Ein früher Text über spirituellen Hunger und Sinnsuche. Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.
Ja, du hast eine Seele. Und der Sinn deines Lebens ist es, dir ihrer bewusst zu werden und eine echte Verbindung mit ihr zu leben.
Der Begriff Seele wird heute inflationär verwendet und hat dadurch viel von seiner Tiefe verloren. Er taucht in religiösen Kontexten ebenso auf wie in spirituellen Marketingkonzepten oder im Mythos der Dualseelen. Gleichzeitig wird endlos darüber diskutiert, ob wir überhaupt eine Seele haben, wo sie sich befindet und ob sie unsterblich ist. All das schafft eher Verwirrung als Klarheit.
Oft wird angenommen, Seele sei gleichbedeutend mit Psyche – dem griechischen Wort für Seele. Doch Psyche und Seele sind nicht dasselbe.
Psyche und Seele
Das persönliche Selbst ist durch Ich-Bewusstsein gekennzeichnet. Es entsteht durch das Zusammenspiel von Denken, Fühlen und Vitalität im physischen Körper. Wenn sich diese drei Aspekte verbinden, bildet sich die menschliche Psyche – das, was die Psychologie als Ego bezeichnet.
Die Psyche ist ein nicht-materielles Organ, das im Körper verankert ist und in enger Wechselwirkung mit ihm steht. Sie ist Ausdruck von Eigenbewusstsein und zeigt sich durch Intellekt und emotionale Eigenliebe. Gleichzeitig ist sie Ursprung vieler emotionaler und körperlicher Probleme, weil sie uns dazu bringt, uns ausschließlich mit unserer körperlichen und gefühlsmäßigen Wahrnehmung zu identifizieren.
Ohne die Seele könnte sich die Psyche nicht entwickeln. Die Seele ist der Grund, warum wir hier sind.
Seelenverlust
Der zunehmende spirituelle Hunger unserer Zeit und die endlose Suche nach Sinn stehen in engem Zusammenhang mit einem weitverbreiteten Verlust der Seelenverbindung. Seelenverlust ist keine bloße Metapher und nicht nur ein schamanisches oder psychologisches Konzept. Er entsteht nicht ausschließlich durch Trauma, Missbrauch, Unfälle oder extreme Lebensereignisse.
Manchmal genügt schlichte Missachtung.
Wenn Menschen über lange Zeiträume hinweg ausschließlich auf Funktionieren ausgerichtet sind und die leisen Impulse ihrer Seele ignorieren, beginnt sich etwas zurückzuziehen. Das Leben wird routiniert, bedeutungslos oder leer – auch wenn äußere Strategien weiter funktionieren. Erfolg, Geld, Beziehungen, Unterhaltung oder Ablenkung füllen die Leere nur scheinbar.
Was fehlt, ist die bewusste Verbindung zur eigenen Seele. So wird das ungelebte Leben zu einem stillen Hintergrundschmerz.
Die Kernwunde
Für mich bedeutet Seelenverlust vor allem die Trennung vom eigenen göttlichen Wesen – von Seele, Höherem Selbst und Monade. Die meisten Menschen haben keinen bewussten Kontakt zu ihrer Seele. Stattdessen bleibt ein diffuses Sehnen, das oft romantisiert wird – als Suche nach der Dualseele oder dem Seelenpartner.
Eine der tiefsten Kernwunden vieler Menschen ist, niemals wirklich gesehen worden zu sein. Wenn das einzigartige Wesen, das wir sind, nicht wahrgenommen wird, beginnt sich die Seele zurückzuziehen. Das Menschsein leidet im Schatten dieses Getrenntseins – bewusst oder unbewusst.
Manche spirituellen Lehren sagen, die Seele könne nicht verwundet werden. Das ist wahr – und zugleich nicht. Über viele Inkarnationen hinweg kann sie verletzt, fragmentiert oder abgespalten werden, meist als Schutzreaktion auf unerträgliche Erfahrungen.
Jetzt beginnt für viele die Phase der Integration: die bewusste Verbindung zwischen Persönlichkeit (Psyche) und Seele.
Was Persönlichkeit braucht – und was die Seele braucht
Das gesunde Ich benötigt Sicherheit, Anerkennung, Schutz und irdische Erfüllung, um seine Aufgaben zu meistern.
Die Seele hingegen kennt den größeren Zusammenhang. Sie trägt die Erinnerung an alle Inkarnationen, an Talente, Aufgaben und den inneren Plan dieses Lebens. Sie ist der Ort unserer tiefsten Absichten, unserer Bedeutung und unseres Sinns.
Hier entstehen die Antworten auf Fragen wie:
Warum bin ich hier?
Was ist meine Aufgabe?
Was ist meine Berufung?
Was will durch mich in die Welt?
Die drei Bewusstseinsebenen
1. Persönlichkeitsbewusstsein Der Mensch identifiziert sich mit der Form und beginnt, schöpferisch in der äußeren Welt zu wirken.
2. Seelenbewusstsein Der Mensch erkennt die seelischen Qualitäten hinter der Form und beginnt, sich mit der Seele als wahrem Selbst zu identifizieren.
3. Geistiges Bewusstsein Der Mensch erkennt den göttlichen Willen und den größeren Plan, den die Seele durch die Persönlichkeit zum Ausdruck bringt.
