema bewegt. ?

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Du fühlst bevor du denkst

Du fühlst bevor du denkst

Dieser Exclusivartikel ist jetzt freigegeben ..

Liebe Leserin, Liebe Leser,

Der Autor dieses Artikels möchte sich bei dir vorstellen. Mein Name ist Steven Black und ich schrieb diesen Beitrag exklusiv für die Abonnenten der CoReOn Academy – in welcher alle Projekte von Renate zusammen laufen. Ich arbeite seit Jahren mit Renate, um mich persönlich, spirituell und emotional weiterzuentwickeln und ich bin stolz darauf, mit ihr zusammen die CoReOn Academy in die nächsten Entwicklungsstufen begleiten zu dürfen.

Auf meinem Blog schreibe ich über viele Themen die sich rund um Bewusstsein, Transformation und andere Themen drehen. Meistens schreibe ich über aktuelles Zeitgeschen und was mich gerade beschäftigt und inspiriert. Wenn du mich näher kennenlernen möchtest, bist du herzlich eingeladen auf meinem Blog vorbeizuschauen.

geschrieben von Steven Black:

Jeder Mensch hat einen physischen Körper der als Kulminationspunkt seiner energetischen, feinstofflich basierten Körper dient. Man sagt auch Energiekörper dazu. Der physische Körper ist der Brennpunkt des gesamten, aus all den verschiedenen, feinstofflichen Körpern und Schichten bestehenden Feldes, welche zusammen den Körper formen, ernähren, beleben und durchdringen. Das ganze Feld der feinstofflichen Körper wird Aura genannt. Die feinstofflichen Körper sind untereinander alle durch die Chakren verbunden und durch diese fließen die Energien und Informationen über den ätherischen zum physischen Körper.

Innerhalb des physischen Körpers werden diese Energien und Informationen an die jeweiligen Knoten- und Verarbeitungszentren geleitet, die mit den spezifischen Informationen verknüpft sind. Das schließt das gesamte physisch existierende Netzwerk des Menschen ein – alle seine Organe, Drüsen, Blutkreislauf, Gehirnsynapsen, Nervensystem usw.

Der Emotionalkörper ist dem Mentalkörper vorgeschaltet und bevor wir denken fühlen wir.

Während jedoch die psychologisch– wissenschaftliche Betrachtung immer noch der allgemein akzeptierten Idee von der “Vorherrschaft des Verstandes” anhängt, sind es tatsächlich unsere Emotionen und Gefühle, welche die Grundlage für unser Denken bilden. Unser Denken gibt uns wiederum die Möglichkeit, was wir fühlen zu definieren, einzuordnen und zu bewerten. Denken und Fühlen beziehen sich ständig aufeinander. Die Emotionen sind aber stärker als der rein mentale Ansatz, sie sind die Grundlage und der Treibstoff, wodurch Gedanken nach Verwirklichung streben. Das hat etwas mit kreativer Schöpfung zu tun, welche wir bewusst einsetzen können, aber meistens läuft das eher sehr unbewusst im Menschen ab.

Es ist ein großer Irrtum, dass in diversen spirituellen Ansätzen ständig der Verstand als “Übeltäter” auserkoren wird, der einem das Leben scheinbar vermiest. Aber es ist verständlich, wie es zu diesen Ansätzen gekommen ist. Zweifellos gibt es viele Menschen, die mit vielfältigen “Hamsterrädern” gedanklicher Natur in ihrem Leben Probleme haben. Gedankenkreisläufe, die einen ständig auf Trab halten und wo der einzelne Mensch oft den Eindruck bekommen kann, er steht seinen eigenen Gedanken hilflos und ohnmächtig gegenüber.

Ob nun Gedanken der Selbstkritik, des Zweifels, jeder Menge Sorgen, Ratlosigkeit, Selbstablehnung, Selbsthass, usw. Problem betrachtet, Problem analysiert – aha, Problem erkannt – die Lösung lautete: Denke weniger! Lass den Verstand still werden Konzepte, denke positiv Ideen, bleib im Sein Ratschläge waren die Folge. Die psychologischen Ansätze schlugen sich vorwiegend in Gesprächstherapien, Mentaltraining, oder schlimmstenfalls in ärztlicher Medikamentierung nieder.

