{"id":254501,"date":"2026-09-10T10:37:33","date_gmt":"2026-09-10T08:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/renatehechenberger.com\/?p=254501"},"modified":"2026-09-10T11:25:02","modified_gmt":"2026-09-10T09:25:02","slug":"die-macht-die-wir-abgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renatehechenberger.com\/en\/die-macht-die-wir-abgeben\/","title":{"rendered":"Die Macht, die wir abgeben"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.16&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;|||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.8&#8243; header_2_text_color=&#8220;#8E2F5D&#8220; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<h2><strong>Warum innerer R\u00fcckzug aus Politik keine neutrale Position ist<\/strong><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>43,8 Prozent.<\/p>\n<p>Fast jede zweite abgegebene Zweitstimme ging bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die AfD. Die Partei gewann 38 von 41 Direktmandaten und stellt 39 der 83 Abgeordneten. Die absolute Mehrheit hat sie nur knapp verfehlt.<\/p>\n<p>Ich bin best\u00fcrzt \u00fcber dieses Ergebnis. Und ich bin w\u00fctend, traurig und entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>W\u00fctend auf eine Partei, die einfache Antworten auf komplexe Probleme gibt und gesellschaftliche Verunsicherung in Ausgrenzung, Kontrolle und ein r\u00fcckw\u00e4rtsgewandtes Weltbild \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Traurig und entt\u00e4uscht dar\u00fcber, dass so viele Menschen darin offenbar eine L\u00f6sung sehen.<\/p>\n<p>Diese Wahl l\u00e4sst sich nicht mit geringer Beteiligung erkl\u00e4ren. Rund 76,5 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. So viele wie nie zuvor bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.<\/p>\n<p>Dieses Ergebnis entstand nicht, weil die Menschen mehrheitlich zu Hause blieben.<\/p>\n<p>Es wurde gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Bewusst. Mit einer Stimme, die politische Macht aus\u00fcbt.<\/p>\n<h3><strong>Eine Wahlstimme ist Macht<\/strong><\/h3>\n<p>Ich selbst habe viele Jahre nicht gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Einen Teil dieser Jahre lebte ich au\u00dferhalb Europas. Aber das erkl\u00e4rt nicht alles. Politik in Europa interessierte mich wenig. Oder genauer gesagt: Ich \u00e4rgerte mich \u00fcber sie, f\u00fchlte mich von keiner Partei wirklich vertreten und wollte mit diesem ganzen Feld m\u00f6glichst wenig zu tun haben.<\/p>\n<p>Irgendwann fragte mich der Mann meiner Freundin, wen ich w\u00e4hle.<\/p>\n<p>\u201eNiemanden\u201c, sagte ich.<\/p>\n<p>Daraufhin hielt er mir einen ausf\u00fchrlichen Vortrag dar\u00fcber, was es politisch bedeutet, nicht zu w\u00e4hlen. An die Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr. An seine Kernbotschaft schon:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wenn du deine Stimme nicht einsetzt, entscheiden andere f\u00fcr dich.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Meine Stimme wurde nat\u00fcrlich keiner bestimmten Partei zugeschlagen. Aber sie fehlte dort, wo \u00fcber die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse entschieden wurde. Ich hatte mich nicht au\u00dferhalb des politischen Systems gestellt. Ich hatte nur meinen eigenen Anteil an seiner Gestaltung abgegeben.<\/p>\n<p>Der Gedanke war unangenehm.<\/p>\n<p>Denn ich hatte meinen R\u00fcckzug vermutlich f\u00fcr eine Form von Unabh\u00e4ngigkeit gehalten. Ich wollte mich mit keiner der angebotenen M\u00f6glichkeiten identifizieren. Ich wollte keine Entscheidung unterst\u00fctzen, die mir nicht vollst\u00e4ndig entsprach.