Egotod – wenn es denn endlich sterben würde

Egotod – wenn es denn endlich sterben würde

Ein früherer Text über Persönlichkeit, Seele, Einweihung und Verantwortung.
Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.


Es gibt nicht mehr viel, was mich so leicht aus meiner inneren Ruhe bringen kann, aber Angebote wie das folgende können das noch. In meiner eigenen Praxis erlebe ich ja ständig, dass viele Menschen auf dem Weg glauben, sie müssten diesen Ideen folgen  – manchmal mit fatalen Folgen. Einfach, weil sie es nicht besser wissen und oft in der Hoffnung, etwas/jemand wird jetzt schnell und effektiv alle ihre Probleme beseitigen. Und Egotod klingt irgendwie schräg genug … für die Abenteurer, und die Ewigsuchenden vertrauen sich gerne jedem an, der die richtige Locksprache verwendet.

„Ich arbeite mit Einzelpersonen, die auf ihrem Weg zur Ichlosigkeit, zum Erwachen begleitet werden möchten. Der Prozess des Erwachens ist mitunter sehr verwirrend und schmerzhaft – er bedeutet den Tod des Egos. Ich biete Unterstützung dabei, dass Du Dich unterwegs nicht verläufst und möglichst bald Dein Ziel erreichst. Der Prozess des Erwachens ist mitunter sehr verwirrend und schmerzhaft und führt sehr oft zu starken Widerständen und krisenhaften Zuständen, die von der Außenwelt und mitunter auch vom Individuum selbst als psychische Störung oder Lebenskrise interpretiert werden. “ Zitat Ende;

Eine Psychologin, Yoga & Tanztherapeutin mit buddhistischem Hintergrund

Ich bin mir auch sehr bewusst darüber, dass meine Irritation mit dem leidigen Thema keineswegs daran viel verändern wird. Aber wenn es nur ein paar Personen hilft, durch diesen Artikel etwas mehr Klarheit darüber zu bekommen, dann hat es sich schon gelohnt. Ständiges Schweigen hilft halt auch nicht immer.

Der Tod des Egos, Weg zur Ichlosigkeit

Es ist schwer nachvollziehbar, dass diese Vorstellung bis heute so hartnäckig propagiert wird.
Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist zu verstehen, dass das erstens gar nicht geht und zweitens völliger Unsinn ist. Warum also immer noch diese alte Leier herunterbeten? Die Egopersönlichkeit kann nicht zerstört werden, sie kann nur kennengelernt, integriert und mitgenommen werden auf dem Weg der persönlichen Entwicklung – dem Pfad der Bewusstseinsarbeit.

Warum um Himmels willen soll jemand Ichlos werden wollen? Auf dieser Erde und in dieser Zeit? Wie sollte denn dann das normale Leben gemeistert werden? Nur weil das mal vor langer Zeit gesagt wurde?

Keiner der „Anbieter von Ichlosigkeit“ hat diesen Zustand selbst erreicht. Dennoch halten viele verkrampft an der Idee fest – vermutlich, weil sie nicht wissen, wie sie sich aus diesem Denkrahmen wieder lösen können. Manchmal erfordert Entwicklung schlicht, einen Irrtum einzugestehen und weiterzugehen. Kein Drama. Bleibt diese Einsicht jedoch aus, verharrt man in einem Konzept, das längst nicht mehr trägt.

Persönlichkeit, sprich Ego und die Seele

Die Struktur für unser geistiges Selbst hat oft unterschiedliche Namen, und es gibt verwirrend viele Modelle. Wörter werden oft unterschiedlich angewendet bzw. ausgelegt – und deshalb ist es so leicht, Menschen zu verwirren und zu täuschen, da sich kaum jemand die Zeit nimmt herauszufinden, was denn mit den einzelnen Worten und Konzepten wirklich gemeint ist.

Ich verwende das Modell: Mensch (Persönlichkeit), Seele, Höheres Selbst und darüber die Monade.

Im Laufe der Inkarnationen gibt es das Leben und den Moment, wo die Persönlichkeit genügend gereift ist, dass sie beginnt, sich mit der Seele zu verbinden. Letztendlich führt das zu einer harmonischen Verschmelzung mit der Seele – wenn alles gut geht – und dieser Prozess kann unter Umständen viele Leben dauern.

Diesen Verschmelzungsprozess hat man irrtümlich als „Egotod“ bezeichnet. Tatsächlich stirbt das Ego nicht – es wandelt sich. Es wird bewusster, integrierter, tragfähiger. Dieser Prozess ist langsam und kann nicht beschleunigt werden. Die menschliche Psyche ist dafür im normalen Leben schlicht nicht ausgelegt. Wer lebt schon dauerhaft im Ashram oder Kloster?

Und selbst in solchen Gemeinschaften wird eine wirkliche Seelenverschmelzung nur selten erreicht. Häufig werden emotionale Themen eher unterdrückt oder ausgehungert, während Regungen und Bedürfnisse des physischen Körpers in den Astral- bzw. Emotionalkörper verschoben und dort gebunden bleiben. Viel Zeit wird im Mentalraum oder in Zuständen des „Nicht-Seins“ verbracht – aus dieser Perspektive entstehen dann die Vorstellungen von „Egolosigkeit“.

Ist ja nicht, dass ich das nicht auch schon so versucht habe – aber, auch ich musste wieder „runter vom Dach“ und ordentliche Zwischenetagen bauen. D. h. alle feinstofflichen Körper müssen auf dieser Reise ins höhere Bewusstsein (früher auch Erleuchtung genannt) mitgenommen werden. Alle Ereignisse (Dramen, Traumen, Schmerzen) dieses Lebens und auch anderer Leben sind im EMOTIONAL- ASTRALKÖRPER gespeichert. Der Mentalkörper hat dafür keine gesunden, nachhaltigen Lösungen, denn er ist auf einer ganz anderen Frequenzebene. Er hat nur Bypassing (also eine Umgehung) im Repertoire.

Und, Mentalkörper Erleuchtung ist eben nur die halbe Miete. Ohne einem geheilten, geklärten und updated Emotional- Astral Körper gibt es keinen vollständigen Zugang zum Buddhi Körper, sprich zum Höheren Selbst. Die Schwingungsfrequenz wäre zu niedrig. Das Ziel jedes ernsthaften „Jüngers auf dem Pfad“ ist es allerdings, die Buddhi-Ebene zu erreichen – nur weiß keiner mehr davon … außer den (übrig gebliebenen) Schülern der Ageless Wisdom Teachings von DK/Alice Bailey.

Ich denke, ihr wisst alle, wie schwer es letztendlich ist, nur kleine Dinge in sich permanent zu verändern; es geht selten von heute auf morgen. Die gesamte Struktur des Emotionalkörpers inklusive der Inneren Personen, die ja die Persönlichkeit (Ego) ausmachen, schnell zu verändern bzw. gänzlich aufzulösen ist doch totaler Schwachsinn. Eine kohärente Verbindung aller Inneren Anteile mit einem Bewussten Ich (Seele) dauert schon eine gefühlte Ewigkeit, wenn man weiß, was man tut. Es ist unglaublich viel innere Arbeit damit verbunden; bei vielen Menschen ist auch Therapie notwendig, um die Wunden und Traumen der einzelnen Teile in sich heilen zu können!

Also, „möglichst bald dein Ziel zu erreichen …“ das kann nur jemand ohne eigene gültige Seelenanbindung „anbieten“, ansonsten weiß man, wie unverantwortlich und letztendlich unethisch das ist.

“Euer Ego ist als Sensor für euer äußeres Leben gedacht. Ihr könnt es weder loswerden noch sublimieren. Falls ihr das versucht, wird das alte Gesetz des Universums “Wenn man sich etwas widersetzt, bleibt es bestehen” das Ego in eine immer noch stärkere Position bringen.