Ich bin die Seele
Diese Affirmation stärkt die Identifikation mit der Seele als wahrem Selbst. Sie ist zunächst ein Akt des Vertrauens – und wird mit der Zeit zu erfahrener Realität.
Indem wir uns bewusst als Seele wahrnehmen, beginnen unsere Handlungen, Gedanken und Beziehungen aus dieser Ebene heraus gelenkt zu werden. So entsteht allmählich eine Brücke zwischen Persönlichkeit und Seelenbewusstsein.
Ich bin Liebe –
Ich bin geistiger Wille –
Ich habe einen Lebensplan
Diese Aussagen vertiefen die Verbindung zu den drei Aspekten der Seele:
Wille
Liebe-Weisheit
Intelligenz
Mit zunehmender Bewusstheit beginnt sich unser Leben stimmig auszurichten. Auch schwierige Situationen verlieren ihren Sinnverlust – sie werden Teil eines größeren inneren Zusammenhangs.
Der Weg
Der Mensch ist ein Wesen in Entwicklung. Das Bewusstsein erweitert sich über viele Leben hinweg. Je bewusster wir werden, desto klarer erkennen wir, dass unsere Inkarnationen Teil eines viel größeren schöpferischen Geschehens sind.
Die bewusste Verbindung mit der Seele ist kein Rückzug aus dem Leben – sondern seine eigentliche Verkörperung.
Dieser Text stammt aus einer früheren Phase meiner Arbeit, in der die bewusste Verbindung zur Seele und zu höheren Bewusstseinsebenen im Mittelpunkt stand.
Heute arbeite ich nicht mehr mit spirituellen Modellen oder Bewusstseinsstufen, sondern mit der konkreten inneren Architektur, aus der Menschen führen, entscheiden und präsent sind.
Was geblieben ist, ist die Erfahrung, dass Sinn nicht durch Konzepte entsteht, sondern durch gelebte innere Anbindung.
Diese Anbindung zeigt sich heute weniger als spirituelle Suche – sondern als innere Führung, Klarheit und Zugehörigkeit im gelebten Leben.
Ein früherer Text über Persönlichkeit, Seele, Einweihung und Verantwortung. Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.
Es gibt nicht mehr viel, was mich so leicht aus meiner inneren Ruhe bringen kann, aber Angebote wie das folgende können das noch. In meiner eigenen Praxis erlebe ich ja ständig, dass viele Menschen auf dem Weg glauben, sie müssten diesen Ideen folgen – manchmal mit fatalen Folgen. Einfach, weil sie es nicht besser wissen und oft in der Hoffnung, etwas/jemand wird jetzt schnell und effektiv alle ihre Probleme beseitigen. Und Egotod klingt irgendwie schräg genug … für die Abenteurer, und die Ewigsuchenden vertrauen sich gerne jedem an, der die richtige Locksprache verwendet.
„Ich arbeite mit Einzelpersonen, die auf ihrem Weg zur Ichlosigkeit, zum Erwachen begleitet werden möchten. Der Prozess des Erwachens ist mitunter sehr verwirrend und schmerzhaft – er bedeutet den Tod des Egos. Ich biete Unterstützung dabei, dass Du Dich unterwegs nicht verläufst und möglichst bald Dein Ziel erreichst. Der Prozess des Erwachens ist mitunter sehr verwirrend und schmerzhaft und führt sehr oft zu starken Widerständen und krisenhaften Zuständen, die von der Außenwelt und mitunter auch vom Individuum selbst als psychische Störung oder Lebenskrise interpretiert werden. “ Zitat Ende;
Eine Psychologin, Yoga & Tanztherapeutin mit buddhistischem Hintergrund
Ich bin mir auch sehr bewusst darüber, dass meine Irritation mit dem leidigen Thema keineswegs daran viel verändern wird. Aber wenn es nur ein paar Personen hilft, durch diesen Artikel etwas mehr Klarheit darüber zu bekommen, dann hat es sich schon gelohnt. Ständiges Schweigen hilft halt auch nicht immer.
Der Tod des Egos, Weg zur Ichlosigkeit
Es ist schwer nachvollziehbar, dass diese Vorstellung bis heute so hartnäckig propagiert wird. Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist zu verstehen, dass das erstens gar nicht geht und zweitens völliger Unsinn ist. Warum also immer noch diese alte Leier herunterbeten? Die Egopersönlichkeit kann nicht zerstört werden, sie kann nur kennengelernt, integriert und mitgenommen werden auf dem Weg der persönlichen Entwicklung – dem Pfad der Bewusstseinsarbeit.
Warum um Himmels willen soll jemand Ichlos werden wollen? Auf dieser Erde und in dieser Zeit? Wie sollte denn dann das normale Leben gemeistert werden? Nur weil das mal vor langer Zeit gesagt wurde?
Keiner der „Anbieter von Ichlosigkeit“ hat diesen Zustand selbst erreicht. Dennoch halten viele verkrampft an der Idee fest – vermutlich, weil sie nicht wissen, wie sie sich aus diesem Denkrahmen wieder lösen können. Manchmal erfordert Entwicklung schlicht, einen Irrtum einzugestehen und weiterzugehen. Kein Drama. Bleibt diese Einsicht jedoch aus, verharrt man in einem Konzept, das längst nicht mehr trägt.
