Wer handelt in mir?

Wer handelt in mir?

Ein früher Text über innere Anteile, Ego, Bewusstsein und den Weg zu innerer Führung und Reife.
Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.


Über innere Anteile, Bewusstsein und Reife

Manche spirituellen Lehrer arbeiten mit dem Enneagramm, um Persönlichkeit und Ego weiterzuentwickeln.
Mir diente und dient dafür das Modell der Inneren Personen.

Wer ist eigentlich „ich“?

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen klar:
Unsere Entscheidungen und Verhaltensweisen werden weit stärker von Emotionen geprägt als von rationalem Denken. Die Rolle des bewussten, steuernden „Ichs“ wird dabei häufig überschätzt.

Der Mensch ist kein eindimensionales Wesen, sondern eine vielschichtige, adaptive Multilevel-Persönlichkeit. Wir erleben unser Leben als Individuum – und tragen zugleich ein inneres Vielstimmigkeitsfeld in uns.

Jeder Mensch besitzt eine einzigartige Persönlichkeit, zusammengesetzt aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen – den Inneren Personen.
Sie entstehen überwiegend in der Kindheit, manche reichen weiter zurück. Sie sind physischer, emotionaler, mentaler und auch transpersonaler Natur. Viele von ihnen übernehmen Schutzfunktionen für verletzliche innere Bereiche.

Welche Anteile sich entwickeln und wie viele, hängt stark von den jeweiligen Lebensumständen ab.

Die Arbeit mit Inneren Personen unterstützt Bewusstwerdung und Heilung innerer Wunden – auch solcher, die tief geprägt oder lange verdrängt sind. Sie eröffnet einen Weg, die Ganzheit des eigenen Seins erfahrbar zu machen.

Ein zentraler Reifungsschritt besteht darin, die Polarität zwischen Verletzlichkeit und Macht zu erkennen. Innerhalb dieser Spannung leben wir unser Leben und unsere Beziehungen. Oft beginnt Transformation dort, wo eine innere Schwachstelle bewusst wahrgenommen wird – denn jedes innere Problem ist an einen bestimmten Anteil gebunden.

Wir identifizieren uns meist mit einigen wenigen sogenannten Hauptselbsten. Das sind jene Anteile, die im Alltag dominant auftreten, laut sind oder scheinbar gut funktionieren. Andere sind leise, scheu oder treten nur in bestimmten Situationen hervor. Manchmal stehen mehrere Anteile in Konflikt zueinander – jeder beansprucht Recht. Das führt zu innerer Zerrissenheit und Entscheidungsunfähigkeit.

Innere Anteile agieren grundsätzlich strategisch. Sie sind darauf ausgerichtet, Anerkennung zu sichern und Ablehnung zu vermeiden – gesteuert von bewussten und unbewussten Programmen.

Jeder Anteil nimmt die innere und äußere Welt aus seiner eigenen Perspektive wahr.
Er denkt, fühlt, handelt und bewertet auf seine Weise.
Und jeder trägt seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse in sich.

Traditionell wird das Ego als „Exekutive der Psyche“ beschrieben – als Instanz, die entscheidet und handelt. Um alte Missverständnisse zu vermeiden, spreche ich hier vom Strategischen Selbst. Dieses Selbst sammelt Informationen sowohl aus bewusster Wahrnehmung als auch aus den Erfahrungen der verschiedenen inneren Anteile.

Mit wachsendem Bewusstsein kann sich daraus ein Bewusstes Selbst entwickeln – ein innerer Zustand, aus dem authentischere Entscheidungen möglich werden.

Ein entscheidender Wendepunkt entsteht, wenn wir beginnen zu unterscheiden:
Wann spricht ein Wächteranteil?
Wann reagiert ein verletztes inneres Kind?
Wann übernimmt ein rebellischer oder angepasster Anteil?

Sobald diese Differenzierung wirklich verstanden wird, verändert sich die Lebensperspektive spürbar. Man erkennt, dass unterschiedliche innere Stimmen je nach Situation völlig unterschiedlich handeln – und dass keine davon „die ganze Wahrheit“ ist.

Die Arbeit mit Inneren Personen ist für echte persönliche und spirituelle Reifung wesentlich.
Ohne ihre Integration bleibt Entwicklung fragmentiert.

Kritische innere Stimmen, selbstschädigende Muster, wiederkehrende Beziehungsdynamiken oder lähmendes Aufschieben sind Ausdruck ungelöster innerer Anteile. Werden sie gesehen und einbezogen, können sie sich wandeln und zu tragenden Kräften werden.