Du fühlst, bevor du denkst! Denken kommt danach, denken ist nach-denken.

Sicher, diese Gedankenkreisläufe kommen über den Verstand, aber er ist nicht der Verursacher davon, er ist lediglich das “ausführende Organ”, welches die vorhandenen emotionalen Daten entschlüsselt, interpretiert hat und wiedergibt. Die Ursache sind diverse emotionale Energien, die sich im Emotionalkörper zu stauen begannen und den freien Fluss von Energieaustausch, zwischen Emotional – und Mentalkörper “verdünnten”. Was bedeutet, der Verstand kann nur analysieren, interpretieren, ordnen und nach – denken, was an emotionalen Inhalten verfügbar ist.

Nehmen wir als ein Beispiel, einmal folgendes an: Du hast als Kind, als Jugendlicher oder auch als Erwachsener, ein Erlebnis mit einem anderen Menschen gehabt, wo du dich nicht Ernst genommen fühltest oder wo du vielleicht gedemütigt wurdest. Vielleicht schimpfst du in Gedanken mit dieser anderen Person, verurteilst sie und führst einige Zeit lang “Selbstgespräche” in dieser Hinsicht. Dieses Erlebnis fühlte sich natürlich gar nicht gut für dich an und du willst das eigentlich nicht fühlen. Und im Laufe unseres Lebens gab es viele derartige oder vergleichbar unerfreuliche Erlebnisse und Gefühle – bei allen Menschen.

Die übliche Herangehensweise besteht darin, dass man so ein Erlebnis so schnell wie nur möglich “vergisst”. Man unterdrückt und verschiebt die Gefühle der Ohnmacht, der Scham oder vielleicht auch der Wut, die auf derartige Erfahrungen folgen und “steckt” sie in das sogenannte Unterbewusstsein. Und das bedeutet, der Verstand erhält keine vollständigen Daten über dieses Ereignis, denn sie sind dann fehlbehaftet und somit nicht wirklich prozessierbar und das Ereignis kann nicht korrekt eingeordnet und verarbeitet werden.

Andererseits erzeugt der Verstand auch Emotionen und Gefühle, weil sich Emotional– und Mentalkörper ständig aufeinander beziehen. Fühlen und Denken reagiert und interagiert stets miteinander. Es sind miteinander verschaltete, aufeinander rückwirkende und bezugnehmende Prozesse. Fühlen ist die primäre Wahrnehmung des Menschen, Denken ist das, was danach passiert. Denken assoziiert, interpretiert und bewertet Emotionen. Das Denken hilft uns, die Gefühle und Emotionen einzuordnen. Natürlicherweise favorisieren wir gute Gefühle, wir wollen uns am liebsten nur gut fühlen. Unser Verstand archiviert und ordnet Erfahrungen innerhalb einer “gut oder schlecht Bewertungsskala” ein. Gute Gefühle – super, muss unbedingt wiederholt werden. Schlechte Gefühle – ne du, lass mal sein.

Nun assoziiert der Verstand aber jedes Gefühl, das auf ein x-beliebiges Erlebnis erfolgt, mit dem gesamten Inhalt, der in der jeweiligen Situation aufgetreten ist und gleicht es mit vergangenen Ereignissen ab. Nehmen wir weiterhin an, das beispielhafte Erlebnis der Demütigung fand in einer Küche statt, wo noch drei andere Menschen zugegen waren. Messerscharf analysiert er: Schlechtes Gefühl = Küche, 3 Menschen, die jeweiligen Worte an sich, Gerüche im Raum, etc. Im Grunde wird eine vollständige Aufzeichnung der ganzen visuellen, taktilen, olfaktorischen, akustischen und gustatorischen Sinneswahrnehmung gemacht und wird mit vergangenen, ähnlichen Erlebnissen abgeglichen.

Dein Bewusstsein wird daraufhin mit emotionalen Erinnerungen, also einem Gefühl eines früheren, weiter zurückliegenden Ereignisses konfrontiert, wobei sich die Gefühle in der Gegenwart und aus der Vergangenheit vermischen, obwohl die Situationen dazu nicht identisch sind. Das ist der Versuch deines Verstandes, dich zu unterstützen, aber das führt meist zu einer zusätzlichen Belastung. Wenn du kein selbstreflexives Bewusstsein entwickelt hast und deinen Verstand im Autopilotenmodus arbeiten lässt, ist dies die limitierteste Version, welche du über ein x-beliebiges Ereignis bekommen wirst. Autopilotenmodus bedeutet, dass niemand “im Cockpit” anwesend ist, der lenkt.