Euer Ego ist ein überaus wertvoller Aspekt von euch. Es muss nur ins Gleichgewicht gebracht werden.”

Zitat aus: “P`TAAH Das Geschenk” von Jani King

Was passiert also zwischen der Seele und der Persönlichkeit?

Während intensiver Persönlichkeitsarbeit (dem Erwachen) bekommt die Seele von uns ein Signal, dass wir „aufwachen“ und erst dann fängt sie an, sich für den physischen Menschen (sich selbst in Inkarnation) zu interessieren. Für die normale Seele und dem Menschen beginnt erst jetzt die Phase der Annäherung und einer eventuellen Seelenverbindung, was letztendlich zu einem seelendurchfluteten Menschen führt und einen großen Einweihungsschritt darstellt. Die einzige Ausnahme davon ist eine sehr fortgeschrittene Seele. Die ist oftmals gleich von Geburt an sehr präsent und sorgt dafür, dass die Persönlichkeit nicht zu weit vom Weg abkommt (was natürlich auch passieren kann), denn sie hat kein Interesse daran, neues Karma zu kreieren.

Also, eine bewusste Seelenverbindung mit der Persönlichkeit herzustellen ist knallharte Arbeit und führt keineswegs zu einem Egotod oder Ichlosigkeit, sondern zu mehr (innerer) Führung der Seele über die Persönlichkeit!

Nachdem die Phase der Seelenverschmelzung mit der Persönlichkeit abgeschlossen ist, fängt die Seele den Prozess an, sich mit dem Höheren Selbst zu verbinden. Das ist die Phase, wo der Kausalkörper anfängt, sich (LANGSAM) aufzulösen und alles, was dort gespeichert ist, geht ins höhere Bewusstsein über. So beginnt sich die SEELE langsam „aufzulösen“ indem sie wieder ins Höhere Selbst (HS) „absorbiert / zurückgebracht“ wird.

Das könnte man als „Egotod“ bezeichnen, vor allem, wenn man bedenkt, dass in manchen (alten) Lehren das Wort Ego für die Seele steht. Das wird auch als die Phase des „Horrors des Nicht-Seins“ beschrieben und ich denke, diesen Zustand haben die buddhistischen Meister gemeint, als sie vom Egotod sprachen, sie hatten halt nur keine besseren (und modernere) Erklärungsmodelle für westliche Schüler.

Viel später dann beginnt das HS sich wiederum mit ihrer Monade zu verschmelzen. D.h. die Monade kann auf der Ebene des HS beliebig Veränderungen durchführen und Inhalte auslesen und sobald das menschliche Bewusstsein alle Ebenen des HS durchschritten hat und die monadische Ebene erreicht und sich damit verbindet, zieht die Monade das HS in sich zurück. Sie könnte das HS aber jederzeit auch wieder aus ihrem Memory-Komplex („Gedächtnis“) manifestieren . . . ja, sie könnte nach dem Erfahren der Ebene der Persönlichkeit sogar alle Ebenen bis hinunter in die physisch-ätherische neu manifestieren, da sie am Entwicklungsweg die Kontrolle über alle Ebenen bis ganz nach unten erlernt hat. Der Kausalkörper ist da die wesentliche Zwischenstruktur, die nur bis zum Erreichen des Höheren Selbst von der Persönlichkeit aus (das der Manifestation der Monade entspricht) nötig ist und danach wie Stützräder vom Fahrrad abmontiert wird.

Bei diesen Verschmelzungsprozessen geht allerdings nichts verloren, es fühlt sich aber immer wieder so an, deshalb wird von Tod oder Auflösung gesprochen. In diesen Prozessen wird das gesamte Wissen, das die Seele bzw. das HS über lange Zeit angesammelt hat, in die nächsthöhere Ebene „transferiert“ und so wird das ganze Wissen, das ganze Erlebte, dem ganzen Wesen auf der neuen Ebene zur Verfügung gestellt. Und das ist das „Opfer“, das immer wieder geleistet wird; man „stirbt“ durch die einzelnen Phasen und findet sich neu auf der nächsten Ebenen wieder; das ist es, von dem immer wieder berichtet wird.

Aber die meisten Menschen gegenwärtig auf Erden sind so weit vom Stadium eines Egotods entfernt wie die Erde von Jupiter. Meines Wissens gibt es nur ungefähr 10.000 Menschen derzeit auf Erden, die sich bewusst in den Buddhi-Körper (Höhere Selbst Ebene) bewegen – und das ist schon eine Guru+ Ebene.

Eine kurze Zusammenfassung der verschiedenen Stufen des Erwachens oder auch Einweihung genannt

Das Wort „Einweihung“ ist ja sehr unpopulär geworden, aber ich habe noch keinen besseren Ersatz dafür gefunden, ohne alles bis ins Unkenntliche zu verzerren. Inzwischen bin ich der Meinung, dass Menschen auf dem Weg bestimmte „Worte“ zugemutet werden können (wie Esoterik und Einweihung) und dass sie in der Lage sind, klar zu unterscheiden, wann wer wovon spricht.

Ich verwende als Erklärungsmodell für die einzelnen Einweihungsebenen das Ageless Wisdom Teaching von DK/Alice A. Bailey, um bestimmte größere Meilensteine in der Bewusstseinsentwicklung eines Menschen verständlicher zu erklären.

Erste Einweihung – das sogenannte Erwachen

Zur Zeit bewegen sich Millionen von Menschen in Richtung 1te Einweihung. In dieser wichtigen Phase geht es um die erstmalige BEWUSSTE Verbindung des physischen Körpers mit der Seele. Das bedeutet, dass die Seele sich jetzt immer aktiver darum bemüht, den Annäherungsprozess der Persönlichkeit zu unterstützen. In der westlichen Welt, wo immer mehr Menschen ein gesünderes, sportlicheres Leben anstreben und damit beginnen, ihren Körper bewusst zu führen (statt allen körperlichen Vorlieben unbewusst nachzugeben und somit der Körper die Führung wieder übernimmt), zeigt sich das ganz deutlich.

Man „wacht auf“, kümmert sich mehr um die Umwelt, überlegt genauer was dem Körper zugeführt wird, man wird wesentlich sensibler auf Umwelteinflüsse usw. Der Mensch schaut auf seinen Körper und lernt ihn zu feiern, zu genießen und als göttlich zu betrachten. Das wachsende Bewusstsein darüber, dass der Körper der physische Tempel ist, der die Seele beherbergt, hilft dabei, das Leben (wieder) etwas mehr als sinnliche Freude zu erfahren. Der Mensch wird zum ersten mal wirklich BEWUSST darüber, dass er mehr als nur ein Körper ist und (eventuell) eine Seele hat. Er beginnt sich „mit oben“ zu verbinden bzw. versucht herauszufinden, wie das am besten bewerkstelligt werden kann. Schließlich gipfelt diese Bemühung in der ersten Einweihung.

Diese Einweihung nimmt die eigene Seele an der Persönlichkeit vor und hat nichts mit einer physischen Zeremonie zu tun – die Zeremonie findet auf der Ebene des Kausalkörpers der Seele statt und kann im Gehirnbewusstsein der Persönlichkeit registriert werden. Die Seele ist ab diesem Zeitpunkt zum ersten Mal bewusst mit der Persönlichkeit verbunden. Dieses Ereignis hat permanenten Charakter und die Verbindung bleibt für alle folgenden Inkarnationen bestehen.

Der große Schritt zur 1ten Einweihung geschieht in der modernen Zeit als Gruppe, denn ein bestimmtes Gruppen- oder Gemeinschaftsbewusstsein muss dafür bereits existieren, um als Gruppe das zu schaffen – was es jetzt tut.