Angst, Wut, Scham, Kontrolle, Rückzug oder Depression wurzeln häufig in frühen emotionalen Verletzungen. Sie gehören zu Anteilen, die einst Schutz boten, heute aber festgefahren sind. Erst durch ihre individuelle Würdigung und Integration kann sich das Bewusste Selbst stabil entfalten.

Das Bewusste Selbst

Das Bewusste Selbst ist jener innere Raum, aus dem Achtsamkeit, Mitgefühl, Verbundenheit und Klarheit entstehen.
Es ist kein Anteil unter vielen, sondern ein Zustand von Präsenz, der allmählich Führung übernehmen kann.

Ziel dieser Arbeit ist keine Auflösung der Persönlichkeit, sondern eine durchlässige, integrierte Persönlichkeit, in der das Strategische Selbst lernt, sich von bewusster Präsenz leiten zu lassen.

Das Ego kann – solange wir leben – nicht aufgelöst werden.
Versuche, es zu „beseitigen“, führen meist zu innerem Kampf oder Dissoziation. Beides ist kein Zeichen von Reife.

Reifung entsteht nicht durch Transzendieren, sondern durch Integrieren.

Wenn innere Anteile sich nicht mehr verteidigen müssen, wenn sie gesehen und gehalten werden, kann das Bewusste Selbst natürlicherweise in den Vordergrund treten – ruhig, tragfähig, klar.


Brücke zu den heutigen Orchard-Texten

Dieser Text stammt aus einer Phase, in der ich innere Dynamiken noch stärker erklärend und strukturierend beschrieben habe.
Heute arbeite und schreibe ich aus einer anderen Haltung: weniger modellhaft, weniger methodisch – näher an Präsenz, Feld und gelebter innerer Architektur.

Die Grundfragen jedoch sind geblieben:
Wer handelt in mir?
Wer führt?
Und was geschieht, wenn innere Anteile nicht mehr gegeneinander arbeiten, sondern gehalten werden?

Die Orchard-Texte nehmen diese Fragen heute auf einer anderen Ebene wieder auf – nicht mehr als Beschreibung innerer Mechanismen, sondern als Einladung, innere Führung zu verkörpern.

Dieser Artikel bleibt als Ursprung sichtbar.
Nicht als Anleitung, sondern als Spur.


© 01 /2019 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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Warum Selbstverwirklichung Dualität braucht

Warum Selbstverwirklichung Dualität braucht

Ein früher Text über die Grenzen der Nicht-Dualität und spirituelles Bypassing.
Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.


Über die Grenzen der Nicht-Dualität und die Reifung moderner Spiritualität

Wer sich auf einen spirituellen Weg in Richtung Selbstverwirklichung begibt, begegnet früher oder später der Doktrin der Nicht-Dualität – oder kann ihrem Einfluss innerhalb der spirituellen Szene kaum entkommen. Advaita, ebenso wie alle großen buddhistischen Schulen, basieren auf diesem Konzept. Die gesamte neo-advaitische Satsang-Kultur, die sich tief im kollektiven spirituellen Bewusstsein verankert hat, betreibt inzwischen eine weitgehende Kommerzialisierung dieser nicht-dualen Sichtweise.

Nicht-Dualität (indisch: Advaita) beschreibt die Einsicht, dass kein Gegenstand ohne einen Beobachter existieren kann – dass Subjekt und Objekt immer ein komplementäres Paar bilden. Ein getrenntes, individuelles Selbst erscheint in diesem Verständnis unmöglich, da es selbst wieder zum Objekt der Wahrnehmung würde.

Laut Advaita ist ausschließlich die Erscheinungswelt dual. Ein Selbst existiert demnach nur im Zusammenhang mit Erscheinung – als ihr Zeuge. Löst sich die Erscheinung auf, müsste sich auch der Zeuge auflösen. Die eigentliche Natur der Realität sei nicht-dual, jenseits von Unterschieden, Individualität und persönlicher Subjektivität. Mit Persönlichkeit ist hier nicht das Ego-Ich gemeint, sondern die innere, individuelle Erfahrungsqualität. Advaita beschreibt ein Prinzip reiner Existenz, das in sich nicht strukturiert ist und daher keine Eigenschaften besitzt.