Das läuft so schnell und automatisch in uns ab, dass uns das völlig entgeht und es verwirrt uns. Diese unvollständigen Daten werden dann meist noch unerfreulichere Gefühle stimulieren, was wiederum zu anderen, gedanklichen Fehlschaltungen führen kann. Das kann zu diversen Inhalten in unserem Bewusstsein führen, wonach wir uns dann wertlos fühlen oder ungeliebt. Auch das schieben wir sofort von der “bewussten Bildfläche” weg und blenden es aus unserem Leben so gut wie nur möglich aus.

Der Verstand im “Autopilotenmodus” ist in dieser Hinsicht nicht sehr gut dafür geeignet, um angemessen zu bewerten. Dieser “Autopilotenmodus” ist eine Basisfunktion des Verstandes, kein sehr gut entwickeltes Werkzeug, um adäquat auf Emotionen und Gefühle zu reagieren. Vor allem dann nicht, wenn wir einen inneren Widerstand gegen bestimmte aufkommende Emotionen haben. Es ist der innere Widerstand, welcher den tatsächlichen Inhalt verzerrt und dem Verstand nur teilweise Informationen über den Gefühlsinhalt zukommen lässt. Der Verstand denkt in Ähnlichkeiten UND Unterschieden, er kann hochkomplexe Berechnungen anstellen, wenn der volle Inhalt von Informationen gegeben ist. Aber das würde ein selbstreflexives Bewusstsein und die Bereitschaft zum Fühlen erfordern.

Im vollautomatischen, unbewussten “Autopilotenmodus”, werden dann vielleicht Glaubensmuster aufgebaut, die in etwa so lauten könnten: “Weil es damals so gewesen ist, wird es auch künftig und immer wieder so passieren.” Oder, “weil es damals so oder so gewesen ist, werde ich ab jetzt nur mehr knallhart auf andere Menschen reagieren und mich nie wieder verletzen lassen.” Diese emotionalen Signaturen werden zu mentalen Geschichten, die wir uns über uns selbst und das Leben erzählen und wir projizieren sie ebenso auf die Zukunft. So kann es eventuell passieren, dass du dich in Küchen nicht mehr so wohl fühlst oder, dass du dich künftig in Gegenwart mehrerer Menschen unbehaglich und unsicher fühlst. Du beginnst vielleicht Menschen allgemein abzuwehren, die dir nahe kommen könnten.

Selbstreflexion würde bedeuten, du erkundest bewusst, warum du dich so schlecht gefühlt hast. Dabei entdeckst du vielleicht, dass es frühere, ähnliche Erfahrungen diesbezüglich gibt, die vielleicht weit in deine frühe Kindheit zurückreichen. Dort haben die meisten Emotionen ihren Ursprung, welche als negativ klassifiziert werden und dich scheinbar verfolgen. Dort liegt die Wurzel aller emotionalen Konflikte, die uns im Leben begleiten.

Fühlen kann nur durch Beziehung und Kontakt stattfinden, indem ich in Beziehung bin mit mir selbst, anderen Menschen und Situationen. Indem ich tatsächlich anwesend bin, im Kontakt mit meinen Gefühlen und Emotionen.

Ein anderes Beispiel: Susi hat gesagt, ich bin eine blöde, strohdumme Kuh. Ich fühle mich dadurch verurteilt, nicht ebenbürtig, unzulänglich und fühle mich gar nicht gut damit. Ich versuche dann diese unguten Gefühle, soweit es mir möglich ist, zu unterdrücken. Auf der Basis des Erlebten gebe ich Susi die Schuld dafür, wie ich mich fühle und ich entscheide daraufhin vielleicht, dass eigentlich Susi eine blöde, strohdumme Kuh ist und, dass ich mit ihr einfach nichts mehr zu tun haben will. Ich mache Susi dafür verantwortlich wie ich mich fühle und beginne vielleicht anzunehmen, dass andere Menschen eine Bedrohung für mich darstellen, wenn sie doch scheinbar die Macht haben, dass ich mich so schlecht wegen ihnen fühle.

