Ein Gastartikel von Gerhard.

Wir alle haben meistens mehr oder weniger Angst vor chaotischen Situationen. Chaos gilt in “geregelten” Abläufen als eine höchst schädliche Situation, die es zu “vermeiden” gilt.

Was ist Chaos eigentlich? Chaos könnte man als einen unbestimmten Zustand definieren, eine hochdynamische Situation, in welcher der Ausgang und das Ergebnis nicht mehr erkennbar ist, da die Wechselwirkungen aller Kräfte so unberechenbar ablaufen, dass sie sich jeglicher Prognose, Logik und gut bekannter theoretischer Modelle entziehen.

Kein mentales Modell und keine Computersimulation ist dann in der Lage, genaue Vorhersagen zu treffen. Wir schreiten dabei durch einen bedrohlichen Nebel und wissen nicht mehr, was vor uns liegt.

Diese bedrohlich wirkende Unsicherheit macht uns Angst. Wir verlieren immer mehr unser “Vertrauen” in jene Strukturen und etablierte Regeln, an denen wir uns bisher orientierten und die uns Sicherheit und Halt gegeben hatten. All jene Fundamente auf denen wir unsere Sicherheit aufgebaut hatten, werden durch die chaotischen Kräfte geschwächt und brechen unter der Wucht der Energien schließlich weg . . . wie uns die Flutkatastrophen und Verwüstungen der letzten Monate schön vor Augen führen.

Es mag vielleicht seltsam und vielleicht anstößig erscheinen, aber gerade in solchen Situationen, in welchen zunehmende Unsicherheit vorherrscht, ist das Potential für eine Veränderung und einen Neubeginn stets am größten. Solange wir uns an gut bekannten Strukturen fest halten können, ist es schwierig, sich für neue Möglichkeiten zu öffnen und die gewohnte Sicherheit aufzugeben. Nachdem wir nun aber den Ausgang nicht mehr vorhersehen können, uns nicht mehr auf das Altbekannte verlassen können, was uns bisher sicher erschien, öffnen wir uns zunehmend für neue unbekannte “Alternativen”.

Je stärker die Abhängigkeit von alten Strukturen, desto größer jetzt die Angst vor dem Unbekannten und umso mehr werden Strategien ergriffen, um sich vor dem Unbekannten zu schützen und auf diese Weise das Neue möglichst zu vermeiden.

Das Chaos und die damit zusammenhängende Krise ist aber auch ein Zeichen von Fortschritt!

Das klingt zwar etwas paradox, da wir vielleicht annehmen, dass Fortschritt sich doch gut anfühlen müsste und damit alles leichter, angenehmer, einfacher, bequemer wird. Hmm, für ein Neugeborenes war die Geburt zweifelsfrei ein Fortschritt, aber war das wirklich angenehm? Ist es für ein Kind angenehm, wenn die ersten Zähne unter Schmerzen durchbrechen? In all diesen Fällen begann plötzlich etwas sehr unangenehm zu werden, etwas tat weh und nur durch einen schmerzlichen “Gewaltakt” konnte ein neues bislang unbekanntes Ziel erreicht werden.

Wenn chaotische Zustände zunehmen, dann waren die Kräfte offensichtlich stark genug, um all das zu demontieren, was bisher als stabil gegolten hatte. Es kommt damit zu einer Phase des Umbruches und der Unsicherheit wohin die Reise geht.

Festgefahrene Ansichten und Weltbilder werden durch die chaotische Energien, denen man aufgrund ihrer Unberechenbarkeit kaum etwas entgegensetzen kann, sukzessive zerstört und bieten immer weniger Halt und Sicherheitsgefühl.

Ein extremes Beispiel dafür bildete in der Vergangenheit die physische Zerstörung des WW2. Nicht umsonst wurde die Zeit danach auch die Zeit des “Wiederaufbaus” genannt, wo viele neue Strukturen geschaffen wurden, die es vorher nicht gab.

Angst vor dem Verlust des Alten hat in solchen Phasen eine deutlich stärkere Wirkung als in stabilen Zeiten, denn nun werden aus dem losen Trümmerfeld der sich auflösender Gedankenformen und Glaubenssätze schnell alle Zutaten angezogen, die sich der Angstenergie folgend formieren und genau jene Situationen fördern, welche die Angstenergien aufrecht erhalten, da diese die Auflösungsprozesse hemmen. Die Angst nimmt dann schnell zu. Angst vor dem Verlust des Alten, Angst vor dem Neuen . . . alles führt zu einer Situation, in der dann eine Art Schockstarre einsetzt und man sich weder vor und auch nicht zurück bewegen kann. Wir wollen ja erst auf Nummer sicher gehen, bevor wir uns auf etwas Neues einlassen – aber das klappt jetzt nicht mehr.