<\/p>\n<p>Doch meine Distanz \u00e4nderte nichts daran, dass politische Entscheidungen auch mein Leben bestimmten.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns einer politischen Ordnung innerlich verweigern. Entscheiden wird sie trotzdem \u00fcber uns.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h3><strong>Der R\u00fcckzug h\u00e4lt uns nicht sauber<\/strong><\/h3>\n<p class=\"p1\">Politik bietet selten L\u00f6sungen ohne Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p class=\"p1\">Sie besteht aus Interessen, Kompromissen, Machtk\u00e4mpfen und Entscheidungen, deren Folgen niemand vollst\u00e4ndig kontrollieren kann. Vieles daran ist schwer ertr\u00e4glich. Manches ist tats\u00e4chlich taktisch, korrupt oder verlogen.<\/p>\n<p><strong>Viele Frauen wollen mit dieser Form von Macht nichts zu tun haben.<\/strong><\/p>\n<p>Wir kritisieren ihre H\u00e4rte, ihre Eitelkeit, ihre aggressiven Rituale und die Bereitschaft, f\u00fcr Einfluss Dinge in Kauf zu nehmen, die wir selbst nicht vertreten wollen. Wir wollen uns daran nicht beteiligen.<\/p>\n<p>Ich kenne diese Reaktion. Auch in mir selbst.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckzug kann sich integer anf\u00fchlen. Er kann aber auch zu einer Form der Machtabgabe werden, die wir kaum bemerken.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend wir uns innerlich distanzieren, bleiben die politischen R\u00e4ume nicht leer. Andere betreten sie. Andere organisieren Mehrheiten. Andere bestimmen, welche Interessen Geh\u00f6r finden und welche Lebenswirklichkeiten als sch\u00fctzenswert gelten.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wer sich zur\u00fcckzieht, verhindert keine Machtaus\u00fcbung.<\/p>\n<p>Er \u00fcberl\u00e4sst sie anderen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr politische \u00c4mter, Parteimitgliedschaften oder Kandidaturen. Es beginnt bei der eigenen Stimme.<\/p>\n<p>Eine Wahlstimme ist ein kleiner Anteil an formaler Macht. Aber sie ist real. Sie entscheidet mit dar\u00fcber, wer Gesetze beschlie\u00dft, Budgets verteilt, Schulen gestaltet, soziale Leistungen festlegt und bestimmt, welche Freiheiten Menschen in einer Gesellschaft zugestanden werden.<\/p>\n<h3><strong>Auch Gef\u00fchle entheben uns nicht der Verantwortung<\/strong><\/h3>\n<p>Ich verstehe, warum Menschen w\u00fctend sind. Wirklich.<\/p>\n<p>Ich verstehe die Erfahrung, politisch nicht geh\u00f6rt zu werden. Die Sorge um wirtschaftliche Sicherheit. Das Gef\u00fchl, dass Entscheidungen weit entfernt von der eigenen Lebenswirklichkeit getroffen werden. Den Eindruck, dass etablierte Parteien dieselben S\u00e4tze wiederholen und trotzdem nichts Wesentliches ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Diese Gef\u00fchle sind real.<\/p>\n<p>Aber reale Gef\u00fchle machen die daraus entstehende Entscheidung noch lange nicht verantwortungsvoll.<\/p>\n<p>Wut kann erkl\u00e4ren, warum jemand eine Partei w\u00e4hlt. Sie sagt nichts dar\u00fcber aus, ob diese Wahl f\u00fcr die Gesellschaft tragf\u00e4hige Folgen hat.<\/p>\n<p>Entt\u00e4uschung kann erkl\u00e4ren, warum jemand den bestehenden Parteien einen Denkzettel geben will. Doch auf dem Stimmzettel steht nicht \u201eDenkzettel\u201c. Dort steht eine Partei, die anschlie\u00dfend reale politische Macht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Sie bekommt Sitze. Personal. Geld. Einfluss auf Institutionen. Zugang zu Informationen. Gestaltungsm\u00f6glichkeiten in Bildung, Kultur, Verwaltung und \u00f6ffentlicher Kommunikation.