Zweite Einweihung bzw. die nächste Stufe des Erwachens

Die 2te Einweihung betrifft jetzt in einem verhältnismäßig großen Ausmaß die gesamte Menschheit. Diese Einweihung betrifft jenen Aspekt der Persönlichkeit, der einem jeden die größten Schwierigkeiten bereitet: die Inhalte des Emotional- und Astralkörpers. Heute wird die Mehrheit der Menschen von Gefühlen und einer empfindsamen Erwiderung auf Umstände getrieben. Hier geht es um die Astralebene, mit ihrer Unbeständigkeit, ihren Stürmen, ihrer Ruhe, ihren überwältigenden emotionellen Reaktionen. Sie reagiert auf jede Anregung, jeden Wunsch und alle Begierden.

Wenn man sich der 2ten Einweihung nähert bzw. tief darin steckt, spürt man das recht schnell, denn viele alte (oft schon als erledigt abgehakt) Probleme emotionaler Natur tauchen erneut auf. Man beginnt, sich mit Emotionen, Beziehungen usw. auf einer wesentlich tieferen Ebene zu beschäftigen. Jetzt geht es um die emotionale Seelenanbindung und die Vertiefung des Erwachens. Das bedeutet, dass die Seele sich über das Herzchakra in den Solar Plexus bewegt und versucht, sich mit der kompletten Gefühlsnatur der Persönlichkeit zu vereinen. Das ist die Ebene des Emotionalkörpers mit allen Inneren Anteilen und der Astralebene. Das ist sicher die schwierigste aller Phasen auf dem Weg und wurde in der Vergangenheit auch von vielen „Jüngern auf dem Pfad“ versucht zu umgehen. Die gesamte christliche wie auch östliche Spiritualität hat das bis zum Exzess praktiziert.

Wie wichtig diese Phase für viele Millionen Menschen (und die gesamte Menschheit) ist, zeigt sich klar durch die absolute Explosion an Literatur, Workshops, Seminaren usw., die sich jetzt mit emotionalen Themen beschäftigen. „Aus dem Kopf in den Körper oder in die Emotionen“ ist das grundlegende Thema. Man beginnt sich sehr intensiv mit dem Inhalt des Solar Plexus auseinanderzusetzen. Gleichzeitig muss das Herzchakra weiter geöffnet und geheilt und mit der zunehmenden Seelenenergie vertraut gemacht werden. Viele Seelen, die bereits höhere Einweihungsstufen aus anderen Leben hinter sich haben, sind jetzt wieder inkarniert, um genau dieses fehlende Stück Bewusstsein „nachzuholen“, da es erst jetzt wirklich möglich geworden ist. In früheren Zeiten und Leben gab es dafür kaum Gruppenbewusstsein und auch keine geeigneten Lehrer. Einige meiner Klienten kommen aus dieser Gruppe.

Moderne buddhistische Lehrer fangen an zu erkennen, dass ein rein mentaler Weg und alte östliche Lehren nicht mehr ausreichend sind für westliche Schüler und Aspiranten und beginnen, sich den Herausforderungen und Bedürfnissen eines Menschen, der sich auf die 2. Einweihung vorbereitet, oder sich schon mitten darin befindet, mehr gerecht zu werden. Psychologen mit buddhistischem Hintergrund wie John Welwood und Robert Augustus Masters sind z. Zt. bahnbrechend, indem sie neue Wege aufzeigen, wie Buddhismus, Emotionalität, Spiritualität und normales Leben auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können, und so zu lebbarer Spiritualität werden. 

Ab der 2ten Einweihung kann die Seele bewusst die Persönlichkeit nutzen und damit arbeiten und man ist „fix“ auf dem (spirituellen) Pfad/Weg angekommen.

Dritte Einweihung – Vertiefung des Erwachens

Ab der 3ten Einweihung wird der Kausalkörper, der jetzt Teil der inkarnierten Persönlichkeit geworden ist und sich jetzt „nach oben“ richtet, dauerhaft mit dem Höheren Selbst und der Monade verbunden. Ab diesem Zeitpunkt fließen 75% Buddhi-Substanz (Höhere Selbst Substanz) durch den Ätherkörper. Der Kausalkörper verliert ab diesem Zeitpunkt an Einfluss, da jetzt eine direktere Verbindung zwischen Persönlichkeit und Höherem Selbst besteht.

Die 3te Einweihung kann noch im selben Leben (wie die 2te) oder im darauffolgenden Stattfinden. Dabei handelt es sich meist um eine mühsame Zeit, in der die Persönlichkeit sich zunehmend mental von den Stufen der Persönlichkeit ausgehend, in die noch höheren Ebenen zwischen dem Kausalkörper und dem Höheren Selbst ausdehnt. Es geht jetzt darum, konkrete mentale Spannungen durch widersprüchliche Gedankenmodelle auszugleichen, zu integrieren und zu bereinigen. Das passiert, indem das höhere Denken zunehmend durch das Höhere Selbst über die Intuition „erleuchtet“ wird und die Persönlichkeit immer mehr zu einem passiven Empfänger der Gedanken der Seele wird. Sie ist jetzt aber auch Empfänger der seelischen Empfindungen über den Emotionalkörper und damit bereit, etwas leichter die Energien des Höheren Selbst zu empfangen. Die Seele, die sich jetzt mit der Persönlichkeit vereint hat, beginnt sich in diesem Prozess gemeinsam mit der integrierten Persönlichkeit dem Höheren Selbst zuzuwenden. Sobald ein bestimmter Punkt relativ stabil erreicht wird, kommt es zur dritten Einweihung. Das bedeutet, dass die seelenintegrierte Persönlichkeit durch das Feuer der Monade fest mit dem Höheren Selbst verbunden wird.

Der Mensch ist jetzt zum ersten Mal mit dem Höheren Selbst BEWUSST vereint. Es strömen jetzt ca. 75% der höheren Energien durch seinen physischen Körper. Die Seele hat damit ihre Führungsposition zum Teil schon an das Höhere Selbst abgegeben, welche ab diesem Zeitpunkt die Führung über die Seele bzw. die damit verbundene Persönlichkeit übernimmt. Die „Eingeweihte“ ist damit auf einem Level angelangt, wo ihr echte „Macht“ zum ersten Mal anvertraut wird, da sie unter fester Führung ihres göttlichen Selbst steht und damit diese Macht verantwortlicher handhaben kann. Nicht Macht im weltlichen Sinne. Bei Macht meine ich hier, dass dieser Mensch bewusster weiß war er/sie tut und kann andere auf ihrem Weg unterstützen bzw. begleiten. Macht, wo energetische Dinge schneller verändert werden können. Macht, andere mental und emotional leichter zu „lenken“. Macht, Energien in die Welt zu bringen, die viel verändern und bewirken können. Also ja, Macht, die mit SEHR viel Verantwortung kommt. Man geht durch eine längere „Testphase“ wo eben genau beobachtet wird, wie man mit der neu-erlangten Macht im täglichen Leben umgeht, wie sie angewendet wird, wo es noch Schwachpunkte gibt usw. Man lernt im Anwenden – im täglichen Leben. Und so kommen sukzessiv die nächsten „MachtEbenen“ dazu, wenn das HS darauf vertraut, dass die Persönlichkeit damit umgehen kann.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die ersten drei Einweihungen darin bestehen, die Persönlichkeit mit ihrer Seele sukzessive zu verbinden:

  • In der ersten Stufe wird der bereits beherrschte physische Körper sowie das Herzzentrum mit dem Kausalkörper verbunden, wobei die Seele noch lernen muss, mit den Emotionen der Persönlichkeit richtig umzugehen. Bis zur nächsten Stufe können noch viele Leben verstreichen.
  • In der zweiten Stufe erfolgt die vollständige Anbindung des Herzzentrums über den Solar-Plexus an den Emotionalkörper der Persönlichkeit, der jetzt stabil unter der Führung der Seele steht.
  • In der dritten Stufe wird schließlich der Kausalkörper der Seele auf den oberen Mentalebenen über die Energie der Monade mit dem Höheren Selbst permanent verbunden.