Diese Lehre enthält einen wahren Kern. Es gibt tatsächlich das Prinzip der Existenz – den unpersönlichen Aspekt der Quelle –, der in der Erfahrung von Leere, Weite oder Stillheit berührt werden kann. Viele Menschen bezeichnen diese Erfahrung als „Erleuchtung“. In Wirklichkeit ist sie eher eine Öffnung – eine Tür, die sich zeigt und zum Eintreten einlädt.

Problematisch wird es dort, wo dieser Aspekt der Realität zur gesamten Realität erklärt wird. Denn bereits die Behauptung, es gäbe keine Dualität, setzt Dualität voraus. Absolute Wahrheit wird benutzt, um relative Wahrheit zu negieren oder zu entwerten. Genau hier beginnt spirituelle Selbstverleugnung.

Es gibt zudem keine einheitliche Lehre der Nicht-Dualität. Die Konzepte variieren stark – von radikalen Positionen bis hin zu moderateren Auslegungen. Der Buddhismus kennt beispielsweise das Modell der zwei Wahrheiten: eine relative, alltagsbezogene Wahrheit und eine höhere Wahrheit, die als Leerheit oder Nicht-Selbst beschrieben wird. Auch im Advaita existieren unterschiedliche Ansätze, etwa jene, die Ishvara – den persönlichen Gott – als Aspekt des einen Selbst (Brahman) integrieren. Historisch ist Advaita zudem stark durch den Austausch hinduistischer und buddhistischer Denktraditionen geprägt, die zur Zeit ihrer Entstehung nicht nur spirituell, sondern auch politisch miteinander konkurrierten.

Was stimmt also nicht mit der nicht-dualen Philosophie?

An der Oberfläche wirkt sie bestechend – insbesondere auf Menschen, die glauben, sich nicht wirklich mit ihrer Psyche beschäftigen zu müssen, oder Spiritualität mit Psychotherapie verwechseln. Alle Formen vorzeitiger Transzendenz – das Ausweichen ins Unpersönliche, um sich nicht mit innerer Dynamik, emotionalen Verletzungen, biografischen Themen oder der eigenen Berufung auseinanderzusetzen – führen zu innerer Verleugnung. Und diese kann massive Schatten hervorbringen. Spirituelles Bypassing beruft sich häufig auf eine rationale Begründung: Absolute Wahrheit wird genutzt, um relative Wahrheit zu entwerten.

Wir müssen uns auch der Tatsache stellen, dass sich die Menschheit in vielen Bereichen seit den Zeiten der Upanishaden und Buddhas enorm weiterentwickelt hat – die „Wissenschaft der Erleuchtung“ jedoch kaum. Noch immer basiert ein Großteil spiritueller Lehren auf der Wiederholung jahrtausendealter Konzepte. Was weitgehend fehlt, ist ein notwendiges Update: die Einsicht, dass östliche Weisheitslehren nicht automatisch für ein westliches, modernes Leben geeignet sind, da sie von völlig anderen kulturellen, psychologischen und sozialen Voraussetzungen ausgehen.

Spirituelle Lehrer:innen erinnern uns oft daran, liebevoll und mitfühlend zu sein oder Aggression und Selbstbezogenheit aufzugeben. Doch wie soll das gelingen, wenn unsere Verhaltensmuster aus komplexen psychischen Dynamiken entstehen, die wir nie wirklich gesehen oder durchgearbeitet haben? Menschen müssen ihre Wut fühlen, anerkennen und integrieren, bevor echtes Mitgefühl möglich wird. Das ist relative Wahrheit.

Eine absolute Wahrheit ist es, dass in unserem Universum alles in Polaritäten erscheint. Es kann keinen reinen, nicht-dualen Zustand geben, den jemand erlebt – denn dieser Jemand ist bereits Ausdruck von Dualität. Advaita ist letztlich eine stark vereinfachte, intellektuelle Annäherung an die Natur der Realität. Der menschliche Verstand der damaligen Zeit reichte nicht aus, um diese Komplexität zu erfassen. Also wurde vereinfacht – und ein Erleuchtungsmodell geschaffen, das primär auf der Erfahrung von Leere basiert.

Es gab immer Spannungen zwischen buddhistischen Vorstellungen von Nicht-Selbst und hinduistischen Konzepten eines essenziellen Atman. Sri Aurobindo etwa beschrieb, dass er Nirvana erlangt habe – und dennoch darüber hinausgehende Bewusstseinszustände erfuhr: den Zugang zum Supermind, einem höheren Selbst, das in die materielle Welt gebracht werden soll, um nicht nur das Individuum, sondern letztlich die gesamte Menschheit zu transformieren.