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Wer aus Protest w\u00e4hlt, w\u00e4hlt die Konsequenzen mit.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/afd-sachsen-anhalt-128.html\">Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt<\/a> zeigt deutlich, welche gesellschaftliche Ordnung die Partei anstrebt. Es richtet sich gegen feministische und geschlechtliche Selbstbestimmung, erhebt ein traditionelles Familienbild zur gesellschaftlichen Norm und will staatlichen Einfluss auf Schulen, Lehrmittel und Kultur ausweiten. Die F\u00f6rderung von Projekten gegen Rassismus soll gestrichen werden.<br \/>Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stuft den Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein.<\/p>\n<p>Diese Positionen waren vor der Wahl \u00f6ffentlich bekannt.<\/p>\n<p>Sie standen mit zur Wahl.<\/p>\n<h3><strong>Frauen w\u00e4hlen nicht automatisch weibliche Macht<\/strong><\/h3>\n<p class=\"p1\">Auch Frauen haben dieses Ergebnis mitgetragen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das Geschlecht einer W\u00e4hlerin macht ihre Wahlentscheidung nicht automatisch weiblich oder solidarisch. Und es sagt nichts dar\u00fcber aus, ob diese Entscheidung die Freiheit anderer Frauen sch\u00fctzt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ebenso wenig verk\u00f6rpert eine Politikerin allein deshalb weibliche Macht, weil sie eine Frau ist.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die deutlichsten Beispiele stehen l\u00e4ngst vor uns: Alice Weidel, Giorgia Meloni und Marine Le Pen. Drei Frauen in zentralen Positionen rechter Parteien. Ihre Sichtbarkeit und ihr politischer Einfluss sind kein Beleg f\u00fcr weibliche Macht. Entscheidend ist, welche Ordnung sie vertreten und welche Freiheit diese Ordnung anderen Frauen l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"p1\">Eine Frau kann eine politische Ordnung unterst\u00fctzen, die anderen Frauen Freiheit nimmt. Sie kann ein Familienbild vertreten, in dem weibliche Selbstbestimmung nur so lange akzeptiert wird, wie sie sich in eine vorgegebene Form f\u00fcgt. Sie kann Macht einsetzen, um bestehende Hierarchien zu stabilisieren und ihre eigene Position darin zu sichern.<\/p>\n<p>Deshalb reicht die Aufforderung \u201eFrauen m\u00fcssen Frauen w\u00e4hlen\u201c nicht.<\/p>\n<h3><strong>Frauen m\u00fcssen genauer hinsehen.<\/strong><\/h3>\n<p>Welche Politik vertritt ein Mensch tats\u00e4chlich? Welche Gesetze unterst\u00fctzt diese Person? Welche Freiheit gesteht sie anderen zu? Wessen Lebensrealit\u00e4t wird gesch\u00fctzt? Wer tr\u00e4gt die Folgen ihrer Entscheidungen? Und welches Verst\u00e4ndnis von Familie, K\u00f6rper, Arbeit, Bildung und Selbstbestimmung wird durch ihre Politik gesellschaftliche Wirklichkeit?<\/p>\n<p>Sympathie reicht daf\u00fcr nicht.<\/p>\n<p>Auch der Eindruck, jemand spreche endlich \u201ewie ein normaler Mensch\u201c, ist kein politisches Kriterium. Ein Politiker kann nahbar wirken, seine Familie lieben und im pers\u00f6nlichen Kontakt ausgesprochen angenehm sein. Trotzdem kann er politische Entscheidungen vertreten, die Freiheit beschneiden, Menschen ausgrenzen oder demokratische Institutionen schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Politische Urteilskraft beginnt dort, wo wir nicht nur auf die Person schauen, sondern auf die Wirkung der Macht, die wir ihr \u00fcbertragen.