Einweihungen Vier bis Neun

Die gibt es auch, sind aber hier nicht wichtig, denn es befindet sich kaum jemand in diesen Phasen. Erst ab der 5ten Einweihung beginnt man die Phase der Kausalkörperauflösung (also der „Egotod“ – Ego als Wort für die Seele) durchzustehen und das betrifft z. Zt. vielleicht 150 Menschen von acht Milliarden, also warum davon überhaupt reden? Und ab der sechsten befindet man sich (meist) nicht mehr in einem physischen Körper.

Einen Einweihungsweg zu gehen, bringt viele Herausforderungen mit sich und auch Schwierigkeiten mit dem physischen Körper.

Teilweise unsägliche Müdigkeit, gefolgt von aktiven Phasen. Genauer über die Zustände zu berichten, die ich auf meiner Entwicklungsstufe erlebe, macht keinen Sinn, denn es kreiert meistens mehr Verwirrung als gutes, denn Menschen haben eine Tendenz, diese Zustände dann auf sich zu projizieren und das führt unweigerlich in turbulentes Fahrwasser für die Betroffenen. Ich beobachte das immer wieder mit den Lehren von Eckhart Tolle. Nichts, was er sagt, ist falsch, keineswegs. Es passt nur nicht für Menschen, die kaum eine stabile Seelenanbindung haben! Sie plagen sich mit Theorien und Konzepten, die für ihren Entwicklungsstand überhaupt nicht vorgesehen sind. Und wir bekommen dann viele Facebook Postings mit endlos langweiligen Sprüchen … und so mutieren tiefsinnige Weisheiten zu Gedankenmüll.

In meinem Fall führt meine Entwicklungsphase oftmals zu längeren „Auszeiten“ (deshalb hört ihr immer wieder, mal länger nichts von mir), weil ich es in bestimmten Phasen kaum schaffe, mich mit „normalen“ irdischen Dingen zu beschäftigen. Der Computer, Denken, Schreiben usw. wird zur Qual. Und ohne die Unterstützung von den Menschen, die mir nahestehen und meinen Gruppen, wäre es für mich fast unmöglich, diesen Spagat zwischen Mensch und Höchstem Selbst täglich zu navigieren. Es ist also auch ein Gruppenprojekt. Und ab der 3. Einweihung ist die Begleitung eines:r Meister:in absolut notwendig.

Ich hoffe, ich konnte etwas mehr Klarheit in dieses verzwickte Thema bringen, denn es ist nicht o.k. wenn vor allem Menschen bei Verdacht auf schwere Traumata, besonders wenn eine hohe Suggestibilität bei niedriger innerer Stabilität vorliegt, suggeriert bekommen, dass, wenn sie ihr Ego auflösen, alles gut wird! Das gesamte Überlebenssystem der Person inklusive Wächter, geht auf Höchstalarm, denn wenn es kaum Schutzbarrieren gibt, ist es durchaus möglich, durch diverse spirituelle Techniken in Verbindung mit Egoauflösung direkt mitten im tiefsten, dunkelsten Bereich zu landen, und das könnte fatale Folgen (Re-Traumatisierung, spontane Dekompensation, Psychose etc.) haben!

Macht euch also bitte klar: Egotod und Ichlosigkeit anzustreben tut genau das Gegenteil und kann zu schweren Psychosen führen! Und nährt ein Feld, welches schon lange nicht mehr genährt gehört! Bitte seid achtsam, geht nicht leichtfertig mit euch um, bedenkt die Folgen und übernehmt Verantwortung für euer Handeln und Denken.

Viele Menschen wissen, was „Felder“ bewirken. Doch kommt zu diesem Wissen das Erlebnis der Erfahrung hinzu, so öffnet sich uns eine höhere Dimension des Seins. Meine „Arbeit“ hier auf Erden beinhaltet auch, das FELD eines friedlichen, ko-kreativen, ko-evolutionären, ko-inspierten WIR zu nähren. In dieses Feld kommt man allerdings erst erfolgreich, wenn die Seele mit ihrer Persönlichkeit verschmilzt. Und das ist es, was so viele von euch zu schierer Verzweiflung bringt, dass das „so langsam geht“ und Leute sich kaum von ihren alten Emotionen und Gedanken lösen können. Es wird keine nachhaltige, tiefgreifende Veränderung passieren, bis diese Stufe nicht von einer großen Gruppe Menschen erreicht ist.
Aber viele sind auf dem Weg!

Dieses neue WIR-Feld gibt es jetzt und schwingt als Noosphäre um den gesamten Erdball.
Dieses FELD wird genährt von der Kraft und Weisheit unseres Herzens. Nicht durch nachgeplapperte Ideen der Ichlosigkeit und des Egotods.
André Heller sagte gerade in einem Interview, dass unsere Muttersprache nicht Deutsch oder Swahili ist, sondern MITGEFÜHL! Wie schön 😄.

In diesem Sinne AUFWACHEN und aufhören, Felder zu nähren aus Unwissenheit oder einfach aus Starsinn.

Freude und Segen und umfassendes Gelingen dir, euch, uns allen.
Zusammen erleben wir Einheit in der Vielfalt, Individualität in der Gemeinschaft.
Auf unser aller Neues WIR.


Dieser Text gehört zu einer früheren Phase meiner Arbeit.
Heute leite ich keine spirituellen Gruppen mehr ausser meiner langjährigen MasterClass.
Mein heutiger Schwerpunkt liegt auf einer integrativen, verkörperten Praxis, die innere Stabilität und Verantwortung ins Zentrum stellt.



© 11 /2019 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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Ich hätte so gerne eine Beziehung

Ich hätte so gerne eine Beziehung

Ein früher Text über Innere Kinder, Schutzmechanismen und Nähe.
Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.


Beziehungen, Innere Anteile und die Suche nach Nähe

Dieses Thema gehört zu den häufigsten und zugleich schmerzhaftesten Anliegen unserer Zeit.
Der Wunsch nach einer erfüllenden Beziehung nimmt bei vielen Menschen enormen Raum ein und bindet viel Energie. Gemeint sind hier intime Partnerschaften, eine lebendige, emotionale und sexuelle Verbindung. Denn Beziehungen gehen wir mit vielen ein – mit Menschen, Tieren, Dingen, Ideen. Doch die intime Paarbeziehung berührt eine besonders verletzliche Schicht.

Für diesen Wunsch gibt es keine einfache Lösung – und schon gar keine, die für alle gleichermaßen gilt. Die schnellen Ratschläge aus Frauen- oder Männermagazinen greifen meist zu kurz. Auch das breite Angebot an Paartherapie, Coaching oder tantrischen Formaten hilft vielen Betroffenen nicht nachhaltig dabei, die tiefer liegende Verzweiflung wirklich zu verstehen und zu heilen.

Jeder Mensch bringt eine eigene innere Landschaft in Beziehungen mit: persönliche Geschichte, Prägungen, innere Muster, Konditionierungen, familiäre Dynamiken, seelische Reife, innere Anteile. Wenn Beziehungen immer wieder scheitern, kurz bleiben oder gar nicht erst entstehen, liegt die Ursache sehr häufig nicht im Außen – sondern in dieser inneren Dynamik.

Aus meiner Erfahrung zeigt sich fast immer:
Es gibt innere Anteile – oft mehrere –, die Nähe als bedrohlich erleben oder kein echtes Interesse an einer Partnerschaft haben. Deshalb war und ist die Arbeit mit den Inneren Anteilen für mich ein zentraler Schlüssel, um überhaupt eine tragfähige Basis für Beziehung zu schaffen.

Für manche Menschen ist das zeitweilige Alleinsein tatsächlich Teil ihres Lebensplans oder Ausdruck einer reifen Seele, die Partnerschaft nicht zwingend braucht. Für andere wiederum ist das Alleinsein ein vertrautes Rückzugsfeld, in das sie immer wieder zurückfallen – selbst wenn sie sich eigentlich nach Beziehung sehnen.

