Heilmethoden und ihre Limits

von Jan 21, 2015

Da immer wieder gute Fragen in den Kommentaren auftauchen (vor allem auf Stevens Blog), möchte ich einige detaillierter beantworten und auch hier veröffentlichen, da ich denke, dass sie auch für andere relevant und interessant sind.

„Irgendwann mal habe ich mich ein wenig für Reiki interessiert und mich ganz schnell wieder abgewendet, als ich da von „Einweihungen“ gelesen habe, die mich nach 2 Tagen Informationen zu einem Heiler machen sollten. Dass mit Symbolen gearbeitet wird, habe ich so gar nicht erfahren.

Als ich Jin Shin Jyutsu lernte, erfuhr ich, dass Reiki ähnlich sein soll, so von der Technik her, dass Hände aufgelegt werden an bestimmten Körperstellen. JSJ sollte angeblich etwas umfangreicher sein in den Variationsmöglichkeiten, es gibt keine Einweihung und auch keine Symbole. Dass es eine Heilmethode sei, wurde natürlich behauptet. Heute mag ich es lieber als Werkzeug sehen. Denn es wird gesagt, dass jeder es anwenden könne. Und wie es wirkt, hängt offenbar stark von den Möglichkeiten der Selbstheilungskräfte des Betroffenen ab, auch wenn das nicht so gerne gesagt wird. Lieber werden geradezu wunderbare Heilungen ins Rampenlicht gestellt, dann gibt man noch zu, dass es nicht immer so ist, und wenn sich gar nichts ändert, dann wird behauptet, dass wenigstens das Leiden eine andere Qualität hätte. Und darauf hingewiesen, dass es wohl so sein solle, von Gott gewollt sozusagen.

Große Empörung, als ich mal meinte, es sei für gewisse Fälle nicht „stark“ genug – kommt überhaupt nicht in Frage! Ist doch immer wieder interessant, wie solche Möglichkeiten vehement bekämpft werden, so was darf man nicht mal denken.

Es mag so sein, dass es nicht mit gewissen Wesen in Verbindung ist und diese mitfüttert, aber ich glaube, dass es sie auch nicht vertreibt. Ich denke, dass man das in Zukunft so sehen wird können. So wie man bestimmte Werkzeuge für bestimmte Arbeiten nimmt .. ..

Welche Ausreden es wohl beim Reiki gibt, wenn es nicht die erhoffte Heilung bewirkt .. .. ?“

Renate:

Wie du weißt, halte auch ich von Jin Shin Jyutsu viel, es funktioniert super für vieles und würde ich jedem empfehlen ANSTATT Reiki. Man kann es sich sogar selber beibringen.

ALLE “Heilerfolge” hängen immer von den Selbstheilungskräften, Zustand der Inneren Personen, Seelenauftrag bzw. Inkarnationsauftrag usw. des Einzelnen ab, deshalb gibt es so unterschiedliche “Heilerfolge”. Es gibt keine Technik, Methode, Ansatz wasauchimmer, welche immer “funktioniert”. Und das ist was wir akzeptieren müssen, das gilt auch für meine Arbeit 🙂 .

Diejenigen, die noch so etwas behaupten bzw. ihre Methode(n) noch so anbieten, sind dabei, das offensichtlich noch zu lernen. Es ist nicht einfach, das in sich zu realisieren und es dann weiterzugeben, glaub mir. Wir sind alle gedrillt auf “performance”, es zählt nur das, was sofort und umfangreich Erfolg erzielt. Und schnell bitte. Alle wollen sich medikamentieren, NICHT heilen, denn das ist was uns seit langem beigebracht wird und das muss der “Therapeut/Heiler” erst mal verstehen lernen, in der Selbsterfahrung und dann in der Arbeit mit Klienten/Patienten. Dafür braucht es viel Bewusstsein, viel Self-Development.

In den 90ern habe ich eine Weile mit wirklich schwerkranken Menschen (meist Krebs) gearbeitet bzw. sie auf ihrem Weg begleitet, denn das ist alles was wir am Ende machen können. Wie in der allopathischen Medizin, kann auch energetic medicine oft nicht viel mehr tun, als Zeit kaufen. Und wenn gar nichts mehr hilft, fahren sie zum Wunderheiler nach Brasilien – das Endresultat ist trotz allem Tod.