Persönlichkeit, sprich Ego und die Seele
Die Struktur für unser geistiges Selbst hat oft unterschiedliche Namen, und es gibt verwirrend viele Modelle. Wörter werden oft unterschiedlich angewendet bzw. ausgelegt – und deshalb ist es so leicht, Menschen zu verwirren und zu täuschen, da sich kaum jemand die Zeit nimmt herauszufinden, was denn mit den einzelnen Worten und Konzepten wirklich gemeint ist.
Ich verwende das Modell: Mensch (Persönlichkeit), Seele, Höheres Selbst und darüber die Monade.
Im Laufe der Inkarnationen gibt es das Leben und den Moment, wo die Persönlichkeit genügend gereift ist, dass sie beginnt, sich mit der Seele zu verbinden. Letztendlich führt das zu einer harmonischen Verschmelzung mit der Seele – wenn alles gut geht – und dieser Prozess kann unter Umständen viele Leben dauern.
Diesen Verschmelzungsprozess hat man irrtümlich als „Egotod“ bezeichnet. Tatsächlich stirbt das Ego nicht – es wandelt sich. Es wird bewusster, integrierter, tragfähiger. Dieser Prozess ist langsam und kann nicht beschleunigt werden. Die menschliche Psyche ist dafür im normalen Leben schlicht nicht ausgelegt. Wer lebt schon dauerhaft im Ashram oder Kloster?
Und selbst in solchen Gemeinschaften wird eine wirkliche Seelenverschmelzung nur selten erreicht. Häufig werden emotionale Themen eher unterdrückt oder ausgehungert, während Regungen und Bedürfnisse des physischen Körpers in den Astral- bzw. Emotionalkörper verschoben und dort gebunden bleiben. Viel Zeit wird im Mentalraum oder in Zuständen des „Nicht-Seins“ verbracht – aus dieser Perspektive entstehen dann die Vorstellungen von „Egolosigkeit“.
Ist ja nicht, dass ich das nicht auch schon so versucht habe – aber, auch ich musste wieder „runter vom Dach“ und ordentliche Zwischenetagen bauen. D. h. alle feinstofflichen Körper müssen auf dieser Reise ins höhere Bewusstsein (früher auch Erleuchtung genannt) mitgenommen werden. Alle Ereignisse (Dramen, Traumen, Schmerzen) dieses Lebens und auch anderer Leben sind im EMOTIONAL- ASTRALKÖRPER gespeichert. Der Mentalkörper hat dafür keine gesunden, nachhaltigen Lösungen, denn er ist auf einer ganz anderen Frequenzebene. Er hat nur Bypassing (also eine Umgehung) im Repertoire.
Und, Mentalkörper Erleuchtung ist eben nur die halbe Miete. Ohne einem geheilten, geklärten und updated Emotional- Astral Körper gibt es keinen vollständigen Zugang zum Buddhi Körper, sprich zum Höheren Selbst. Die Schwingungsfrequenz wäre zu niedrig. Das Ziel jedes ernsthaften „Jüngers auf dem Pfad“ ist es allerdings, die Buddhi-Ebene zu erreichen – nur weiß keiner mehr davon … außer den (übrig gebliebenen) Schülern der Ageless Wisdom Teachings von DK/Alice Bailey.
Ich denke, ihr wisst alle, wie schwer es letztendlich ist, nur kleine Dinge in sich permanent zu verändern; es geht selten von heute auf morgen. Die gesamte Struktur des Emotionalkörpers inklusive der Inneren Personen, die ja die Persönlichkeit (Ego) ausmachen, schnell zu verändern bzw. gänzlich aufzulösen ist doch totaler Schwachsinn. Eine kohärente Verbindung aller Inneren Anteile mit einem Bewussten Ich (Seele) dauert schon eine gefühlte Ewigkeit, wenn man weiß, was man tut. Es ist unglaublich viel innere Arbeit damit verbunden; bei vielen Menschen ist auch Therapie notwendig, um die Wunden und Traumen der einzelnen Teile in sich heilen zu können!
Also, „möglichst bald dein Ziel zu erreichen …“ das kann nur jemand ohne eigene gültige Seelenanbindung „anbieten“, ansonsten weiß man, wie unverantwortlich und letztendlich unethisch das ist.
“Euer Ego ist als Sensor für euer äußeres Leben gedacht. Ihr könnt es weder loswerden noch sublimieren. Falls ihr das versucht, wird das alte Gesetz des Universums “Wenn man sich etwas widersetzt, bleibt es bestehen” das Ego in eine immer noch stärkere Position bringen.
Euer Ego ist ein überaus wertvoller Aspekt von euch. Es muss nur ins Gleichgewicht gebracht werden.”
Zitat aus: “P`TAAH Das Geschenk” von Jani King
Was passiert also zwischen der Seele und der Persönlichkeit?
Während intensiver Persönlichkeitsarbeit (dem Erwachen) bekommt die Seele von uns ein Signal, dass wir „aufwachen“ und erst dann fängt sie an, sich für den physischen Menschen (sich selbst in Inkarnation) zu interessieren. Für die normale Seele und dem Menschen beginnt erst jetzt die Phase der Annäherung und einer eventuellen Seelenverbindung, was letztendlich zu einem seelendurchfluteten Menschen führt und einen großen Einweihungsschritt darstellt. Die einzige Ausnahme davon ist eine sehr fortgeschrittene Seele. Die ist oftmals gleich von Geburt an sehr präsent und sorgt dafür, dass die Persönlichkeit nicht zu weit vom Weg abkommt (was natürlich auch passieren kann), denn sie hat kein Interesse daran, neues Karma zu kreieren.
