Ich hätte so gerne eine Beziehung

Ich hätte so gerne eine Beziehung

Ein früher Text über Innere Kinder, Schutzmechanismen und Nähe.
Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.


Beziehungen, Innere Anteile und die Suche nach Nähe

Dieses Thema gehört zu den häufigsten und zugleich schmerzhaftesten Anliegen unserer Zeit.
Der Wunsch nach einer erfüllenden Beziehung nimmt bei vielen Menschen enormen Raum ein und bindet viel Energie. Gemeint sind hier intime Partnerschaften, eine lebendige, emotionale und sexuelle Verbindung. Denn Beziehungen gehen wir mit vielen ein – mit Menschen, Tieren, Dingen, Ideen. Doch die intime Paarbeziehung berührt eine besonders verletzliche Schicht.

Für diesen Wunsch gibt es keine einfache Lösung – und schon gar keine, die für alle gleichermaßen gilt. Die schnellen Ratschläge aus Frauen- oder Männermagazinen greifen meist zu kurz. Auch das breite Angebot an Paartherapie, Coaching oder tantrischen Formaten hilft vielen Betroffenen nicht nachhaltig dabei, die tiefer liegende Verzweiflung wirklich zu verstehen und zu heilen.

Jeder Mensch bringt eine eigene innere Landschaft in Beziehungen mit: persönliche Geschichte, Prägungen, innere Muster, Konditionierungen, familiäre Dynamiken, seelische Reife, innere Anteile. Wenn Beziehungen immer wieder scheitern, kurz bleiben oder gar nicht erst entstehen, liegt die Ursache sehr häufig nicht im Außen – sondern in dieser inneren Dynamik.

Aus meiner Erfahrung zeigt sich fast immer:
Es gibt innere Anteile – oft mehrere –, die Nähe als bedrohlich erleben oder kein echtes Interesse an einer Partnerschaft haben. Deshalb war und ist die Arbeit mit den Inneren Anteilen für mich ein zentraler Schlüssel, um überhaupt eine tragfähige Basis für Beziehung zu schaffen.

Für manche Menschen ist das zeitweilige Alleinsein tatsächlich Teil ihres Lebensplans oder Ausdruck einer reifen Seele, die Partnerschaft nicht zwingend braucht. Für andere wiederum ist das Alleinsein ein vertrautes Rückzugsfeld, in das sie immer wieder zurückfallen – selbst wenn sie sich eigentlich nach Beziehung sehnen.

Bei den meisten Menschen jedoch, die mit diesem Thema zu mir kamen, zeigte sich ein Inneres Kind, das enge Beziehungen als überwältigend, verletzend oder gefährlich erlebt. Dieses Kind wehrt sich nicht grundlos. Es hat gelernt, dass Nähe Schmerz bedeutet. Und es zweifelt zutiefst daran, dass der erwachsene Anteil stark genug ist, Schutz, Grenzen und Sicherheit zu gewährleisten.

Ein weiterer zentraler innerer Anteil ist der Wächter oder Beschützer. Er erkennt oft lange im Voraus, dass man sich immer wieder zu Partnern hingezogen fühlt, die alten Mustern entsprechen – emotional nicht verfügbar, abwertend, kontrollierend oder distanziert. Da seine Aufgabe Schutz ist, versucht er, Beziehungen zu verhindern oder massiv zu sabotieren.

Häufig wird in Coaching- oder Therapiekontexten von Glaubenssätzen gesprochen wie „Ich bin nicht liebenswert“ oder „Ich bin nicht genug“. Aus meiner Sicht handelt es sich dabei nicht um abstrakte Gedanken, sondern um tiefe Überzeugungen des Inneren Kindes, die sich früh geformt haben. Sie lassen sich nicht einfach „loslassen“. Mentale Techniken greifen hier nicht.