Die nächste Reaktion auf dieses Erlebnis sind Vermeidungsstrategien und Verhaltensweisen, durch welche man glaubt, solche Emotionen künftig nicht mehr erleben und fühlen zu müssen. Der Mensch “panzert sich” indem er feinstoffliche Panzerungen kreiert, welche verhindern sollen, dass andere Menschen oder Ereignisse nicht mehr solch eine starke Wirkung auf einen haben. Bis zu einem bestimmten Grad funktioniert das tatsächlich, aber dies kommt mit einem heftigen Preis, der immer bezahlt werden muss.

Der Mensch beginnt sich dann selbst immer weniger zu fühlen. Starke “Kopfmenschen” haben starke Panzerungen und leben oft nur mehr in “ihrem Kopf”. Es gibt mehr solcher “Mr. Spock Versionen” (aus Raumschiff Enterprise) auf der Erde, als man glauben könnte. Eine große Mehrheit von Menschen lebt eigentlich ständig nur im eigenen Kopf und fühlen sich selbst und andere Menschen kaum mehr. Sie haben sich sozusagen eine “Teflonschicht” zugelegt und kaum Bewusstsein. Man hat sich strategische Verhaltensweisen angeeignet, um in allen möglichen, emotional “gefährlichen Situationen”, möglichst “cool” und gelassen zu bleiben. Das Wort “cool” ist gut gewählt, denn tatsächlich frieren wir auf diese Weise unsere Gefühle ein und reduzieren die emotionalen Äußerungen auf bestimmte gesellschaftlich akzeptable Versionen von emotionalem Ausdruck.

Ein Beispiel dafür wäre: Es ist scheinbar okay, öffentlich zu weinen und Traurigkeit zu zeigen, wenn ein geliebter Kinostar gestorben ist oder der eigene Fußballklub verloren hat. Nicht so okay hingegen scheint es zu sein, wenn man Tränen über sich selbst weint oder Tränen über ein Ereignis im eigenen Leben vergossen wird. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber wir können solche öffentlich gezeigten Emotionen immer wieder irgendwo sehen.

Es existieren viele ungeklärte Themen und Erfahrungen, in allen Menschen, deren emotionaler Impakt nicht verdaut oder integriert werden konnte. Diese erlebten, unverdauten Gefühle erzeugen auch eine innere Anspannung im physischen Körper. Es mag vielleicht nicht die korrekte Bezeichnung sein, aber es fühlt sich wie eine elektrische Spannung in den Zellen und Muskeln an – Zzzzzssszzzzszzzzsssszzzzzsss, die sich mit der Zeit unmerklich erhöht. Der Mensch wird rastlos und ist immer “auf dem Sprung”, er lenkt sich ab, wo er nur kann. Durch die emotionalen Stauungen und durch physische, innere Anspannungen werden um sich selbst kreisende, gedankliche “Hamsterräder” kreiert, bestehend aus einer breiten Palette von Selbstkritik und ständigen Sorgen. Unter diesem Zustand leiden viele Menschen und sie werden das Gefühl nicht los, sie seien ihren Gedanken und Gefühlen ohnmächtig ausgeliefert.

Fühlen passiert im Jetzt, in der augenblicklichen Gegenwart. Der Verstand kann zwischen Vergangenheit und Zukunft switchen, aber das Fühlen geschieht im gegenwärtigen Moment. Es ist NICHT der Verstand, der die Verantwortung dafür trägt, wie wir uns fühlen. Das ist unsere persönliche Verantwortung, indem wir bewusst Fühlen UND Denken und im Kontakt sind, mit uns selbst, sowie dem unmittelbaren Moment. Wir haben uns als Menschheit leider sehr von uns selbst entfernt, weil wir mit dem vermeiden von Gefühlen verlernt haben, eine gute Beziehung zu uns selbst zu haben. Eine große Mehrheit von Menschen hat den Kontakt zu sich selbst, zur Umwelt und dem Leben an sich verloren. Die Ironie daran ist, indem versucht wird den Gefühlen auszuweichen, leiden wir. Die Menschheit bekam Angst VOR ihren Emotionen und Gefühlen, und damit Angst vor dem Leben, anderen Menschen, inklusive sich selbst.