Also, eine bewusste Seelenverbindung mit der Persönlichkeit herzustellen ist knallharte Arbeit und führt keineswegs zu einem Egotod oder Ichlosigkeit, sondern zu mehr (innerer) Führung der Seele über die Persönlichkeit!
Nachdem die Phase der Seelenverschmelzung mit der Persönlichkeit abgeschlossen ist, fängt die Seele den Prozess an, sich mit dem Höheren Selbst zu verbinden. Das ist die Phase, wo der Kausalkörper anfängt, sich (LANGSAM) aufzulösen und alles, was dort gespeichert ist, geht ins höhere Bewusstsein über. So beginnt sich die SEELE langsam „aufzulösen“ indem sie wieder ins Höhere Selbst (HS) „absorbiert / zurückgebracht“ wird.
Das könnte man als „Egotod“ bezeichnen, vor allem, wenn man bedenkt, dass in manchen (alten) Lehren das Wort Ego für die Seele steht. Das wird auch als die Phase des „Horrors des Nicht-Seins“ beschrieben und ich denke, diesen Zustand haben die buddhistischen Meister gemeint, als sie vom Egotod sprachen, sie hatten halt nur keine besseren (und modernere) Erklärungsmodelle für westliche Schüler.
Viel später dann beginnt das HS sich wiederum mit ihrer Monade zu verschmelzen. D.h. die Monade kann auf der Ebene des HS beliebig Veränderungen durchführen und Inhalte auslesen und sobald das menschliche Bewusstsein alle Ebenen des HS durchschritten hat und die monadische Ebene erreicht und sich damit verbindet, zieht die Monade das HS in sich zurück. Sie könnte das HS aber jederzeit auch wieder aus ihrem Memory-Komplex („Gedächtnis“) manifestieren . . . ja, sie könnte nach dem Erfahren der Ebene der Persönlichkeit sogar alle Ebenen bis hinunter in die physisch-ätherische neu manifestieren, da sie am Entwicklungsweg die Kontrolle über alle Ebenen bis ganz nach unten erlernt hat. Der Kausalkörper ist da die wesentliche Zwischenstruktur, die nur bis zum Erreichen des Höheren Selbst von der Persönlichkeit aus (das der Manifestation der Monade entspricht) nötig ist und danach wie Stützräder vom Fahrrad abmontiert wird.
Bei diesen Verschmelzungsprozessen geht allerdings nichts verloren, es fühlt sich aber immer wieder so an, deshalb wird von Tod oder Auflösung gesprochen. In diesen Prozessen wird das gesamte Wissen, das die Seele bzw. das HS über lange Zeit angesammelt hat, in die nächsthöhere Ebene „transferiert“ und so wird das ganze Wissen, das ganze Erlebte, dem ganzen Wesen auf der neuen Ebene zur Verfügung gestellt. Und das ist das „Opfer“, das immer wieder geleistet wird; man „stirbt“ durch die einzelnen Phasen und findet sich neu auf der nächsten Ebenen wieder; das ist es, von dem immer wieder berichtet wird.
Aber die meisten Menschen gegenwärtig auf Erden sind so weit vom Stadium eines Egotods entfernt wie die Erde von Jupiter. Meines Wissens gibt es nur ungefähr 10.000 Menschen derzeit auf Erden, die sich bewusst in den Buddhi-Körper (Höhere Selbst Ebene) bewegen – und das ist schon eine Guru+ Ebene.
Eine kurze Zusammenfassung der verschiedenen Stufen des Erwachens oder auch Einweihung genannt
Das Wort „Einweihung“ ist ja sehr unpopulär geworden, aber ich habe noch keinen besseren Ersatz dafür gefunden, ohne alles bis ins Unkenntliche zu verzerren. Inzwischen bin ich der Meinung, dass Menschen auf dem Weg bestimmte „Worte“ zugemutet werden können (wie Esoterik und Einweihung) und dass sie in der Lage sind, klar zu unterscheiden, wann wer wovon spricht.
Ich verwende als Erklärungsmodell für die einzelnen Einweihungsebenen das Ageless Wisdom Teaching von DK/Alice A. Bailey, um bestimmte größere Meilensteine in der Bewusstseinsentwicklung eines Menschen verständlicher zu erklären.
Erste Einweihung – das sogenannte Erwachen
Zur Zeit bewegen sich Millionen von Menschen in Richtung 1te Einweihung. In dieser wichtigen Phase geht es um die erstmalige BEWUSSTE Verbindung des physischen Körpers mit der Seele. Das bedeutet, dass die Seele sich jetzt immer aktiver darum bemüht, den Annäherungsprozess der Persönlichkeit zu unterstützen. In der westlichen Welt, wo immer mehr Menschen ein gesünderes, sportlicheres Leben anstreben und damit beginnen, ihren Körper bewusst zu führen (statt allen körperlichen Vorlieben unbewusst nachzugeben und somit der Körper die Führung wieder übernimmt), zeigt sich das ganz deutlich.