Der Übergang kann aber bestenfalls nur verzögert, aber nicht wirklich aufgehalten werden, da diese alten Strukturen ausgedient haben, sie wurden ausgelebt und müssen losgelassen werden. Je stärker das Anhaften an alten etablierter Strukturen (die z.B. im Bereich der Industrie und Wirtschaft das Klima, Mensch und Tier massiv schädigen, aber in manchen Teilen der Welt für Wohlstand sorgen), desto schmerzhafter die irgendwann nötige Abtrennung, wenn die “Wehen” an Stärke zunehmen.

Wir stehen als Menschheit an einem Wendepunkt. Die neuen Strukturen, auf die wir uns zubewegen, werden uns wohl kaum noch dauerhaft dazu ermutigen, uns noch tiefer in die einseitige Sicherheit eines rein dicht materiellen Daseins als (ausschließlich) physische Wesen zu vergraben – das haben wir über lange Zeiträume schon übergebührlich praktiziert. Man könnte jetzt fragen, wie denn dann das Neue konkret aussehen wird? Das kann niemand genau beantworten, denn wir selber formen es ja kollektiv durch unsere Gedanken, Gefühle und Energien, die wir aussenden!

Es geht in dieser neuen Zeit mehr darum, eine zunehmende innere – von der “Seele” gestützte – Sicherheit im Leben zu entwickeln, die stark genug ist, um stabile Umgebungsbedingungen im Außen zu formen.

Die Emotional- und Mentalwelten der öffentlichen Meinung erscheinen aktuell chaotisch, widersprüchlich und gespalten. Sie bieten praktisch keinen Halt mehr, weder emotional noch auf rationaler Basis. Gerade eine solche Zeit zwingt jene, die bereits eine Verbindung zu ihrer Seele aufgebaut haben, sich jetzt vermehrt der Energie ihrer Seele zu bedienen, um als Persönlichkeit gefestigt zu bleiben. Eine solche Zeit bietet daher wie kaum eine andere die Chance, die Anbindung an das eigene höhere Bewusstsein zu stärken, da auf diese Weise eine zunehmende innere Gelassenheit möglich wird, die weitgehend unabhängig von den äußeren Einflüssen, Meinungen und Spaltungen bleibt.

Welche Zeit wäre dafür besser geeignet als Phasen einer zunehmend schwindenden Stabilität alter Strukturen im Außen? Die Energien der eigenen Seele führen jetzt deutlich schneller als sonst dazu, auch im Außen Veränderungen zu bewirken, die zuvor durch die kristallisierten erstarrten alten Gedankenformen nicht möglich gewesen wären.

Eine solche Zeit wirkt damit auch als Katalysator für das Bilden von Gruppen, die innerlich gefestigt wie ein Leuchtfeuer für ihre Umgebung wirken und damit auf eine andere Art und Weise neue stabile Strukturen und einen sicheren Platz erschaffen. Diese neuen Strukturen sind besonders für jene Menschen hilfreich, in denen sich das Bewusstsein der Seele bereits mit jenem ihrer Persönlichkeit bewusst verbindet. Die erzielte Stabilität ist nicht das Ergebnis eines Schutzwalles um die Persönlichkeit herum, sondern ein Werk der Kooperation zwischen Seele und Persönlichkeit. Auf den Ebenen der Seele und darüber gibt es keine chaotischen Verhältnisse und je stärker die Persönlichkeit ihr Bewusstsein mit den Welten der Seele verbindet, desto mehr kann sich die innere Ruhe dieser Ebenen in die Persönlichkeit ausbreiten. Mit der Zeit wird man dann vielleicht auch mehr Widerstand gegenüber all den (lauten) Ablenkungen der Persönlichkeit empfinden, welche das Bewusstsein der Persönlichkeit vom bewussten Kontakt mit den Welten der Seele abhalten und das Halten dieses Kontaktes erschweren. Aber auch das hat seinen Wert, denn es trainiert unsere Stärke, den seelischen Kontakt und unser Vertrauen in die eigene Seele zu halten.

Von diesem Gesichtspunkt aus wird auch verständlich, weshalb die persönliche Bewusstseinsentwicklung immer von Krisen begleitet wird. Wann immer das innere Bewusstsein eine neue Stufe erklimmt, muss das bisher Gewohnte bewusst losgelassen und der Wille eingesetzt werden, um das neue Ufer zu erreichen. Das ist ein schwieriger, aber nicht unmöglicher Prozess. Genauso wie wir uns in dieser Weise inneren Krisen stellen, sie überwinden und zu neuen Ufern fortschreiten, steht die Menschheit als Ganzes zyklisch vor Bewusstseinserweiterungen und den damit zusammenhängenden chaotischen Zeiten wie wir sie auch aktuell erleben.

Auch wenn solche Zeiten unsicher und bedrohlich erscheinen, so bieten sie doch die Möglichkeit zu einer schnellen Bewusstseinsentwicklung und beschleunigten Evolution, die auf andere Weise kaum möglich wäre.

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