Bei den meisten Menschen jedoch, die mit diesem Thema zu mir kamen, zeigte sich ein Inneres Kind, das enge Beziehungen als überwältigend, verletzend oder gefährlich erlebt. Dieses Kind wehrt sich nicht grundlos. Es hat gelernt, dass Nähe Schmerz bedeutet. Und es zweifelt zutiefst daran, dass der erwachsene Anteil stark genug ist, Schutz, Grenzen und Sicherheit zu gewährleisten.

Ein weiterer zentraler innerer Anteil ist der Wächter oder Beschützer. Er erkennt oft lange im Voraus, dass man sich immer wieder zu Partnern hingezogen fühlt, die alten Mustern entsprechen – emotional nicht verfügbar, abwertend, kontrollierend oder distanziert. Da seine Aufgabe Schutz ist, versucht er, Beziehungen zu verhindern oder massiv zu sabotieren.

Häufig wird in Coaching- oder Therapiekontexten von Glaubenssätzen gesprochen wie „Ich bin nicht liebenswert“ oder „Ich bin nicht genug“. Aus meiner Sicht handelt es sich dabei nicht um abstrakte Gedanken, sondern um tiefe Überzeugungen des Inneren Kindes, die sich früh geformt haben. Sie lassen sich nicht einfach „loslassen“. Mentale Techniken greifen hier nicht.

Fast alle Menschen tragen innere Kinder in sich, die emotional unterversorgt sind. Diese Anteile brauchen Zeit, Aufmerksamkeit, Geduld und Zuwendung. Heilung geschieht nicht durch Druck, sondern durch Beziehung – zu sich selbst. Ohne diese Integration bleibt Veränderung oberflächlich, egal wie viel man investiert.

In Partnerschaften begegnen sich deshalb häufig zwei bedürftige innere Kinder, die unbewusst nach elterlicher Liebe suchen. Der Partner wird zum Ersatz für etwas, das nie erfüllt wurde. Tragischerweise zieht man oft genau jene Menschen an, die dem ursprünglichen Elternmodell ähneln – und das alte Drama beginnt erneut.

Solange wir unbewusst nach Liebe dort suchen, wo sie nie verfügbar war, wiederholt sich diese Schleife. Erst wenn wir diese Dynamik erkennen und innerlich „nach Hause holen“, kann sich etwas verändern. Dieses Kind kann nicht transzendiert oder weggedacht werden. Es will gesehen, gefühlt und integriert werden.

Ohne diesen Schritt bleibt Beziehung ein Ort der Wiederholung. Sexualität mag intensiv sein, doch emotional bleibt das Kind hungrig.

Erst wenn auch jene inneren Anteile gestärkt werden, die an Reife, Selbstführung und innere Autorität glauben, wird eine erwachsene Beziehung möglich – eine Beziehung, die nicht kompensiert, sondern verbindet.

„Es ist nicht deine Aufgabe, mich zu mögen.
Es ist meine.“

Byron Katie


© 10/2019 Renate Hechenberger. All Rights Reserved.
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Wer handelt in mir?

Wer handelt in mir?

Ein früher Text über innere Anteile, Ego, Bewusstsein und den Weg zu innerer Führung und Reife.
Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.


Über innere Anteile, Bewusstsein und Reife

Manche spirituellen Lehrer arbeiten mit dem Enneagramm, um Persönlichkeit und Ego weiterzuentwickeln.
Mir diente und dient dafür das Modell der Inneren Personen.

Wer ist eigentlich „ich“?

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen klar:
Unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen werden weit stärker von Emotionen geprägt als von rationalem Denken. Die Rolle des bewussten, steuernden „Ichs“ wird dabei häufig überschätzt.

Der Mensch ist kein eindimensionales Wesen, sondern eine vielschichtige, adaptive Multilevel-Persönlichkeit. Wir erleben unser Leben als Individuum – und tragen zugleich ein inneres Vielstimmigkeitsfeld in uns.

Jeder Mensch besitzt eine einzigartige Persönlichkeit, zusammengesetzt aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen – den Inneren Personen.
Sie entstehen überwiegend in der Kindheit, manche reichen weiter zurück. Sie sind physischer, emotionaler, mentaler und auch transpersonaler Natur. Viele von ihnen übernehmen Schutzfunktionen für verletzliche innere Bereiche.

Welche Anteile sich entwickeln und wie viele, hängt stark von den jeweiligen Lebensumständen ab.

Die Arbeit mit Inneren Personen unterstützt Bewusstwerdung und Heilung innerer Wunden – auch solcher, die tief geprägt oder lange verdrängt sind. Sie eröffnet einen Weg, die Ganzheit des eigenen Seins erfahrbar zu machen.

Ein zentraler Reifungsschritt besteht darin, die Polarität zwischen Verletzlichkeit und Macht zu erkennen. Innerhalb dieser Spannung leben wir unser Leben und unsere Beziehungen. Oft beginnt Transformation dort, wo eine innere Schwachstelle bewusst wahrgenommen wird – denn jedes innere Problem ist an einen bestimmten Anteil gebunden.

Wir identifizieren uns meist mit einigen wenigen sogenannten Hauptselbsten. Das sind jene Anteile, die im Alltag dominant auftreten, laut sind oder scheinbar gut funktionieren. Andere sind leise, scheu oder treten nur in bestimmten Situationen hervor. Manchmal stehen mehrere Anteile in Konflikt zueinander – jeder beansprucht Recht. Das führt zu innerer Zerrissenheit und Entscheidungsunfähigkeit.

Innere Anteile agieren grundsätzlich strategisch. Sie sind darauf ausgerichtet, Anerkennung zu sichern und Ablehnung zu vermeiden – gesteuert von bewussten und unbewussten Programmen.

Jeder Anteil nimmt die innere und äußere Welt aus seiner eigenen Perspektive wahr.
Er denkt, fühlt, handelt und bewertet auf seine Weise.
Und jeder trägt seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse in sich.

Traditionell wird das Ego als „Exekutive der Psyche“ beschrieben – als Instanz, die entscheidet und handelt. Um alte Missverständnisse zu vermeiden, spreche ich hier vom Strategischen Selbst. Dieses Selbst sammelt Informationen sowohl aus bewusster Wahrnehmung als auch aus den Erfahrungen der verschiedenen inneren Anteile.

Mit wachsendem Bewusstsein kann sich daraus ein Bewusstes Selbst entwickeln – ein innerer Zustand, aus dem authentischere Entscheidungen möglich werden.

Ein entscheidender Wendepunkt entsteht, wenn wir beginnen zu unterscheiden:
Wann spricht ein Wächteranteil?
Wann reagiert ein verletztes inneres Kind?
Wann übernimmt ein rebellischer oder angepasster Anteil?

Sobald diese Differenzierung wirklich verstanden wird, verändert sich die Lebensperspektive spürbar. Man erkennt, dass unterschiedliche innere Stimmen je nach Situation völlig unterschiedlich handeln – und dass keine davon „die ganze Wahrheit“ ist.

Die Arbeit mit Inneren Personen ist für echte persönliche und spirituelle Reifung wesentlich.
Ohne ihre Integration bleibt Entwicklung fragmentiert.

Kritische innere Stimmen, selbstschädigende Muster, wiederkehrende Beziehungsdynamiken oder lähmendes Aufschieben sind Ausdruck ungelöster innerer Anteile. Werden sie gesehen und einbezogen, können sie sich wandeln und zu tragenden Kräften werden.

Angst, Wut, Scham, Kontrolle, Rückzug oder Depression wurzeln häufig in frühen emotionalen Verletzungen. Sie gehören zu Anteilen, die einst Schutz boten, heute aber festgefahren sind. Erst durch ihre individuelle Würdigung und Integration kann sich das Bewusste Selbst stabil entfalten.