Wir hören oft von einem globalen Erwachen oder einem neuen spirituellen Zeitalter. Doch wer erwacht – und wozu? Viele Menschen sind sich ihrer wahren Natur heute ebenso unbewusst wie zuvor. Die Globalisierung des spirituellen Marktplatzes darf nicht mit kollektivem Erwachen verwechselt werden. Spiritualität wird oberflächlicher, während jene, die einfache und oft absurde Erleuchtungsversprechen verkaufen, immer erfolgreicher werden.

Ein Leben ohne bewusste Seelenverbindung ist in unserer Kultur völlig normal. Millionen Menschen leben so – auch hochangepasste, erfolgreiche, einflussreiche Individuen und Systeme. Gleichzeitig existiert ein tiefer spiritueller Hunger. Viele Suchende wandern durch ein endloses Spirit-Buffet, probieren hier und dort – und geraten früher oder später in den Sog der Nicht-Dualitäts-Narrative. Anfangs klingt vieles davon beeindruckend.

Auch ich habe mich lange in diesen Feldern bewegt – von Gangaji über tibetischen Buddhismus bis hin zu John de Ruiter. Ich erlebte tiefe Stille, berührende Zustände. Und doch wurde das Gefühl stärker, mich im Kreis zu drehen. Ich wurde innerlich immer „weniger“, nicht mehr. Es war eine subtile Form von Seelenverlust. Erst als ich das mentale Schwingungsfeld der nicht-dualen Szene verließ, begann meine Seele wieder vollständig zu inkarnieren. Die Begegnung mit Sri Aurobindo und der Mutter markierte einen Wendepunkt: die Erkenntnis, dass moderne Spiritualität eine Abwärtsbewegung braucht – die vollständige Verkörperung der Seele im Menschsein.

Unsere Realität erfordert Gleichgewicht. Existenz ist ein Spiel der Polaritäten. Die Frage ist nicht, ob Nicht-Dualität existiert, sondern welchen Platz sie einnimmt. Ein nicht-duales Paradigma kann erwachende Erfahrungen einengen, wenn es als alleinige Wahrheit verwendet wird. Viele Menschen interpretieren innere Zustände ausschließlich durch die Brille ihrer spirituellen Tradition – und verlieren dabei Orientierung.

Die Folge ist eine endlose Suche nach Erleuchtung, die oft in Erschöpfung, Resignation oder Desillusionierung endet. Manche kehren in fundamentalistische Systeme zurück, andere verfangen sich in Angst-Narrativen. All das sind Symptome derselben inneren Leerstelle.

Nicht-Dualität entstand als Antwort auf Trennung. Doch Dualität ist nicht der Fehler der Schöpfung. Sie ist ihr schöpferischer Motor. Nicht-Dualität ist das passive Prinzip des Seins – Dualität das aktive Prinzip des Werdens.

Es gibt keine Selbstverwirklichung ohne Dualität.
Erleuchtung hebt Dualität nicht auf – sie erhellt sie.

Die Seele will nicht verschwinden. Sie will inkarnieren. Sie will den Menschen ganz werden lassen, um Heilung, Bedeutung und Erfüllung zu ermöglichen. Wahre spirituelle Reife integriert die menschliche Verletzlichkeit ebenso wie die göttliche Dimension.

Zu lange war das Absolute König. Zu lange haben wir versucht, Emotionen zu überwinden, Wünsche zu negieren, Menschlichkeit zu transzendieren. Es ist Zeit, die Fesseln spiritueller Ideale abzustreifen, die unsere Lebendigkeit einschränken.

Lasst das Absolute nicht zu einem Gefängnis werden.
Wir sind größer, reicher, reifer.

Jetzt ist die Zeit, Verletzlichkeit zuzulassen, Trauer, Wildheit, Zärtlichkeit.
Jetzt ist die Zeit, Menschlichkeit und Göttlichkeit ineinander fließen zu lassen – wie Gezeiten, die kommen und gehen.


Einordnung aus heutiger Sicht (2026)

Dieser Text ist aus einer Phase entstanden, in der ich mich intensiv mit den Grenzen nicht-dualer Spiritualität auseinandergesetzt habe – intellektuell, spirituell und existenziell. Viele der Fragen, die hier gestellt werden, haben mich über Jahre begleitet und meinen weiteren Weg wesentlich geprägt.