Fast alle Menschen tragen innere Kinder in sich, die emotional unterversorgt sind. Diese Anteile brauchen Zeit, Aufmerksamkeit, Geduld und Zuwendung. Heilung geschieht nicht durch Druck, sondern durch Beziehung – zu sich selbst. Ohne diese Integration bleibt Veränderung oberflächlich, egal wie viel man investiert.

In Partnerschaften begegnen sich deshalb häufig zwei bedürftige innere Kinder, die unbewusst nach elterlicher Liebe suchen. Der Partner wird zum Ersatz für etwas, das nie erfüllt wurde. Tragischerweise zieht man oft genau jene Menschen an, die dem ursprünglichen Elternmodell ähneln – und das alte Drama beginnt erneut.

Solange wir unbewusst nach Liebe dort suchen, wo sie nie verfügbar war, wiederholt sich diese Schleife. Erst wenn wir diese Dynamik erkennen und innerlich „nach Hause holen“, kann sich etwas verändern. Dieses Kind kann nicht transzendiert oder weggedacht werden. Es will gesehen, gefühlt und integriert werden.

Ohne diesen Schritt bleibt Beziehung ein Ort der Wiederholung. Sexualität mag intensiv sein, doch emotional bleibt das Kind hungrig.

Erst wenn auch jene inneren Anteile gestärkt werden, die an Reife, Selbstführung und innere Autorität glauben, wird eine erwachsene Beziehung möglich – eine Beziehung, die nicht kompensiert, sondern verbindet.

„Es ist nicht deine Aufgabe, mich zu mögen.
Es ist meine.“

Byron Katie


© 10/2019 Renate Hechenberger. All Rights Reserved.
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Das Eiskind – Beziehung als Bühne einer verlorenen Seelenverbindung

Das Eiskind – Beziehung als Bühne einer verlorenen Seelenverbindung

Dieser Text stammt aus einer früheren Phase meiner Arbeit über verborgene Ebenen von Beziehung, innerem Kind und Seelenverbindung.
Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.


Dieser Artikel handelt von der schwer fassbaren Verstrickung zwischen dem Drama des Eiskindes, deiner Beziehung – oder dem Fehlen von Beziehung – und der verlorenen Anbindung beziehungsweise bewussten Verbindung zur Seele und damit zum Göttlichen, zur Geistigen Welt, wie manche sie nennen.

Über die letzten Monate hinweg beobachte ich, dass vermehrt Frauen – und auch einige Männer – in meiner Praxis auftauchen, die alle an einem sehr ähnlichen Schmerzpunkt angekommen sind. Vielleicht gehörst du ja auch dazu, liebe Leserin, lieber Leser.

Diese Menschen haben bereits sehr viel innere Arbeit geleistet und sind dennoch verzweifelt darüber, dass sie immer noch hamsterradartig an denselben Themen nagen – insbesondere rund um Partnerschaft und Inneres-Kind-Dynamiken.
Ich glaube, dass ich für all jene, denen es so geht, eine Perspektive teilen kann auf das, was möglicherweise fehlt: der sogenannte Missing Link.

Beziehung & Partnerschaft

Auf der Beziehungsebene tritt derzeit vermehrt das Drama des Inneren Kindes wieder in den Vordergrund – unabhängig davon, wie viel Arbeit bereits geleistet wurde. Diese Themen sind wie ein Eisberg: Zuerst ist nur die oberste Schicht sichtbar, mit der man zu arbeiten beginnt. Nach einiger Zeit bewegt man sich in die mittlere Schicht – dort verbringen die meisten sehr viel Zeit. Und dann gibt es das untere Drittel, die schwierigste Ebene.

The Eiskind ist auf Ebene drei zu Hause.
Und es zeigt sich am häufigsten auf der Beziehungsbühne.

Hier stehen sich immer zwei Kinder gegenüber, die verzweifelt vom jeweiligen Partner Hilfe, Trost und Erlösung für ihren Schmerz erwarten. Und das kann nicht funktionieren. Dieses Kind sucht auch keinen Sex – es sucht Liebe. Mutter-/Vaterliebe.