Man „wacht auf“, kümmert sich mehr um die Umwelt, überlegt genauer was dem Körper zugeführt wird, man wird wesentlich sensibler auf Umwelteinflüsse usw. Der Mensch schaut auf seinen Körper und lernt ihn zu feiern, zu genießen und als göttlich zu betrachten. Das wachsende Bewusstsein darüber, dass der Körper der physische Tempel ist, der die Seele beherbergt, hilft dabei, das Leben (wieder) etwas mehr als sinnliche Freude zu erfahren. Der Mensch wird zum ersten mal wirklich BEWUSST darüber, dass er mehr als nur ein Körper ist und (eventuell) eine Seele hat. Er beginnt sich „mit oben“ zu verbinden bzw. versucht herauszufinden, wie das am besten bewerkstelligt werden kann. Schließlich gipfelt diese Bemühung in der ersten Einweihung.
Diese Einweihung nimmt die eigene Seele an der Persönlichkeit vor und hat nichts mit einer physischen Zeremonie zu tun – die Zeremonie findet auf der Ebene des Kausalkörpers der Seele statt und kann im Gehirnbewusstsein der Persönlichkeit registriert werden. Die Seele ist ab diesem Zeitpunkt zum ersten Mal bewusst mit der Persönlichkeit verbunden. Dieses Ereignis hat permanenten Charakter und die Verbindung bleibt für alle folgenden Inkarnationen bestehen.
Der große Schritt zur 1ten Einweihung geschieht in der modernen Zeit als Gruppe, denn ein bestimmtes Gruppen- oder Gemeinschaftsbewusstsein muss dafür bereits existieren, um als Gruppe das zu schaffen – was es jetzt tut.
Zweite Einweihung bzw. die nächste Stufe des Erwachens
Die 2te Einweihung betrifft jetzt in einem verhältnismäßig großen Ausmaß die gesamte Menschheit. Diese Einweihung betrifft jenen Aspekt der Persönlichkeit, der einem jeden die größten Schwierigkeiten bereitet: die Inhalte des Emotional- und Astralkörpers. Heute wird die Mehrheit der Menschen von Gefühlen und einer empfindsamen Erwiderung auf Umstände getrieben. Hier geht es um die Astralebene, mit ihrer Unbeständigkeit, ihren Stürmen, ihrer Ruhe, ihren überwältigenden emotionellen Reaktionen. Sie reagiert auf jede Anregung, jeden Wunsch und alle Begierden.
Wenn man sich der 2ten Einweihung nähert bzw. tief darin steckt, spürt man das recht schnell, denn viele alte (oft schon als erledigt abgehakt) Probleme emotionaler Natur tauchen erneut auf. Man beginnt, sich mit Emotionen, Beziehungen usw. auf einer wesentlich tieferen Ebene zu beschäftigen. Jetzt geht es um die emotionale Seelenanbindung und die Vertiefung des Erwachens. Das bedeutet, dass die Seele sich über das Herzchakra in den Solar Plexus bewegt und versucht, sich mit der kompletten Gefühlsnatur der Persönlichkeit zu vereinen. Das ist die Ebene des Emotionalkörpers mit allen Inneren Anteilen und der Astralebene. Das ist sicher die schwierigste aller Phasen auf dem Weg und wurde in der Vergangenheit auch von vielen „Jüngern auf dem Pfad“ versucht zu umgehen. Die gesamte christliche wie auch östliche Spiritualität hat das bis zum Exzess praktiziert.
Wie wichtig diese Phase für viele Millionen Menschen (und die gesamte Menschheit) ist, zeigt sich klar durch die absolute Explosion an Literatur, Workshops, Seminaren usw., die sich jetzt mit emotionalen Themen beschäftigen. „Aus dem Kopf in den Körper oder in die Emotionen“ ist das grundlegende Thema. Man beginnt sich sehr intensiv mit dem Inhalt des Solar Plexus auseinanderzusetzen. Gleichzeitig muss das Herzchakra weiter geöffnet und geheilt und mit der zunehmenden Seelenenergie vertraut gemacht werden. Viele Seelen, die bereits höhere Einweihungsstufen aus anderen Leben hinter sich haben, sind jetzt wieder inkarniert, um genau dieses fehlende Stück Bewusstsein „nachzuholen“, da es erst jetzt wirklich möglich geworden ist. In früheren Zeiten und Leben gab es dafür kaum Gruppenbewusstsein und auch keine geeigneten Lehrer. Einige meiner Klienten kommen aus dieser Gruppe.
Moderne buddhistische Lehrer fangen an zu erkennen, dass ein rein mentaler Weg und alte östliche Lehren nicht mehr ausreichend sind für westliche Schüler und Aspiranten und beginnen, sich den Herausforderungen und Bedürfnissen eines Menschen, der sich auf die 2. Einweihung vorbereitet, oder sich schon mitten darin befindet, mehr gerecht zu werden. Psychologen mit buddhistischem Hintergrund wie John Welwood und Robert Augustus Masters sind z. Zt. bahnbrechend, indem sie neue Wege aufzeigen, wie Buddhismus, Emotionalität, Spiritualität und normales Leben auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können, und so zu lebbarer Spiritualität werden.
Ab der 2ten Einweihung kann die Seele bewusst die Persönlichkeit nutzen und damit arbeiten und man ist „fix“ auf dem (spirituellen) Pfad/Weg angekommen.
Dritte Einweihung – Vertiefung des Erwachens
Ab der 3ten Einweihung wird der Kausalkörper, der jetzt Teil der inkarnierten Persönlichkeit geworden ist und sich jetzt „nach oben“ richtet, dauerhaft mit dem Höheren Selbst und der Monade verbunden. Ab diesem Zeitpunkt fließen 75% Buddhi-Substanz (Höhere Selbst Substanz) durch den Ätherkörper. Der Kausalkörper verliert ab diesem Zeitpunkt an Einfluss, da jetzt eine direktere Verbindung zwischen Persönlichkeit und Höherem Selbst besteht.