Menschen stürzten sich in Ersatzbefriedigungen, die den emotionalen Hunger in ihnen befriedigen sollen, aber das erzeugt nur weiteres Leid. Alle existierenden Süchte beruhen auf einen emotionalen Mangel, der mit den Wunden unseres Emotionalkörpers zusammenhängt.

Wenn vom Fühlen die Rede ist, dann ist damit nicht “Eitel-Wonne-Sonnenschein” fühlen gemeint, sondern grundsätzlich die gesamte Bandbreite des Fühlens. Das bedeutet, man lässt auch die sogenannten “negativen” Gefühle und Emotionen zu. Das Leben ist nicht immer ein Zuckerschlecken, wir alle wissen das. Es wird immer etwas geben, was sich nicht so gut für uns anfühlt – das lässt sich nicht vermeiden. Vermeiden jedoch lässt sich, dass wir darunter leiden müssen, indem wir einfach lernen, wieder in bewussten Kontakt mit unseren Gefühlen zu kommen. Seien es gute oder negativ klassifizierte Emotionen. Denn jede Emotion, jedes Gefühl, hat etwas damit zu tun, wie es dir wirklich geht.

Alle Versuche deine Emotionen einfach “loszulassen”, sind von vornherein zum scheitern verurteilt. Genauso wenig ist es hilfreich, auf Leute zu hören, die dir erzählen wollen, dass du nicht deine Emotionen und Gedanken bist. All dieses “löse dich von Verhaftungen, löse dich von Identifikationen, löse dich von deinen Gefühlen und Gedanken, du bist reines Bewusstsein” Gerede, ist ein wunderbarer Weg, um ganz sicher den Kontakt mit dir selbst zu vermeiden. Man nennt es auch “spiritueller Bypass”, einen Weg zur Vermeidung der Realität.

Wenn du dich nicht gut fühlst, dann ist das eine Realität. Wenn du Liebeskummer hast, deprimiert bist, Sorgen hast, oder Angst – dann gibt es triftige Gründe dafür. Diese Gefühle zu leugnen, sie “loszulassen”, sich nicht mit ihnen identifizieren zu wollen oder sonstwie zu vermeiden, wird sie einfach nur stärker machen und vermehren. An einem bestimmten Punkt kommt es dann zur “kritischen Masse” und zu einem erhöhten inneren Leidensdruck. Wenn man den dann auch noch versucht zu ignorieren, kann es passieren, dass diese “emotionalen Tsunamis”, diese gestauten Gefühle, sich im Körper niederschlagen und unter anderem auch physische Krankheiten verursachen können.

Als Menschen haben wir die Fähigkeit zum Fühlen und zum Denken. Der Verstand – der Intellekt kann nicht fühlen, das ist auch nicht seine Aufgabe. Es ist auch nicht der Verstand, der die Ursache dafür ist, wenn wir leiden. WIR sind die Ursache, wir selbst, indem wir den Verstand dafür benutzen, um eine unerwünschte Realität zu vermeiden oder zu leugnen, sei es unbewusst oder sogar bewusst. Da sind wir als Menschen ziemlich kreativ, auf welche Weise wir die Wahrheit biegen und dehnen, um uns Geschichten auszudenken über Situationen, mit denen wir emotional schlecht zurechtkommen. Wenn in spirituellen Kreisen der Verstand getadelt wird, der Verursacher unserer Leiden zu sein, dann ist das aus meiner Perspektive ein Versuch, die Verantwortung für meine Gefühle abzuschieben.

Es braucht eine Instanz in uns, die bewusst fühlt, die bewusst denkt und bereit ist dazu, ständig zu hinterfragen, was für eine Bedeutung die Gefühle und Gedanken haben. Diese Instanz ist ein bewusstes Selbst, welches die Verantwortung und die Kraft dafür hat, zu fühlen, zu denken und zu handeln. Wenn du deine Emotionen nicht bewusst fühlen willst, dann können deine Emotionen DICH beherrschen und leiden lassen. Nicht fühlen wollen erzeugt Leiden. Die Probleme sind emotionaler Natur und NUR dort können sie gelöst werden.