<\/p>\n<h3><strong>Innere Haltung ersetzt keine \u00e4u\u00dfere Verantwortung<\/strong><\/h3>\n<p>Viele von uns sprechen \u00fcber Frieden, Freiheit, Menschenw\u00fcrde und eine lebenswerte Zukunft.<\/p>\n<p>Wir meditieren. Wir reflektieren unsere Pr\u00e4gungen. Wir l\u00f6sen uns innerlich von Angst, Abwertung und alten Feindbildern. Wir versuchen, bewusster zu leben und anderen Menschen respektvoll zu begegnen.<\/p>\n<p>Das alles ist wertvoll.<\/p>\n<p>Aber es reicht nicht, diese Werte innerlich zu tragen, w\u00e4hrend wir die politischen R\u00e4ume meiden, in denen \u00fcber ihre gesellschaftliche Geltung entschieden wird.<\/p>\n<p>Innere Entwicklung bleibt unvollst\u00e4ndig, wenn sie uns von \u00e4u\u00dferer Verantwortung entfernt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Was ist ein Wert wert, wenn ich nicht bereit bin, f\u00fcr seine gesellschaftlichen Konsequenzen einzustehen?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ich muss daf\u00fcr keiner Partei vollst\u00e4ndig vertrauen. Ich muss kein Wahlprogramm in jedem Punkt guthei\u00dfen. Ich muss Politik nicht lieben und mich auch nicht mit dem gesamten System identifizieren.<\/p>\n<p>Aber ich muss urteilen.<\/p>\n<p>Ich muss unterscheiden, welche Entscheidung meinen Werten am n\u00e4chsten kommt und welche ihnen grunds\u00e4tzlich widerspricht. Ich muss bereit sein, zwischen unvollkommenen M\u00f6glichkeiten zu w\u00e4hlen, wenn die Alternative darin besteht, anderen das Feld zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Demokratische Macht wird selten in einer vollkommenen Form angeboten.<\/p>\n<p>Trotzdem m\u00fcssen wir entscheiden, wem wir sie geben.<\/p>\n<h3><strong>Ich kenne diesen R\u00fcckzug<\/strong><\/h3>\n<p class=\"p1\">Ich nehme mich davon nicht aus.<\/p>\n<p>Ich kenne den R\u00fcckzug. Ich kenne den Gedanken, dass keine der vorhandenen M\u00f6glichkeiten wirklich passt. Ich kenne die innere Geste, mit diesem ganzen politischen Feld nichts zu tun haben zu wollen.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Heute wei\u00df ich: Auch das war eine Abgabe von Macht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ich kann nicht f\u00fcr weibliche Macht eintreten und gleichzeitig so tun, als beginne Macht erst in Vorst\u00e4nden, Regierungen oder gro\u00dfen Institutionen.<\/p>\n<p>Sie beginnt viel fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Sie beginnt dort, wo eine Frau sich selbst als politisch wirksam begreift. Wo sie Informationen pr\u00fcft, Folgen abw\u00e4gt, ein Urteil bildet und ihre Stimme einsetzt. Wo sie sich nicht allein davon leiten l\u00e4sst, wer ihre Wut am wirkungsvollsten anspricht, sondern genauer hinsieht, welche Ordnung aus dieser Wut entstehen soll.<\/p>\n<p>Eine einzelne Stimme ver\u00e4ndert kein Land.<\/p>\n<p>Aber sehr viele einzelne Stimmen haben gerade die politischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen unsere Macht ablehnen, weil uns ihre vorhandenen Formen nicht gefallen. Wir k\u00f6nnen uns innerlich zur\u00fcckziehen und darauf bestehen, mit dem Ergebnis nichts zu tun zu haben.<\/p>\n<p>Doch entscheiden wird es trotzdem \u00fcber uns.