Die 3te Einweihung kann noch im selben Leben (wie die 2te) oder im darauffolgenden Stattfinden. Dabei handelt es sich meist um eine mühsame Zeit, in der die Persönlichkeit sich zunehmend mental von den Stufen der Persönlichkeit ausgehend, in die noch höheren Ebenen zwischen dem Kausalkörper und dem Höheren Selbst ausdehnt. Es geht jetzt darum, konkrete mentale Spannungen durch widersprüchliche Gedankenmodelle auszugleichen, zu integrieren und zu bereinigen. Das passiert, indem das höhere Denken zunehmend durch das Höhere Selbst über die Intuition „erleuchtet“ wird und die Persönlichkeit immer mehr zu einem passiven Empfänger der Gedanken der Seele wird. Sie ist jetzt aber auch Empfänger der seelischen Empfindungen über den Emotionalkörper und damit bereit, etwas leichter die Energien des Höheren Selbst zu empfangen. Die Seele, die sich jetzt mit der Persönlichkeit vereint hat, beginnt sich in diesem Prozess gemeinsam mit der integrierten Persönlichkeit dem Höheren Selbst zuzuwenden. Sobald ein bestimmter Punkt relativ stabil erreicht wird, kommt es zur dritten Einweihung. Das bedeutet, dass die seelenintegrierte Persönlichkeit durch das Feuer der Monade fest mit dem Höheren Selbst verbunden wird.
Der Mensch ist jetzt zum ersten Mal mit dem Höheren Selbst BEWUSST vereint. Es strömen jetzt ca. 75% der höheren Energien durch seinen physischen Körper. Die Seele hat damit ihre Führungsposition zum Teil schon an das Höhere Selbst abgegeben, welche ab diesem Zeitpunkt die Führung über die Seele bzw. die damit verbundene Persönlichkeit übernimmt. Die „Eingeweihte“ ist damit auf einem Level angelangt, wo ihr echte „Macht“ zum ersten Mal anvertraut wird, da sie unter fester Führung ihres göttlichen Selbst steht und damit diese Macht verantwortlicher handhaben kann. Nicht Macht im weltlichen Sinne. Bei Macht meine ich hier, dass dieser Mensch bewusster weiß war er/sie tut und kann andere auf ihrem Weg unterstützen bzw. begleiten. Macht, wo energetische Dinge schneller verändert werden können. Macht, andere mental und emotional leichter zu „lenken“. Macht, Energien in die Welt zu bringen, die viel verändern und bewirken können. Also ja, Macht, die mit SEHR viel Verantwortung kommt. Man geht durch eine längere „Testphase“ wo eben genau beobachtet wird, wie man mit der neu-erlangten Macht im täglichen Leben umgeht, wie sie angewendet wird, wo es noch Schwachpunkte gibt usw. Man lernt im Anwenden – im täglichen Leben. Und so kommen sukzessiv die nächsten „MachtEbenen“ dazu, wenn das HS darauf vertraut, dass die Persönlichkeit damit umgehen kann.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die ersten drei Einweihungen darin bestehen, die Persönlichkeit mit ihrer Seele sukzessive zu verbinden:
In der ersten Stufe wird der bereits beherrschte physische Körper sowie das Herzzentrum mit dem Kausalkörper verbunden, wobei die Seele noch lernen muss, mit den Emotionen der Persönlichkeit richtig umzugehen. Bis zur nächsten Stufe können noch viele Leben verstreichen.
In der zweiten Stufe erfolgt die vollständige Anbindung des Herzzentrums über den Solar-Plexus an den Emotionalkörper der Persönlichkeit, der jetzt stabil unter der Führung der Seele steht.
In der dritten Stufe wird schließlich der Kausalkörper der Seele auf den oberen Mentalebenen über die Energie der Monade mit dem Höheren Selbst permanent verbunden.
Einweihungen Vier bis Neun
Die gibt es auch, sind aber hier nicht wichtig, denn es befindet sich kaum jemand in diesen Phasen. Erst ab der 5ten Einweihung beginnt man die Phase der Kausalkörperauflösung (also der „Egotod“ – Ego als Wort für die Seele) durchzustehen und das betrifft z. Zt. vielleicht 150 Menschen von acht Milliarden, also warum davon überhaupt reden? Und ab der sechsten befindet man sich (meist) nicht mehr in einem physischen Körper.
Einen Einweihungsweg zu gehen, bringt viele Herausforderungen mit sich und auch Schwierigkeiten mit dem physischen Körper.
Teilweise unsägliche Müdigkeit, gefolgt von aktiven Phasen. Genauer über die Zustände zu berichten, die ich auf meiner Entwicklungsstufe erlebe, macht keinen Sinn, denn es kreiert meistens mehr Verwirrung als gutes, denn Menschen haben eine Tendenz, diese Zustände dann auf sich zu projizieren und das führt unweigerlich in turbulentes Fahrwasser für die Betroffenen. Ich beobachte das immer wieder mit den Lehren von Eckhart Tolle. Nichts, was er sagt, ist falsch, keineswegs. Es passt nur nicht für Menschen, die kaum eine stabile Seelenanbindung haben! Sie plagen sich mit Theorien und Konzepten, die für ihren Entwicklungsstand überhaupt nicht vorgesehen sind. Und wir bekommen dann viele Facebook Postings mit endlos langweiligen Sprüchen … und so mutieren tiefsinnige Weisheiten zu Gedankenmüll.