Da Liebe in unserer Gesellschaft größtenteils über Partnerschaft organisiert ist, wird Beziehung zwangsläufig zum Schlachtfeld dieser Kinder.

Alle unsere Beziehungen leiden an einer scheinbar unheilbaren Krankheit. Sie heißt: ein extrem bedürftiges Inneres Kind.
Dieses Kind hat inzwischen suchtartige Züge entwickelt und kommt aus dem Suchmodus nicht mehr heraus. Es klopft immer wieder an dieselbe Tür – bis du vor lauter innerem Schmerz nicht mehr weißt, was du noch tun sollst.

Um in der Partnerschaft Frieden zu finden, muss das Eiskind „nach Hause gebracht“ werden.
Um eine bewusste Seelenverbindung herstellen zu können, muss das Eiskind zumindest teilweise auftauen und im Jetzt ankommen. Denn es ist dieses Eiskind, das die Verbindung zur „anderen Seite“ hält – oder unterbricht.

Generationenprägung

Alle Menschen, die vor 1990 geboren wurden, tragen ein Eiskind in sich – außer sie waren sehr gut gebundene Kinder, wie es die Psychotherapie nennt. Das bedeutet: Die Mutter – manchmal auch der Vater – konnte das Kind wirklich im Herzen ankommen lassen.

Das war vor 1990 äußerst selten.
Nicht als Schuldzuweisung an unsere Eltern, sondern als schlichte Tatsache: Sie hatten selbst keine Erfahrung damit. In den Kriegs- und Nachkriegsgenerationen ist das Eiskind oft noch stärker ausgeprägt.

Menschen, die nach 1990 geboren wurden und bereits etwas bewusstere Mütter hatten, sind meist weniger tief in diese Wunde verstrickt. Ihre Beziehungen verlaufen oft anders.
Wir, die vor 1990 Geborenen, haben hier noch viel Arbeit zu leisten.

In meinem bisherigen Leben ist mir nur ein einziger Mensch begegnet, der auf dieser Ebene halbwegs gesund war – meine Fühlbegleiterin. Ein sehr gewolltes Kind mit einer tiefen Anbindung an ihre Mutter. Das bedeutet nicht, dass sie keine Prozesse hatte – im Gegenteil. Aber sie trug diesen einen unverletzten Raum in ihrem Herzen, aus dem heraus sie das andere Herz fühlen konnte, ohne sich selbst zu verlieren.

Mit ihrer Hilfe konnte ich diesen Raum auch in mir wiederfinden – oder besser gesagt: zuerst finden, dann heilen und schließlich auch für andere öffnen.
Mein Eiskind konnte enteisen, sich integrieren und Schritt für Schritt im Jetzt ankommen.

Warnung

Alleine in die dritte Schicht abzutauchen, um das Eiskind zu erreichen, ist absolut nicht ratsam!

Auch ich gehe damit zu meiner Fühlbegleiterin und mache diese Arbeit nicht alleine.
Egal ob Therapeut:in, Heilpraktikeri:n, Schamanin, spirituelle Lehrer:in oder Begleiter:in – die Person muss ihr eigenes Eiskind an einen guten inneren Ort gebracht haben.

Sie muss fühlen können, was du fühlst, während du es fühlst.
Sonst passiert nichts.

Das Feld muss gehalten werden können.
Und das geht nur über Resonanz.

Das Eiskind erkennt sofort, ob das Gegenüber diese Ebene in sich integriert hat. Wenn nicht, wird es sich weigern, noch einmal hervorzukommen. Es verweigert den Schmerz des erneuten Nicht-gefühlt-Werdens. Jede ungelöste Runde drückt es tiefer in die Versenkung.

Das heilende Herz

Ich muss als Begleiterin fähig sein, mein Herz so weit zu öffnen, dass ich beim Kontakt mit der Ebene des Eiskindes nicht selbst in meinem ungeheilten Schmerz abstürze. Nur dann kann ich dein Eiskind in mein geheiltes Herz nehmen, damit es dort zu tauen beginnt.