<\/p>\n<p>Und \u00fcber Menschen, die seine Folgen weit st\u00e4rker tragen m\u00fcssen als wir selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>\ud83c\udf33<\/strong><strong> Orchard Letter 32<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Weibliche Macht beginnt auch bei der eigenen Stimme. Eine Frau nutzt ihren politischen Einfluss, wenn sie pr\u00fcft, urteilt und Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernimmt, welche Ordnung sie mittr\u00e4gt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #993366;\"><strong><a style=\"color: #993366;\" href=\"https:\/\/renatehechenberger.com\/weibliche-macht\/\">\u2192 Mehr \u00fcber mein Verst\u00e4ndnis von weiblicher Macht<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Renate Hechenberger verbindet 30 Jahre internationale F\u00fchrungserfahrung, davon 20 Jahre in leitenden Corporate-Positionen, mit mehr als 15 Jahren selbst\u00e4ndiger Arbeit an innerer Autorit\u00e4t, Macht und Verantwortung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Als Female Power Architect bietet Renate Hechenberger strategisches Sparring f\u00fcr Frauen, die Einfluss haben, Verantwortung tragen und ihren eigenen Handlungsspielraum neu bestimmen wollen.<\/p>\n<p>\u00a9 2026 Renate Hechenberger. Alle Rechte vorbehalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum innerer R\u00fcckzug aus Politik keine neutrale Position ist &nbsp; 43,8 Prozent. Fast jede zweite abgegebene Zweitstimme ging bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die AfD. Die Partei gewann 38 von 41 Direktmandaten und stellt 39 der 83 Abgeordneten. Die absolute Mehrheit hat sie nur knapp verfehlt. Ich bin best\u00fcrzt \u00fcber dieses Ergebnis. Und ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":254516,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<h2><strong>Warum innerer R\u00fcckzug aus Politik keine neutrale Position ist<\/strong><\/h2><p>43,8 Prozent.<\/p><p>Fast jede zweite abgegebene Zweitstimme ging bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die AfD. 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Aber sie fehlte dort, wo \u00fcber die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse entschieden wurde. Ich hatte mich nicht au\u00dferhalb des politischen Systems gestellt. Ich hatte nur meinen eigenen Anteil an seiner Gestaltung abgegeben.<\/p><p>Der Gedanke war unangenehm.<\/p><p>Denn ich hatte meinen R\u00fcckzug vermutlich f\u00fcr eine Form von Unabh\u00e4ngigkeit gehalten. Ich wollte mich mit keiner der angebotenen M\u00f6glichkeiten identifizieren. Ich wollte keine Entscheidung unterst\u00fctzen, die mir nicht vollst\u00e4ndig entsprach.<\/p><p>Doch meine Distanz \u00e4nderte nichts daran, dass politische Entscheidungen auch mein Leben bestimmten.<\/p><p><strong>Wir k\u00f6nnen uns einer politischen Ordnung innerlich verweigern. 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Er kann aber auch zu einer Form der Machtabgabe werden, die wir kaum bemerken.<\/p><p>Denn w\u00e4hrend wir uns innerlich distanzieren, bleiben die politischen R\u00e4ume nicht leer. Andere betreten sie. Andere organisieren Mehrheiten. Andere bestimmen, welche Interessen Geh\u00f6r finden und welche Lebenswirklichkeiten als sch\u00fctzenswert gelten.<\/p><p>Wer sich zur\u00fcckzieht, verhindert keine Machtaus\u00fcbung.<\/p><p>Er \u00fcberl\u00e4sst sie anderen.<\/p><p>Das gilt nicht nur f\u00fcr politische \u00c4mter, Parteimitgliedschaften oder Kandidaturen. Es beginnt bei der eigenen Stimme.<\/p><p>Eine Wahlstimme ist ein kleiner Anteil an formaler Macht. Aber sie ist real. 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Es richtet sich gegen feministische und geschlechtliche Selbstbestimmung, erhebt ein traditionelles Familienbild zur gesellschaftlichen Norm und will staatlichen Einfluss auf Schulen, Lehrmittel und Kultur ausweiten. Die F\u00f6rderung von Projekten gegen Rassismus soll gestrichen werden. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stuft den Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein.<\/p><p>Diese Positionen waren vor der Wahl \u00f6ffentlich bekannt.<\/p><p>Sie standen mit zur Wahl.<\/p><h3><strong>Frauen w\u00e4hlen nicht automatisch weibliche Macht<\/strong><\/h3><p>Auch Frauen haben dieses Ergebnis mitgetragen.<\/p><p>Das Geschlecht einer W\u00e4hlerin macht ihre Wahlentscheidung nicht automatisch weiblich, solidarisch oder freiheitlich. Ebenso wenig verk\u00f6rpert eine Politikerin allein deshalb weibliche Macht, weil sie eine Frau ist.<\/p><p>Eine Frau kann eine politische Ordnung unterst\u00fctzen, die anderen Frauen Freiheit nimmt. Sie kann ein Familienbild vertreten, in dem weibliche Selbstbestimmung nur so lange akzeptiert wird, wie sie sich in eine vorgegebene Form f\u00fcgt. Sie kann Macht einsetzen, um bestehende Hierarchien zu stabilisieren und ihre eigene Position darin zu sichern.<\/p><p>Deshalb reicht die Aufforderung \u201eFrauen m\u00fcssen Frauen w\u00e4hlen\u201c nicht.<\/p><p>Frauen m\u00fcssen genauer hinsehen.<\/p><p>Welche Politik vertritt ein Mensch tats\u00e4chlich? Welche Gesetze unterst\u00fctzt diese Person? Welche Freiheit gesteht sie anderen zu? Wessen Lebensrealit\u00e4t wird gesch\u00fctzt? Wer tr\u00e4gt die Folgen ihrer Entscheidungen? Und welches Verst\u00e4ndnis von Familie, K\u00f6rper, Arbeit, Bildung und Selbstbestimmung wird durch ihre Politik gesellschaftliche Wirklichkeit?<\/p><p>Sympathie reicht daf\u00fcr nicht.<\/p><p>Auch der Eindruck, jemand spreche endlich \u201ewie ein normaler Mensch\u201c, ist kein politisches Kriterium. Ein Politiker kann nahbar wirken, seine Familie lieben und im pers\u00f6nlichen Kontakt ausgesprochen angenehm sein. Trotzdem kann er politische Entscheidungen vertreten, die Freiheit beschneiden, Menschen ausgrenzen oder demokratische Institutionen schw\u00e4chen.<\/p><p>Politische Urteilskraft beginnt dort, wo wir nicht nur auf die Person schauen, sondern auf die Wirkung der Macht, die wir ihr \u00fcbertragen.<\/p><h3><strong>Innere Haltung ersetzt keine \u00e4u\u00dfere Verantwortung<\/strong><\/h3><p>Viele von uns sprechen \u00fcber Frieden, Freiheit, Menschenw\u00fcrde und eine lebenswerte Zukunft.<\/p><p>Wir meditieren. Wir reflektieren unsere Pr\u00e4gungen. Wir l\u00f6sen uns innerlich von Angst, Abwertung und alten Feindbildern. Wir versuchen, bewusster zu leben und anderen Menschen respektvoll zu begegnen.<\/p><p>Das alles ist wertvoll.<\/p><p>Aber es reicht nicht, diese Werte innerlich zu tragen, w\u00e4hrend wir die politischen R\u00e4ume meiden, in denen \u00fcber ihre gesellschaftliche Geltung entschieden wird.<\/p><p>Innere Entwicklung bleibt unvollst\u00e4ndig, wenn sie uns von \u00e4u\u00dferer Verantwortung entfernt.<\/p><h3><strong>Was ist ein Wert wert, wenn ich nicht bereit bin, f\u00fcr seine gesellschaftlichen Konsequenzen einzustehen?<\/strong><\/h3><p>Ich muss daf\u00fcr keiner Partei vollst\u00e4ndig vertrauen. Ich muss kein Wahlprogramm in jedem Punkt guthei\u00dfen. Ich muss Politik nicht lieben und mich auch nicht mit dem gesamten System identifizieren.<\/p><p>Aber ich muss urteilen.<\/p><p>Ich muss unterscheiden, welche Entscheidung meinen Werten am n\u00e4chsten kommt und welche ihnen grunds\u00e4tzlich widerspricht. Ich muss bereit sein, zwischen unvollkommenen M\u00f6glichkeiten zu w\u00e4hlen, wenn die Alternative darin besteht, anderen das Feld zu \u00fcberlassen.<\/p><p>Demokratische Macht wird selten in einer vollkommenen Form angeboten.<\/p><p>Trotzdem m\u00fcssen wir entscheiden, wem wir sie geben.