Heute würde ich weniger argumentativ entfalten. Nicht, weil es falsch war – sondern weil sich mein eigener Zugang verändert hat. Was damals vor allem gedacht und begriffen werden wollte, ist heute stärker verkörpert und gelebt.

Was geblieben ist, ist die zentrale Einsicht:
Dass echte spirituelle Reife nicht im Verlassen des Menschseins liegt, sondern in seiner vollständigen Durchdringung.
Dass Dualität kein Fehler ist, sondern ein notwendiger Erfahrungsraum.
Und dass die Seele nicht verschwinden, sondern ankommen will – im Leben, im Körper, in Verantwortung und Beziehung.

Dieser Text bleibt hier als Zeugnis eines Weges.
Nicht als endgültige Antwort, sondern als eine notwendige Etappe.


© 10 /2018 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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Das Eiskind – Beziehung als Bühne einer verlorenen Seelenverbindung

Das Eiskind – Beziehung als Bühne einer verlorenen Seelenverbindung

Dieser Text stammt aus einer früheren Phase meiner Arbeit über verborgene Ebenen von Beziehung, innerem Kind und Seelenverbindung.
Ich lasse ihn bewusst sichtbar, weil er einen wichtigen Abschnitt meines Weges widerspiegelt – und weil viele der hier beschriebenen Missverständnisse bis heute wirksam sind.


Dieser Artikel handelt von der schwer fassbaren Verstrickung zwischen dem Drama des Eiskindes, deiner Beziehung – oder dem Fehlen von Beziehung – und der verlorenen Anbindung beziehungsweise bewussten Verbindung zur Seele und damit zum Göttlichen, zur Geistigen Welt, wie manche sie nennen.

Über die letzten Monate hinweg beobachte ich, dass vermehrt Frauen – und auch einige Männer – in meiner Praxis auftauchen, die alle an einem sehr ähnlichen Schmerzpunkt angekommen sind. Vielleicht gehörst du ja auch dazu, liebe Leserin, lieber Leser.

Diese Menschen haben bereits sehr viel innere Arbeit geleistet und sind dennoch verzweifelt darüber, dass sie immer noch hamsterradartig an denselben Themen nagen – insbesondere rund um Partnerschaft und Inneres-Kind-Dynamiken.
Ich glaube, dass ich für all jene, denen es so geht, eine Perspektive teilen kann auf das, was möglicherweise fehlt: der sogenannte Missing Link.

Beziehung & Partnerschaft

Auf der Beziehungsebene tritt derzeit vermehrt das Drama des Inneren Kindes wieder in den Vordergrund – unabhängig davon, wie viel Arbeit bereits geleistet wurde. Diese Themen sind wie ein Eisberg: Zuerst ist nur die oberste Schicht sichtbar, mit der man zu arbeiten beginnt. Nach einiger Zeit bewegt man sich in die mittlere Schicht – dort verbringen die meisten sehr viel Zeit. Und dann gibt es das untere Drittel, die schwierigste Ebene.

Das Eiskind ist auf Ebene drei zu Hause.
Und es zeigt sich am häufigsten auf der Beziehungsbühne.

Hier stehen sich immer zwei Kinder gegenüber, die verzweifelt vom jeweiligen Partner Hilfe, Trost und Erlösung für ihren Schmerz erwarten. Und das kann nicht funktionieren. Dieses Kind sucht auch keinen Sex – es sucht Liebe. Mutter-/Vaterliebe.

Da Liebe in unserer Gesellschaft größtenteils über Partnerschaft organisiert ist, wird Beziehung zwangsläufig zum Schlachtfeld dieser Kinder.

Alle unsere Beziehungen leiden an einer scheinbar unheilbaren Krankheit. Sie heißt: ein extrem bedürftiges Inneres Kind.
Dieses Kind hat inzwischen suchtartige Züge entwickelt und kommt aus dem Suchmodus nicht mehr heraus. Es klopft immer wieder an dieselbe Tür – bis du vor lauter innerem Schmerz nicht mehr weißt, was du noch tun sollst.

Um in der Partnerschaft Frieden zu finden, muss das Eiskind „nach Hause gebracht“ werden.
Um eine bewusste Seelenverbindung herstellen zu können, muss das Eiskind zumindest teilweise auftauen und im Jetzt ankommen. Denn es ist dieses Eiskind, das die Verbindung zur „anderen Seite“ hält – oder unterbricht.