Das ist ein zutiefst magischer Moment.

Das Eiskind braucht keine abstrakte, bedingungslose Liebe.
Es braucht konkrete, menschliche, persönliche Herzenswärme – also eine bedingte Liebe.

Männliche Lehrer und Heiler können diese Ebene derzeit kaum erreichen. Das ist keine Abwertung, sondern eine Beobachtung. Das Eiskind braucht weibliche Herzenswärme, die im Patriarchat über Jahrtausende verloren gegangen ist.

Dieses Kind will von einer Frau gefühlt und willkommen geheißen werden.
So einfach – und so schwierig – ist es.

Göttliche Mutter & Seelenebene

Bei dieser Arbeit begleiten mich oft Emanationen der Göttlichen Mutter, in unterschiedlichen Erscheinungsformen – je nach Person. Manchmal ist es Maria, manchmal eine andere weibliche Gottheit. In diesem Zusammenspiel aus göttlicher Mutterenergie und offenem Herzensraum kann das Eiskind heilen, auftauen, ankommen, den Schock lösen und schließlich zu seiner eigentlichen Besitzerin zurückkehren.

Ich behalte keine Kinder bei mir.

Dieses neue weibliche Heilfeld zeigt sich seit einiger Zeit immer deutlicher. Es ist ein Geschenk der Großen Mutter. Lange habe ich um Hilfe gebeten, weil es zuvor extrem mühsam und langwierig war, das Eiskind an einen guten Platz zu bringen. Jetzt ist Unterstützung da.

Seelenverbindung

Für eine echte Seelenverbindung muss das Eiskind einbezogen werden.
Es ist das Kind, das die Verbindung nach „oben“ hält – oder blockiert.

Solange es die Tür geschlossen hält, kann die Geistige Welt schreien, so viel sie will – du wirst sie nicht hören. Ja, es gibt Ausnahmen. Ich bin eine davon. Aber Ausnahmen sind nicht die Regel. Und selbst ich musste sehr viel Arbeit investieren, um die alte Verbindung wiederherzustellen.

Ich sehe bei vielen Menschen gespeichertes, gebunkertes Licht, das nicht mehr fließen kann – ausgelöst durch frühe Schocks. Energetisch verhungert das System. Das Gefühl, verlassen worden zu sein, ist das Kind in dir. Der „Horror des Seins“, wie Barron ihn nennt, schließt die Tür zur Seele.

Die spirituelle Entourage steht oft ganz nah – und kann den Menschen dennoch nicht erreichen.


Einordnung heute

Dieser Text entstand in einer Phase, in der meine Arbeit stark von energetisch-spirituellen Bildern, Resonanzfeldern und archetypischen Ebenen geprägt war. Viele der Beobachtungen sind bis heute gültig – insbesondere die Erfahrung, dass tiefe Beziehungsthemen nicht allein über mentale Einsicht oder klassische Innere-Kind-Arbeit gelöst werden können.

Was sich seither verändert hat, ist meine Sprache, meine Präzision und meine Verantwortung im Halten von Räumen.
Ich arbeite heute mehr mit innerer Architektur, mit Bindungsdynamiken, Nervensystemen, verkörperter Klarheit und der Fähigkeit, zwischen alten Schutzstrukturen und gegenwärtiger Autorität zu unterscheiden.

Das „Eiskind“, von dem hier die Rede ist, würde ich heute anders benennen – doch die Erfahrung dahinter bleibt dieselbe:
Es gibt frühe Erstarrungen, die nicht durch Technik, Willen oder spirituelles Streben gelöst werden können, sondern nur durch reife Präsenz, Resonanz und sichere Beziehung.

Ich lasse diesen Text bewusst stehen.
Nicht als Anleitung.
Sondern als Zeugnis eines Weges – und als Erinnerung daran, wie tief manche Fragen reichen.


© 02 2018 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
Foto credit: dreamstime_m_27767883.jpg

 

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