In meinem Fall führt meine Entwicklungsphase oftmals zu längeren „Auszeiten“ (deshalb hört ihr immer wieder, mal länger nichts von mir), weil ich es in bestimmten Phasen kaum schaffe, mich mit „normalen“ irdischen Dingen zu beschäftigen. Der Computer, Denken, Schreiben usw. wird zur Qual. Und ohne die Unterstützung von den Menschen, die mir nahestehen und meinen Gruppen, wäre es für mich fast unmöglich, diesen Spagat zwischen Mensch und Höchstem Selbst täglich zu navigieren. Es ist also auch ein Gruppenprojekt. Und ab der 3. Einweihung ist die Begleitung eines:r Meister:in absolut notwendig.
Ich hoffe, ich konnte etwas mehr Klarheit in dieses verzwickte Thema bringen, denn es ist nicht o.k. wenn vor allem Menschen bei Verdacht auf schwere Traumata, besonders wenn eine hohe Suggestibilität bei niedriger innerer Stabilität vorliegt, suggeriert bekommen, dass, wenn sie ihr Ego auflösen, alles gut wird! Das gesamte Überlebenssystem der Person inklusive Wächter, geht auf Höchstalarm, denn wenn es kaum Schutzbarrieren gibt, ist es durchaus möglich, durch diverse spirituelle Techniken in Verbindung mit Egoauflösung direkt mitten im tiefsten, dunkelsten Bereich zu landen, und das könnte fatale Folgen (Re-Traumatisierung, spontane Dekompensation, Psychose etc.) haben!
Macht euch also bitte klar: Egotod und Ichlosigkeit anzustreben tut genau das Gegenteil und kann zu schweren Psychosen führen! Und nährt ein Feld, welches schon lange nicht mehr genährt gehört! Bitte seid achtsam, geht nicht leichtfertig mit euch um, bedenkt die Folgen und übernehmt Verantwortung für euer Handeln und Denken.
Viele Menschen wissen, was „Felder“ bewirken. Doch kommt zu diesem Wissen das Erlebnis der Erfahrung hinzu, so öffnet sich uns eine höhere Dimension des Seins. Meine „Arbeit“ hier auf Erden beinhaltet auch, das FELD eines friedlichen, ko-kreativen, ko-evolutionären, ko-inspierten WIR zu nähren. In dieses Feld kommt man allerdings erst erfolgreich, wenn die Seele mit ihrer Persönlichkeit verschmilzt. Und das ist es, was so viele von euch zu schierer Verzweiflung bringt, dass das „so langsam geht“ und Leute sich kaum von ihren alten Emotionen und Gedanken lösen können. Es wird keine nachhaltige, tiefgreifende Veränderung passieren, bis diese Stufe nicht von einer großen Gruppe Menschen erreicht ist.
Aber viele sind auf dem Weg!
Dieses neue WIR-Feld gibt es jetzt und schwingt als Noosphäre um den gesamten Erdball. Dieses FELD wird genährt von der Kraft und Weisheit unseres Herzens. Nicht durch nachgeplapperte Ideen der Ichlosigkeit und des Egotods. André Heller sagte gerade in einem Interview, dass unsere Muttersprache nicht Deutsch oder Swahili ist, sondern MITGEFÜHL! Wie schön 😄.
In diesem Sinne AUFWACHEN und aufhören, Felder zu nähren aus Unwissenheit oder einfach aus Starsinn.
Freude und Segen und umfassendes Gelingen dir, euch, uns allen. Zusammen erleben wir Einheit in der Vielfalt, Individualität in der Gemeinschaft. Auf unser aller Neues WIR.
Dieser Text gehört zu einer früheren Phase meiner Arbeit. Heute leite ich keine spirituellen Gruppen mehr ausser meiner langjährigen MasterClass. Mein heutiger Schwerpunkt liegt auf einer integrativen, verkörperten Praxis, die innere Stabilität und Verantwortung ins Zentrum stellt.
Ein früher Text über innere Anteile, Ego, Bewusstsein und den Weg zu innerer Führung und Reife. Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.
Über innere Anteile, Bewusstsein und Reife
Manche spirituellen Lehrer arbeiten mit dem Enneagramm, um Persönlichkeit und Ego weiterzuentwickeln. Mir diente und dient dafür das Modell der Inneren Personen.
Wer ist eigentlich „ich“?
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen klar: Unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen werden weit stärker von Emotionen geprägt als von rationalem Denken. Die Rolle des bewussten, steuernden „Ichs“ wird dabei häufig überschätzt.
Der Mensch ist kein eindimensionales Wesen, sondern eine vielschichtige, adaptive Multilevel-Persönlichkeit. Wir erleben unser Leben als Individuum – und tragen zugleich ein inneres Vielstimmigkeitsfeld in uns.
Jeder Mensch besitzt eine einzigartige Persönlichkeit, zusammengesetzt aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen – den Inneren Personen. Sie entstehen überwiegend in der Kindheit, manche reichen weiter zurück. Sie sind physischer, emotionaler, mentaler und auch transpersonaler Natur. Viele von ihnen übernehmen Schutzfunktionen für verletzliche innere Bereiche.