Generationenprägung

Alle Menschen, die vor 1990 geboren wurden, tragen ein Eiskind in sich – außer sie waren sehr gut gebundene Kinder, wie es die Psychotherapie nennt. Das bedeutet: Die Mutter – manchmal auch der Vater – konnte das Kind wirklich im Herzen ankommen lassen.

Das war vor 1990 äußerst selten.
Nicht als Schuldzuweisung an unsere Eltern, sondern als schlichte Tatsache: Sie hatten selbst keine Erfahrung damit. In den Kriegs- und Nachkriegsgenerationen ist das Eiskind oft noch stärker ausgeprägt.

Menschen, die nach 1990 geboren wurden und bereits etwas bewusstere Mütter hatten, sind meist weniger tief in diese Wunde verstrickt. Ihre Beziehungen verlaufen oft anders.
Wir, die vor 1990 Geborenen, haben hier noch viel Arbeit zu leisten.

In meinem bisherigen Leben ist mir nur ein einziger Mensch begegnet, der auf dieser Ebene halbwegs gesund war – meine Fühlbegleiterin. Ein sehr gewolltes Kind mit einer tiefen Anbindung an ihre Mutter. Das bedeutet nicht, dass sie keine Prozesse hatte – im Gegenteil. Aber sie trug diesen einen unverletzten Raum in ihrem Herzen, aus dem heraus sie das andere Herz fühlen konnte, ohne sich selbst zu verlieren.

Mit ihrer Hilfe konnte ich diesen Raum auch in mir wiederfinden – oder besser gesagt: zuerst finden, dann heilen und schließlich auch für andere öffnen.
Mein Eiskind konnte enteisen, sich integrieren und Schritt für Schritt im Jetzt ankommen.

Warnung

Alleine in die dritte Schicht abzutauchen, um das Eiskind zu erreichen, ist absolut nicht ratsam!

Auch ich gehe damit zu meiner Fühlbegleiterin und mache diese Arbeit nicht alleine.
Egal ob Therapeut:in, Heilpraktikeri:n, Schamanin, spirituelle Lehrer:in oder Begleiter:in – die Person muss ihr eigenes Eiskind an einen guten inneren Ort gebracht haben.

Sie muss fühlen können, was du fühlst, während du es fühlst.
Sonst passiert nichts.

Das Feld muss gehalten werden können.
Und das geht nur über Resonanz.

Das Eiskind erkennt sofort, ob das Gegenüber diese Ebene in sich integriert hat. Wenn nicht, wird es sich weigern, noch einmal hervorzukommen. Es verweigert den Schmerz des erneuten Nicht-gefühlt-Werdens. Jede ungelöste Runde drückt es tiefer in die Versenkung.

Das heilende Herz

Ich muss als Begleiterin fähig sein, mein Herz so weit zu öffnen, dass ich beim Kontakt mit der Ebene des Eiskindes nicht selbst in meinem ungeheilten Schmerz abstürze. Nur dann kann ich dein Eiskind in mein geheiltes Herz nehmen, damit es dort zu tauen beginnt.

Das ist ein zutiefst magischer Moment.

Das Eiskind braucht keine abstrakte, bedingungslose Liebe.
Es braucht konkrete, menschliche, persönliche Herzenswärme – also eine bedingte Liebe.

Männliche Lehrer und Heiler können diese Ebene derzeit kaum erreichen. Das ist keine Abwertung, sondern eine Beobachtung. Das Eiskind braucht weibliche Herzenswärme, die im Patriarchat über Jahrtausende verloren gegangen ist.

Dieses Kind will von einer Frau gefühlt und willkommen geheißen werden.
So einfach – und so schwierig – ist es.

Göttliche Mutter & Seelenebene

Bei dieser Arbeit begleiten mich oft Emanationen der Göttlichen Mutter, in unterschiedlichen Erscheinungsformen – je nach Person. Manchmal ist es Maria, manchmal eine andere weibliche Gottheit. In diesem Zusammenspiel aus göttlicher Mutterenergie und offenem Herzensraum kann das Eiskind heilen, auftauen, ankommen, den Schock lösen und schließlich zu seiner eigentlichen Besitzerin zurückkehren.

Ich behalte keine Kinder bei mir.