Wenn du bewusst fühlst, dann bist du bei dir, genau da, wo du grade bist. Der Schwerpunkt des Fühlens findet im physischen Körper statt, der die wunderbare “Angewohnheit” hat, immer in der Gegenwart zentriert zu sein. Indem du dich auf das Abenteuer Fühlen einlässt, knüpfst du eine neue Beziehung mit deinem Körper und deinen Gefühlen. Deine Emotionen bewusst zu fühlen wird die inneren Anspannungen lösen, die in deinem Körper wohnen. Schwierige Emotionen “lässt man los”, indem man mit ihnen Kontakt aufnimmt, sie bewusst fühlt, wahrnimmt und anschließend integriert. Indem man grundsätzlich akzeptiert – “okay, du bist da, ich fühle dich”. Wirkliches “loslassen” ist “zulassen was da ist”. Man intellektualisiert die Gefühle nicht, analysiert nicht herum, man fühlt sie einfach nur. Man ist MIT den Gefühlen und akzeptiert sie, egal, welche Art von Gefühl an unsere Türe klopft.

Nicht du als der ganze Mensch ist unglücklich, depressiv, traurig oder was-auch-immer. Es ist nur ein bestimmter Anteil in dir, der mit diesen Gefühlen hadert und vielleicht grade eine schwere Zeit damit hat. Aber dieser Anteil wird, wenn wir seine Gefühle nicht wahrnehmen wollen, die in uns toben, das gesamte System lahmlegen. Als Mensch der ich bin, bin ich ein System vieler unterschiedlicher Teile und Aspekte. Der Mensch ist vielmehr ein WIR, als ein einzelnes Ich, aber alle Teile empfinden und nehmen sich als ein Ich wahr. So soll das auch sein, sonst könnte Individualität nicht funktionieren. Wenn du wieder bewusst fühlst, wird auch dein Verstand besser funktionieren und ruhiger werden. Sowohl der Emotional– als auch der Mentalkörper sind lediglich “Werkzeuge” des Bewusstseins, wodurch die gesamte Realität und Existenz zu uns “sprechen” kann und wir sie wahrnehmen können.

Ich meine, der nächste Schritt der menschlichen Evolution ist es zu erkennen, dass wir nicht dieses singuläre, einzelne und unteilbare In-di-viduum sind. Sondern dass wir aus einer Wahrnehmung von größerer Singularität heraus, das DaSein erleben. Wir sind nicht nur eine multidimensionale Wesenheit, sondern auch eine enorm facettenreiche, flexible, anpassungsfähige Multilevel-Persönlichkeit die ihr großes WIR aus der Perspektive eines Individuums und die das Leben durch diesen Kontext lebt.

Noch einmal: Wir sind als menschliche Wesen primär fühlende Wesen und erst in sekundärer Hinsicht denkende Wesen. Es ist nichts falsches am Denken, ebenso wenig am Fühlen. Genauso wenig an meditativer Gedankenstille und Spiritualität – aber alles davon findet in unterschiedlichen Räumen IN uns statt. Fühlen im Emotionalkörper, Denken im Mentalkörper, Meditation passiert im spirituellen Körper. Und wunderbarerweise fließt jede Bewegung innerhalb dieser energetischen Räume in uns, zum physischen Körper hin. Unser Körper ist der Mittelpunkt, die zentrale Einheit und momentaner Kern unserer Existenz.

Das Fühlen, wovon hier die Rede ist, hat also nichts mit “Licht und Liebe Romantik” zu tun, sondern mit der tatsächlichen Realität unserer emotionalen Erfahrungen, in Vergangenheit und Gegenwart. Dabei geht es darum, was immer auch gefühlt und wahrgenommen wird, vollumfänglich zuzulassen und zu akzeptieren, wie es grade ist. Es ist zwar menschlich verständlich, wenn wir mit diesen Emotionen keinen Kontakt haben wollen und sie einfach weghaben möchten, aber dadurch halten wir sie nur weiterhin fest und verstärken sie zusätzlich. Indem die “negativen” Gefühle zugelassen und bewusst wahrgenommen werden, entladen sie sich, werden integriert und von uns verdaut. Das ist klassische Schattenarbeit und führt dich wieder zu einer Einheit mit dir selbst zurück.

Until next time same station .. euer Steven.

Linknachweise:

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Om Mani Padme Hum ?

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© 01/2017, Renate Hechenberger.
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