Das Bewusste Selbst

Das Bewusste Selbst ist jener innere Raum, aus dem Achtsamkeit, Mitgefühl, Verbundenheit und Klarheit entstehen.
Es ist kein Anteil unter vielen, sondern ein Zustand von Präsenz, der allmählich Führung übernehmen kann.

Ziel dieser Arbeit ist keine Auflösung der Persönlichkeit, sondern eine durchlässige, integrierte Persönlichkeit, in der das Strategische Selbst lernt, sich von bewusster Präsenz leiten zu lassen.

Das Ego kann – solange wir leben – nicht aufgelöst werden.
Versuche, es zu „beseitigen“, führen meist zu innerem Kampf oder Dissoziation. Beides ist kein Zeichen von Reife.

Reifung entsteht nicht durch Transzendieren, sondern durch Integrieren.

Wenn innere Anteile sich nicht mehr verteidigen müssen, wenn sie gesehen und gehalten werden, kann das Bewusste Selbst natürlicherweise in den Vordergrund treten – ruhig, tragfähig, klar.


Brücke zu den heutigen Orchard-Texten

Dieser Text stammt aus einer Phase, in der ich innere Dynamiken noch stärker erklärend und strukturierend beschrieben habe.
Heute arbeite und schreibe ich aus einer anderen Haltung: weniger modellhaft, weniger methodisch – näher an Präsenz, Feld und gelebter innerer Architektur.

Die Grundfragen jedoch sind geblieben:
Wer handelt in mir?
Wer führt?
Und was geschieht, wenn innere Anteile nicht mehr gegeneinander arbeiten, sondern gehalten werden?

Die Orchard-Texte nehmen diese Fragen heute auf einer anderen Ebene wieder auf – nicht mehr als Beschreibung innerer Mechanismen, sondern als Einladung, innere Führung zu verkörpern.

Dieser Artikel bleibt als Ursprung sichtbar.
Nicht als Anleitung, sondern als Spur.


© 01 /2019 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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Warum Selbstverwirklichung Dualität braucht

Warum Selbstverwirklichung Dualität braucht

Ein früher Text über die Grenzen der Nicht-Dualität und spirituelles Bypassing.
Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.


Über die Grenzen der Nicht-Dualität und die Reifung moderner Spiritualität

Wer sich auf einen spirituellen Weg in Richtung Selbstverwirklichung begibt, begegnet früher oder später der Doktrin der Nicht-Dualität – oder kann ihrem Einfluss innerhalb der spirituellen Szene kaum entkommen. Advaita, ebenso wie alle großen buddhistischen Schulen, basieren auf diesem Konzept. Die gesamte neo-advaitische Satsang-Kultur, die sich tief im kollektiven spirituellen Bewusstsein verankert hat, betreibt inzwischen eine weitgehende Kommerzialisierung dieser nicht-dualen Sichtweise.

Nicht-Dualität (indisch: Advaita) beschreibt die Einsicht, dass kein Gegenstand ohne einen Beobachter existieren kann – dass Subjekt und Objekt immer ein komplementäres Paar bilden. Ein getrenntes, individuelles Selbst erscheint in diesem Verständnis unmöglich, da es selbst wieder zum Objekt der Wahrnehmung würde.

Laut Advaita ist ausschließlich die Erscheinungswelt dual. Ein Selbst existiert demnach nur im Zusammenhang mit Erscheinung – als ihr Zeuge. Löst sich die Erscheinung auf, müsste sich auch der Zeuge auflösen. Die eigentliche Natur der Realität sei nicht-dual, jenseits von Unterschieden, Individualität und persönlicher Subjektivität. Mit Persönlichkeit ist hier nicht das Ego-Ich gemeint, sondern die innere, individuelle Erfahrungsqualität. Advaita beschreibt ein Prinzip reiner Existenz, das in sich nicht strukturiert ist und daher keine Eigenschaften besitzt.

Diese Lehre enthält einen wahren Kern. Es gibt tatsächlich das Prinzip der Existenz – den unpersönlichen Aspekt der Quelle –, der in der Erfahrung von Leere, Weite oder Stillheit berührt werden kann. Viele Menschen bezeichnen diese Erfahrung als „Erleuchtung“. In Wirklichkeit ist sie eher eine Öffnung – eine Tür, die sich zeigt und zum Eintreten einlädt.

Problematisch wird es dort, wo dieser Aspekt der Realität zur gesamten Realität erklärt wird. Denn bereits die Behauptung, es gäbe keine Dualität, setzt Dualität voraus. Absolute Wahrheit wird benutzt, um relative Wahrheit zu negieren oder zu entwerten. Genau hier beginnt spirituelle Selbstverleugnung.

Es gibt zudem keine einheitliche Lehre der Nicht-Dualität. Die Konzepte variieren stark – von radikalen Positionen bis hin zu moderateren Auslegungen. Der Buddhismus kennt beispielsweise das Modell der zwei Wahrheiten: eine relative, alltagsbezogene Wahrheit und eine höhere Wahrheit, die als Leerheit oder Nicht-Selbst beschrieben wird. Auch im Advaita existieren unterschiedliche Ansätze, etwa jene, die Ishvara – den persönlichen Gott – als Aspekt des einen Selbst (Brahman) integrieren. Historisch ist Advaita zudem stark durch den Austausch hinduistischer und buddhistischer Denktraditionen geprägt, die zur Zeit ihrer Entstehung nicht nur spirituell, sondern auch politisch miteinander konkurrierten.

Was stimmt also nicht mit der nicht-dualen Philosophie?

An der Oberfläche wirkt sie bestechend – insbesondere auf Menschen, die glauben, sich nicht wirklich mit ihrer Psyche beschäftigen zu müssen, oder Spiritualität mit Psychotherapie verwechseln. Alle Formen vorzeitiger Transzendenz – das Ausweichen ins Unpersönliche, um sich nicht mit innerer Dynamik, emotionalen Verletzungen, biografischen Themen oder der eigenen Berufung auseinanderzusetzen – führen zu innerer Verleugnung. Und diese kann massive Schatten hervorbringen. Spirituelles Bypassing beruft sich häufig auf eine rationale Begründung: Absolute Wahrheit wird genutzt, um relative Wahrheit zu entwerten.

Wir müssen uns auch der Tatsache stellen, dass sich die Menschheit in vielen Bereichen seit den Zeiten der Upanishaden und Buddhas enorm weiterentwickelt hat – die „Wissenschaft der Erleuchtung“ jedoch kaum. Noch immer basiert ein Großteil spiritueller Lehren auf der Wiederholung jahrtausendealter Konzepte. Was weitgehend fehlt, ist ein notwendiges Update: die Einsicht, dass östliche Weisheitslehren nicht automatisch für ein westliches, modernes Leben geeignet sind, da sie von völlig anderen kulturellen, psychologischen und sozialen Voraussetzungen ausgehen.

Spirituelle Lehrer:innen erinnern uns oft daran, liebevoll und mitfühlend zu sein oder Aggression und Selbstbezogenheit aufzugeben. Doch wie soll das gelingen, wenn unsere Verhaltensmuster aus komplexen psychischen Dynamiken entstehen, die wir nie wirklich gesehen oder durchgearbeitet haben? Menschen müssen ihre Wut fühlen, anerkennen und integrieren, bevor echtes Mitgefühl möglich wird. Das ist relative Wahrheit.

Eine absolute Wahrheit ist es, dass in unserem Universum alles in Polaritäten erscheint. Es kann keinen reinen, nicht-dualen Zustand geben, den jemand erlebt – denn dieser Jemand ist bereits Ausdruck von Dualität. Advaita ist letztlich eine stark vereinfachte, intellektuelle Annäherung an die Natur der Realität. Der menschliche Verstand der damaligen Zeit reichte nicht aus, um diese Komplexität zu erfassen. Also wurde vereinfacht – und ein Erleuchtungsmodell geschaffen, das primär auf der Erfahrung von Leere basiert.