Welche Anteile sich entwickeln und wie viele, hängt stark von den jeweiligen Lebensumständen ab.
Die Arbeit mit Inneren Personen unterstützt Bewusstwerdung und Heilung innerer Wunden – auch solcher, die tief geprägt oder lange verdrängt sind. Sie eröffnet einen Weg, die Ganzheit des eigenen Seins erfahrbar zu machen.
Ein zentraler Reifungsschritt besteht darin, die Polarität zwischen Verletzlichkeit und Macht zu erkennen. Innerhalb dieser Spannung leben wir unser Leben und unsere Beziehungen. Oft beginnt Transformation dort, wo eine innere Schwachstelle bewusst wahrgenommen wird – denn jedes innere Problem ist an einen bestimmten Anteil gebunden.
Wir identifizieren uns meist mit einigen wenigen sogenannten Hauptselbsten. Das sind jene Anteile, die im Alltag dominant auftreten, laut sind oder scheinbar gut funktionieren. Andere sind leise, scheu oder treten nur in bestimmten Situationen hervor. Manchmal stehen mehrere Anteile in Konflikt zueinander – jeder beansprucht Recht. Das führt zu innerer Zerrissenheit und Entscheidungsunfähigkeit.
Innere Anteile agieren grundsätzlich strategisch. Sie sind darauf ausgerichtet, Anerkennung zu sichern und Ablehnung zu vermeiden – gesteuert von bewussten und unbewussten Programmen.
Jeder Anteil nimmt die innere und äußere Welt aus seiner eigenen Perspektive wahr. Er denkt, fühlt, handelt und bewertet auf seine Weise. Und jeder trägt seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse in sich.
Traditionell wird das Ego als „Exekutive der Psyche“ beschrieben – als Instanz, die entscheidet und handelt. Um alte Missverständnisse zu vermeiden, spreche ich hier vom Strategischen Selbst. Dieses Selbst sammelt Informationen sowohl aus bewusster Wahrnehmung als auch aus den Erfahrungen der verschiedenen inneren Anteile.
Mit wachsendem Bewusstsein kann sich daraus ein Bewusstes Selbst entwickeln – ein innerer Zustand, aus dem authentischere Entscheidungen möglich werden.
Ein entscheidender Wendepunkt entsteht, wenn wir beginnen zu unterscheiden:
Wann spricht ein Wächteranteil? Wann reagiert ein verletztes inneres Kind? Wann übernimmt ein rebellischer oder angepasster Anteil?
Sobald diese Differenzierung wirklich verstanden wird, verändert sich die Lebensperspektive spürbar. Man erkennt, dass unterschiedliche innere Stimmen je nach Situation völlig unterschiedlich handeln – und dass keine davon „die ganze Wahrheit“ ist.
Die Arbeit mit Inneren Personen ist für echte persönliche und spirituelle Reifung wesentlich. Ohne ihre Integration bleibt Entwicklung fragmentiert.
Kritische innere Stimmen, selbstschädigende Muster, wiederkehrende Beziehungsdynamiken oder lähmendes Aufschieben sind Ausdruck ungelöster innerer Anteile. Werden sie gesehen und einbezogen, können sie sich wandeln und zu tragenden Kräften werden.
Angst, Wut, Scham, Kontrolle, Rückzug oder Depression wurzeln häufig in frühen emotionalen Verletzungen. Sie gehören zu Anteilen, die einst Schutz boten, heute aber festgefahren sind. Erst durch ihre individuelle Würdigung und Integration kann sich das Bewusste Selbst stabil entfalten.
Das Bewusste Selbst
Das Bewusste Selbst ist jener innere Raum, aus dem Achtsamkeit, Mitgefühl, Verbundenheit und Klarheit entstehen. Es ist kein Anteil unter vielen, sondern ein Zustand von Präsenz, der allmählich Führung übernehmen kann.
Ziel dieser Arbeit ist keine Auflösung der Persönlichkeit, sondern eine durchlässige, integrierte Persönlichkeit, in der das Strategische Selbst lernt, sich von bewusster Präsenz leiten zu lassen.
Das Ego kann – solange wir leben – nicht aufgelöst werden. Versuche, es zu „beseitigen“, führen meist zu innerem Kampf oder Dissoziation. Beides ist kein Zeichen von Reife.
Reifung entsteht nicht durch Transzendieren, sondern durch Integrieren.
Wenn innere Anteile sich nicht mehr verteidigen müssen, wenn sie gesehen und gehalten werden, kann das Bewusste Selbst natürlicherweise in den Vordergrund treten – ruhig, tragfähig, klar.
Brücke zu den heutigen Orchard-Texten
Dieser Text stammt aus einer Phase, in der ich innere Dynamiken noch stärker erklärend und strukturierend beschrieben habe. Heute arbeite und schreibe ich aus einer anderen Haltung: weniger modellhaft, weniger methodisch – näher an Präsenz, Feld und gelebter innerer Architektur.
Die Grundfragen jedoch sind geblieben: Wer handelt in mir? Wer führt? Und was geschieht, wenn innere Anteile nicht mehr gegeneinander arbeiten, sondern gehalten werden?
Die Orchard-Texte nehmen diese Fragen heute auf einer anderen Ebene wieder auf – nicht mehr als Beschreibung innerer Mechanismen, sondern als Einladung, innere Führung zu verkörpern.
Dieser Artikel bleibt als Ursprung sichtbar. Nicht als Anleitung, sondern als Spur.