Was mich all diese wunderbaren Menschen gelehrt haben ist, dass ich gar nichts machen kann ohne die Zustimmung ihrer Seele, eine große “Dosis Gott” und, ganz wichtig, in welchem Zustand ihr Körper ist bzw. war. Da gibt es einen “point of no return”, wo der Körper einfach schon “nein gesagt hat zum Leben”.

Was mich mein “spirit team” immer wieder gelehrt hat (bis ich es endlich begriff) ist, dass Tod für viele die Lösung ist, dass der Weg der Krankheit wichtig ist, dass es der Erfahrungsweg der Person ist, mit der ich gerade arbeite und ich in meiner Arroganz und Unwissenheit ihnen nicht IHRE Erfahrung einfach wegheilen darf.  So geht das nicht. Ich weiß nicht mehr, wie viele schwerkranke Menschen mir schon gesagt haben, dass sie nie im Leben sich mit jemanden “wie mich” überhaupt befasst hätten, wenn sie nicht so krank wären. Wir “Spirituellen Heiler/Energetiker” kommen halt meist erst am Ende eines langen Leidensweges, als “dann probier’ ich das halt auch noch aus in meiner Verzweiflung, obwohl ich gar nicht dran glaube” …, meist erst, wenn der Körper schon zu weit fortgeschritten ist in seiner deterioration, dass wir auch wirklich nicht mehr viel machen können. Ohne ihre Krankheit hätten sie einfach mit ihrem normalen Leben weitergemacht, no growth, no nothing, bis halt die Krankheit sie dann gezwungen hat, sich mit Dingen zu beschäftigen, für die sie letztendlich auch inkarniert sind. Auf einmal wurden lang notwendige Gespräche geführt, alte Probleme gelöst, Familienzwist beigelegt uvam.

Keinem von uns hier ist es erlaubt, wirklich in die hintersten Winkel einer Seele zu blicken und ALLES über den Weg eines Anderen zu erfahren und warum das jetzt so ist, wie es ist und das ich auch gut so, denke ich. Jeder hat seine challenges, seine Dinge zu lernen hier auf diesem wunderschönen, aber auch so schwierigen Planeten. JEDER hat die Möglichkeit, das beste daraus zu machen oder einfach alles hinzuwerfen, das ist der Freie Wille. Es bedeutet nicht, mich gegen den Erfahrungsweg meiner Seele zu wenden, aber das dauert einfach, bis man das wirklich versteht und auch akzeptieren kann.

Was ich mir von der spirituellen Community wünsche ist, auch auf dieser Ebene etwas mehr Bewusstsein zu entwickeln. Es geht nämlich NICHT darum immer gesund, reich, schön, für ewig jung, immer erfolgreich usw. zu sein. DAFÜR sind wir nicht auf die Erde gekommen. Krankheit, Behinderung, Limitierungen bedeuten NICHT “Versagen/Scheitern/Bestrafung!

Mir sagte mal eine Workshopteilnehmerin in Bali, warum ich meinte spirituelle Workshops halten zu können, da ich offensichtlich ein Gewichtsproblem habe. Also spirituelles Bewusstsein hängt jetzt mit Körpergröße zusammen ..
Ich war damals zutiefst betroffen, aber letztendlich verbalisierte sie nur, was ich natürlich heimlich auch selber über mich dachte. Ich fühlte mich total schuldig und als Versagerin und ja, wie kann ich nur mit anderen arbeiten und über Spiritualität/Bewusstsein lehren, wo ich doch selber einen “Makel” habe ..
Es wurde ein langer, sehr dorniger Weg, mich da hindurchzuwühlen. Mein Körper hat auch mich gelehrt, dass es Limits gibt an Heilung und dass ich nicht alles haben und kontrollieren kann, so wie ich möchte. Wer immer dieses “Ich” dann auch sein mag 🙂 ..

Und so haben wir alle unsere Herausforderungen, Wunden, Schmerzen und all das Gute das wir erleben und jeder hier trägt auf seine/ihre Weise dazu bei, diese unglaublich schöne Welt trotz allem ein bisschen besser zu machen, auch wenn es im ersten Blick nicht immer so aussieht.

 

Vielen Dank fürs Lesen und ich hoffe, Du genießt und profitierst von Deiner Zeit , die Du hier auf Renates Blog zubringst. Wenn dich der Artikel inspiriert hat, teile ihn doch mit anderen. Und wenn Du hier auf meinem Blog von deinen Erlebnissen berichten magst, würde ich mich sehr freuen von dir zu hören.

Herzlichst, Renate

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