Es gab immer Spannungen zwischen buddhistischen Vorstellungen von Nicht-Selbst und hinduistischen Konzepten eines essenziellen Atman. Sri Aurobindo etwa beschrieb, dass er Nirvana erlangt habe – und dennoch darüber hinausgehende Bewusstseinszustände erfuhr: den Zugang zum Supermind, einem höheren Selbst, das in die materielle Welt gebracht werden soll, um nicht nur das Individuum, sondern letztlich die gesamte Menschheit zu transformieren.

Wir hören oft von einem globalen Erwachen oder einem neuen spirituellen Zeitalter. Doch wer erwacht – und wozu? Viele Menschen sind sich ihrer wahren Natur heute ebenso unbewusst wie zuvor. Die Globalisierung des spirituellen Marktplatzes darf nicht mit kollektivem Erwachen verwechselt werden. Spiritualität wird oberflächlicher, während jene, die einfache und oft absurde Erleuchtungsversprechen verkaufen, immer erfolgreicher werden.

Ein Leben ohne bewusste Seelenverbindung ist in unserer Kultur völlig normal. Millionen Menschen leben so – auch hochangepasste, erfolgreiche, einflussreiche Individuen und Systeme. Gleichzeitig existiert ein tiefer spiritueller Hunger. Viele Suchende wandern durch ein endloses Spirit-Buffet, probieren hier und dort – und geraten früher oder später in den Sog der Nicht-Dualitäts-Narrative. Anfangs klingt vieles davon beeindruckend.

Auch ich habe mich lange in diesen Feldern bewegt – von Gangaji über tibetischen Buddhismus bis hin zu John de Ruiter. Ich erlebte tiefe Stille, berührende Zustände. Und doch wurde das Gefühl stärker, mich im Kreis zu drehen. Ich wurde innerlich immer „weniger“, nicht mehr. Es war eine subtile Form von Seelenverlust. Erst als ich das mentale Schwingungsfeld der nicht-dualen Szene verließ, begann meine Seele wieder vollständig zu inkarnieren. Die Begegnung mit Sri Aurobindo und der Mutter markierte einen Wendepunkt: die Erkenntnis, dass moderne Spiritualität eine Abwärtsbewegung braucht – die vollständige Verkörperung der Seele im Menschsein.

Unsere Realität erfordert Gleichgewicht. Existenz ist ein Spiel der Polaritäten. Die Frage ist nicht, ob Nicht-Dualität existiert, sondern welchen Platz sie einnimmt. Ein nicht-duales Paradigma kann erwachende Erfahrungen einengen, wenn es als alleinige Wahrheit verwendet wird. Viele Menschen interpretieren innere Zustände ausschließlich durch die Brille ihrer spirituellen Tradition – und verlieren dabei Orientierung.

Die Folge ist eine endlose Suche nach Erleuchtung, die oft in Erschöpfung, Resignation oder Desillusionierung endet. Manche kehren in fundamentalistische Systeme zurück, andere verfangen sich in Angst-Narrativen. All das sind Symptome derselben inneren Leerstelle.

Nicht-Dualität entstand als Antwort auf Trennung. Doch Dualität ist nicht der Fehler der Schöpfung. Sie ist ihr schöpferischer Motor. Nicht-Dualität ist das passive Prinzip des Seins – Dualität das aktive Prinzip des Werdens.

Es gibt keine Selbstverwirklichung ohne Dualität.
Erleuchtung hebt Dualität nicht auf – sie erhellt sie.

Die Seele will nicht verschwinden. Sie will inkarnieren. Sie will den Menschen ganz werden lassen, um Heilung, Bedeutung und Erfüllung zu ermöglichen. Wahre spirituelle Reife integriert die menschliche Verletzlichkeit ebenso wie die göttliche Dimension.

Zu lange war das Absolute König. Zu lange haben wir versucht, Emotionen zu überwinden, Wünsche zu negieren, Menschlichkeit zu transzendieren. Es ist Zeit, die Fesseln spiritueller Ideale abzustreifen, die unsere Lebendigkeit einschränken.

Lasst das Absolute nicht zu einem Gefängnis werden.
Wir sind größer, reicher, reifer.

Jetzt ist die Zeit, Verletzlichkeit zuzulassen, Trauer, Wildheit, Zärtlichkeit.
Jetzt ist die Zeit, Menschlichkeit und Göttlichkeit ineinander fließen zu lassen – wie Gezeiten, die kommen und gehen.


Einordnung aus heutiger Sicht (2026)

Dieser Text ist aus einer Phase entstanden, in der ich mich intensiv mit den Grenzen nicht-dualer Spiritualität auseinandergesetzt habe – intellektuell, spirituell und existenziell. Viele der Fragen, die hier gestellt werden, haben mich über Jahre begleitet und meinen weiteren Weg wesentlich geprägt.

Heute würde ich weniger argumentativ entfalten. Nicht, weil es falsch war – sondern weil sich mein eigener Zugang verändert hat. Was damals vor allem gedacht und begriffen werden wollte, ist heute stärker verkörpert und gelebt.

Was geblieben ist, ist die zentrale Einsicht:
Dass echte spirituelle Reife nicht im Verlassen des Menschseins liegt, sondern in seiner vollständigen Durchdringung.
Dass Dualität kein Fehler ist, sondern ein notwendiger Erfahrungsraum.
Und dass die Seele nicht verschwinden, sondern ankommen will – im Leben, im Körper, in Verantwortung und Beziehung.

Dieser Text bleibt hier als Zeugnis eines Weges.
Nicht als endgültige Antwort, sondern als eine notwendige Etappe.


© 10 /2018 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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Das Eiskind – Beziehung als Bühne einer verlorenen Seelenverbindung

Das Eiskind – Beziehung als Bühne einer verlorenen Seelenverbindung

Dieser Text stammt aus einer früheren Phase meiner Arbeit über verborgene Ebenen von Beziehung, innerem Kind und Seelenverbindung.
Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.


Dieser Artikel handelt von der schwer fassbaren Verstrickung zwischen dem Drama des Eiskindes, deiner Beziehung – oder dem Fehlen von Beziehung – und der verlorenen Anbindung beziehungsweise bewussten Verbindung zur Seele und damit zum Göttlichen, zur Geistigen Welt, wie manche sie nennen.

Über die letzten Monate hinweg beobachte ich, dass vermehrt Frauen – und auch einige Männer – in meiner Praxis auftauchen, die alle an einem sehr ähnlichen Schmerzpunkt angekommen sind. Vielleicht gehörst du ja auch dazu, liebe Leserin, lieber Leser.

Diese Menschen haben bereits sehr viel innere Arbeit geleistet und sind dennoch verzweifelt darüber, dass sie immer noch hamsterradartig an denselben Themen nagen – insbesondere rund um Partnerschaft und Inneres-Kind-Dynamiken.
Ich glaube, dass ich für all jene, denen es so geht, eine Perspektive teilen kann auf das, was möglicherweise fehlt: der sogenannte Missing Link.

Beziehung & Partnerschaft

Auf der Beziehungsebene tritt derzeit vermehrt das Drama des Inneren Kindes wieder in den Vordergrund – unabhängig davon, wie viel Arbeit bereits geleistet wurde. Diese Themen sind wie ein Eisberg: Zuerst ist nur die oberste Schicht sichtbar, mit der man zu arbeiten beginnt. Nach einiger Zeit bewegt man sich in die mittlere Schicht – dort verbringen die meisten sehr viel Zeit. Und dann gibt es das untere Drittel, die schwierigste Ebene.

Das Eiskind ist auf Ebene drei zu Hause.
Und es zeigt sich am häufigsten auf der Beziehungsbühne.

Hier stehen sich immer zwei Kinder gegenüber, die verzweifelt vom jeweiligen Partner Hilfe, Trost und Erlösung für ihren Schmerz erwarten. Und das kann nicht funktionieren. Dieses Kind sucht auch keinen Sex – es sucht Liebe. Mutter-/Vaterliebe.