<\/p><h3><strong>Ich kenne diesen R\u00fcckzug<\/strong><\/h3><p>Ich schreibe das nicht aus einer \u00fcberlegenen Position.<\/p><p>Ich kenne den R\u00fcckzug. Ich kenne den Gedanken, dass keine der vorhandenen M\u00f6glichkeiten wirklich passt. Ich kenne die innere Geste, mit diesem ganzen politischen Feld nichts zu tun haben zu wollen.<\/p><p>Heute wei\u00df ich: Auch das war eine Abgabe von Macht.<\/p><p>Ich kann nicht f\u00fcr weibliche Macht eintreten und gleichzeitig so tun, als beginne Macht erst in Vorst\u00e4nden, Regierungen oder gro\u00dfen Institutionen.<\/p><p>Sie beginnt viel fr\u00fcher.<\/p><p>Sie beginnt dort, wo eine Frau sich selbst als politisch wirksam begreift. Wo sie Informationen pr\u00fcft, Folgen abw\u00e4gt, ein Urteil bildet und ihre Stimme einsetzt. Wo sie sich nicht allein davon leiten l\u00e4sst, wer ihre Wut am wirkungsvollsten anspricht, sondern genauer hinsieht, welche Ordnung aus dieser Wut entstehen soll.<\/p><p>Eine einzelne Stimme ver\u00e4ndert kein Land.<\/p><p>Aber sehr viele einzelne Stimmen haben gerade die politischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend ver\u00e4ndert.<\/p><p>Wir k\u00f6nnen unsere Macht ablehnen, weil uns ihre vorhandenen Formen nicht gefallen. Wir k\u00f6nnen uns innerlich zur\u00fcckziehen und darauf bestehen, mit dem Ergebnis nichts zu tun zu haben.<\/p><p>Doch entscheiden wird es trotzdem \u00fcber uns.<\/p><p>Und \u00fcber Menschen, die seine Folgen weit st\u00e4rker tragen m\u00fcssen als wir selbst.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><hr \/><p><strong>\ud83c\udf33<\/strong><strong> Orchard Letter 31<\/strong><\/p><p>Weibliche Macht bedeutet nicht, sich noch erfolgreicher an eine bestehende Form anzupassen. Sie beginnt dort, wo eine Frau ihre eigene Autorit\u00e4t bewohnt und den weiblichen Aspekt von Macht durch sich wirksam werden l\u00e4sst.<\/p><p><span style=\"color: #993366;\"><strong><a style=\"color: #993366;\" href=\"https:\/\/renatehechenberger.com\/weibliche-macht\/\">\u2192 Mehr \u00fcber mein Verst\u00e4ndnis von weiblicher Macht<\/a><\/strong><\/span><\/p><p><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><\/p><p class=\"p1\">Renate Hechenberger verbindet 30 Jahre internationale F\u00fchrungserfahrung, davon 20 Jahre in leitenden Corporate-Positionen, mit mehr als 15 Jahren selbst\u00e4ndiger Arbeit an innerer Autorit\u00e4t, Macht und Verantwortung.<\/p><p class=\"p1\">Als Female Power Architect arbeitet sie mit Frauen in hoher Verantwortung, die sich aus vorgegebenen Formen l\u00f6sen und aus eigener Autorit\u00e4t handeln wollen.<\/p><p>\u00a9 2026 Renate Hechenberger. Alle Rechte vorbehalten.<\/p><p>\u00a0<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[878],"tags":[1174,1175,1170,825,1173,1166,1167,1168,1171,1172,1169,815],"class_list":["post-254501","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-orchard-letters","tag-afd-sachsen-anhalt","tag-demokratische-verantwortung","tag-frauen-und-politik","tag-innere-autoritaet","tag-landtagswahl-sachsen-anhalt-2026","tag-nichtwaehlen","tag-politische-macht","tag-politische-verantwortung","tag-protestwahl","tag-wahlbeteiligung","tag-wahlentscheidung","tag-weibliche-macht"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v28.3 (Yoast SEO v28.4) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Die Macht, die wir abgeben - renatehechenberger.com<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Nichtw\u00e4hlen ist keine neutrale Position. 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