Da Liebe in unserer Gesellschaft größtenteils über Partnerschaft organisiert ist, wird Beziehung zwangsläufig zum Schlachtfeld dieser Kinder.

Alle unsere Beziehungen leiden an einer scheinbar unheilbaren Krankheit. Sie heißt: ein extrem bedürftiges Inneres Kind.
Dieses Kind hat inzwischen suchtartige Züge entwickelt und kommt aus dem Suchmodus nicht mehr heraus. Es klopft immer wieder an dieselbe Tür – bis du vor lauter innerem Schmerz nicht mehr weißt, was du noch tun sollst.

Um in der Partnerschaft Frieden zu finden, muss das Eiskind „nach Hause gebracht“ werden.
Um eine bewusste Seelenverbindung herstellen zu können, muss das Eiskind zumindest teilweise auftauen und im Jetzt ankommen. Denn es ist dieses Eiskind, das die Verbindung zur „anderen Seite“ hält – oder unterbricht.

Generationenprägung

Alle Menschen, die vor 1990 geboren wurden, tragen ein Eiskind in sich – außer sie waren sehr gut gebundene Kinder, wie es die Psychotherapie nennt. Das bedeutet: Die Mutter – manchmal auch der Vater – konnte das Kind wirklich im Herzen ankommen lassen.

Das war vor 1990 äußerst selten.
Nicht als Schuldzuweisung an unsere Eltern, sondern als schlichte Tatsache: Sie hatten selbst keine Erfahrung damit. In den Kriegs- und Nachkriegsgenerationen ist das Eiskind oft noch stärker ausgeprägt.

Menschen, die nach 1990 geboren wurden und bereits etwas bewusstere Mütter hatten, sind meist weniger tief in diese Wunde verstrickt. Ihre Beziehungen verlaufen oft anders.
Wir, die vor 1990 Geborenen, haben hier noch viel Arbeit zu leisten.

In meinem bisherigen Leben ist mir nur ein einziger Mensch begegnet, der auf dieser Ebene halbwegs gesund war – meine Fühlbegleiterin. Ein sehr gewolltes Kind mit einer tiefen Anbindung an ihre Mutter. Das bedeutet nicht, dass sie keine Prozesse hatte – im Gegenteil. Aber sie trug diesen einen unverletzten Raum in ihrem Herzen, aus dem heraus sie das andere Herz fühlen konnte, ohne sich selbst zu verlieren.

Mit ihrer Hilfe konnte ich diesen Raum auch in mir wiederfinden – oder besser gesagt: zuerst finden, dann heilen und schließlich auch für andere öffnen.
Mein Eiskind konnte enteisen, sich integrieren und Schritt für Schritt im Jetzt ankommen.

Warnung

Alleine in die dritte Schicht abzutauchen, um das Eiskind zu erreichen, ist absolut nicht ratsam!

Auch ich gehe damit zu meiner Fühlbegleiterin und mache diese Arbeit nicht alleine.
Egal ob Therapeut:in, Heilpraktikeri:n, Schamanin, spirituelle Lehrer:in oder Begleiter:in – die Person muss ihr eigenes Eiskind an einen guten inneren Ort gebracht haben.

Sie muss fühlen können, was du fühlst, während du es fühlst.
Sonst passiert nichts.

Das Feld muss gehalten werden können.
Und das geht nur über Resonanz.

Das Eiskind erkennt sofort, ob das Gegenüber diese Ebene in sich integriert hat. Wenn nicht, wird es sich weigern, noch einmal hervorzukommen. Es verweigert den Schmerz des erneuten Nicht-gefühlt-Werdens. Jede ungelöste Runde drückt es tiefer in die Versenkung.

Das heilende Herz

Ich muss als Begleiterin fähig sein, mein Herz so weit zu öffnen, dass ich beim Kontakt mit der Ebene des Eiskindes nicht selbst in meinem ungeheilten Schmerz abstürze. Nur dann kann ich dein Eiskind in mein geheiltes Herz nehmen, damit es dort zu tauen beginnt.

Das ist ein zutiefst magischer Moment.

Das Eiskind braucht keine abstrakte, bedingungslose Liebe.
Es braucht konkrete, menschliche, persönliche Herzenswärme – also eine bedingte Liebe.

Männliche Lehrer und Heiler können diese Ebene derzeit kaum erreichen. Das ist keine Abwertung, sondern eine Beobachtung. Das Eiskind braucht weibliche Herzenswärme, die im Patriarchat über Jahrtausende verloren gegangen ist.

Dieses Kind will von einer Frau gefühlt und willkommen geheißen werden.
So einfach – und so schwierig – ist es.

Göttliche Mutter & Seelenebene

Bei dieser Arbeit begleiten mich oft Emanationen der Göttlichen Mutter, in unterschiedlichen Erscheinungsformen – je nach Person. Manchmal ist es Maria, manchmal eine andere weibliche Gottheit. In diesem Zusammenspiel aus göttlicher Mutterenergie und offenem Herzensraum kann das Eiskind heilen, auftauen, ankommen, den Schock lösen und schließlich zu seiner eigentlichen Besitzerin zurückkehren.

Ich behalte keine Kinder bei mir.

Dieses neue weibliche Heilfeld zeigt sich seit einiger Zeit immer deutlicher. Es ist ein Geschenk der Großen Mutter. Lange habe ich um Hilfe gebeten, weil es zuvor extrem mühsam und langwierig war, das Eiskind an einen guten Platz zu bringen. Jetzt ist Unterstützung da.

Seelenverbindung

Für eine echte Seelenverbindung muss das Eiskind einbezogen werden.
Es ist das Kind, das die Verbindung nach „oben“ hält – oder blockiert.

Solange es die Tür geschlossen hält, kann die Geistige Welt schreien, so viel sie will – du wirst sie nicht hören. Ja, es gibt Ausnahmen. Ich bin eine davon. Aber Ausnahmen sind nicht die Regel. Und selbst ich musste sehr viel Arbeit investieren, um die alte Verbindung wiederherzustellen.

Ich sehe bei vielen Menschen gespeichertes, gebunkertes Licht, das nicht mehr fließen kann – ausgelöst durch frühe Schocks. Energetisch verhungert das System. Das Gefühl, verlassen worden zu sein, ist das Kind in dir. Der „Horror des Seins“, wie Barron ihn nennt, schließt die Tür zur Seele.

Die spirituelle Entourage steht oft ganz nah – und kann den Menschen dennoch nicht erreichen.


Einordnung heute

Dieser Text entstand in einer Phase, in der meine Arbeit stark von energetisch-spirituellen Bildern, Resonanzfeldern und archetypischen Ebenen geprägt war. Viele der Beobachtungen sind bis heute gültig – insbesondere die Erfahrung, dass tiefe Beziehungsthemen nicht allein über mentale Einsicht oder klassische Innere-Kind-Arbeit gelöst werden können.

Was sich seither verändert hat, ist meine Sprache, meine Präzision und meine Verantwortung im Halten von Räumen.
Ich arbeite heute mehr mit innerer Architektur, mit Bindungsdynamiken, Nervensystemen, verkörperter Klarheit und der Fähigkeit, zwischen alten Schutzstrukturen und gegenwärtiger Autorität zu unterscheiden.

Das „Eiskind“, von dem hier die Rede ist, würde ich heute anders benennen – doch die Erfahrung dahinter bleibt dieselbe:
Es gibt frühe Erstarrungen, die nicht durch Technik, Willen oder spirituelles Streben gelöst werden können, sondern nur durch reife Präsenz, Resonanz und sichere Beziehung.

Ich lasse diesen Text bewusst stehen.
Nicht als Anleitung.
Sondern als Zeugnis eines Weges – und als Erinnerung daran, wie tief manche Fragen reichen.


© 02 2018 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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