Dieses neue weibliche Heilfeld zeigt sich seit einiger Zeit immer deutlicher. Es ist ein Geschenk der Großen Mutter. Lange habe ich um Hilfe gebeten, weil es zuvor extrem mühsam und langwierig war, das Eiskind an einen guten Platz zu bringen. Jetzt ist Unterstützung da.

Seelenverbindung

Für eine echte Seelenverbindung muss das Eiskind einbezogen werden.
Es ist das Kind, das die Verbindung nach „oben“ hält – oder blockiert.

Solange es die Tür geschlossen hält, kann die Geistige Welt schreien, so viel sie will – du wirst sie nicht hören. Ja, es gibt Ausnahmen. Ich bin eine davon. Aber Ausnahmen sind nicht die Regel. Und selbst ich musste sehr viel Arbeit investieren, um die alte Verbindung wiederherzustellen.

Ich sehe bei vielen Menschen gespeichertes, gebunkertes Licht, das nicht mehr fließen kann – ausgelöst durch frühe Schocks. Energetisch verhungert das System. Das Gefühl, verlassen worden zu sein, ist das Kind in dir. Der „Horror des Seins“, wie Barron ihn nennt, schließt die Tür zur Seele.

Die spirituelle Entourage steht oft ganz nah – und kann den Menschen dennoch nicht erreichen.


Einordnung heute

Dieser Text entstand in einer Phase, in der meine Arbeit stark von energetisch-spirituellen Bildern, Resonanzfeldern und archetypischen Ebenen geprägt war. Viele der Beobachtungen sind bis heute gültig – insbesondere die Erfahrung, dass tiefe Beziehungsthemen nicht allein über mentale Einsicht oder klassische Innere-Kind-Arbeit gelöst werden können.

Was sich seither verändert hat, ist meine Sprache, meine Präzision und meine Verantwortung im Halten von Räumen.
Ich arbeite heute mehr mit innerer Architektur, mit Bindungsdynamiken, Nervensystemen, verkörperter Klarheit und der Fähigkeit, zwischen alten Schutzstrukturen und gegenwärtiger Autorität zu unterscheiden.

Das „Eiskind“, von dem hier die Rede ist, würde ich heute anders benennen – doch die Erfahrung dahinter bleibt dieselbe:
Es gibt frühe Erstarrungen, die nicht durch Technik, Willen oder spirituelles Streben gelöst werden können, sondern nur durch reife Präsenz, Resonanz und sichere Beziehung.

Ich lasse diesen Text bewusst stehen.
Nicht als Anleitung.
Sondern als Zeugnis eines Weges – und als Erinnerung daran, wie tief manche Fragen reichen.


© 02 2018 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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Warum es keine Exit-Klausel gibt

Warum es keine Exit-Klausel gibt

Ein früher Text über Inkarnation, Verantwortung, Erinnerung und Wahl.
Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.


Die Worte des sogenannten „Inkarnationsvertrages“ wurden von Joe Conrad im Jahr 2002 publiziert. Ich nehme sie hier bewusst als Thema auf, weil die Fragen, die sie berühren, bis heute aktuell geblieben sind.

Die Debatte darüber, ob es Inkarnationen überhaupt gibt, wird nach wie vor kontrovers geführt. Es steht selbstverständlich jeder Person frei, aus persönlichen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen die Reinkarnationslehre abzulehnen.

Mich interessiert an dieser Diskussion vor allem ein Argument, das immer wieder angeführt wird: die Annahme, sämtliche Erinnerungen an frühere Leben würden über die DNA transportiert. Für manche gilt dies als scheinbar wissenschaftlicher Beweis gegen die Idee der Reinkarnation.
Die Vorstellung, dass alle Erinnerungen früherer Leben ihren Ursprung im genetischen Material hätten und über Generationen weitergegeben würden, halte ich jedoch in vielerlei Hinsicht für nicht stichhaltig.

Unbewusste Erinnerungen an traumatische Erlebnisse aus früheren Existenzen können durchaus einen tiefen Abdruck im gegenwärtigen Körper hinterlassen. Dieser Abdruck ist jedoch nicht genetischer Natur. Die molekularen Codes des aktuellen Körpers sind neu und beziehen sich auf den jetzigen physischen Organismus.
Innere Überzeugungen, Haltungen und Prägungen des Seelengeistes beeinflussen das biologische Gehirn – ja. Es gibt auch Forschungen, die davon ausgehen, dass eine überdauernde Intelligenz, zu der energetische Eindrücke und Erinnerungsspuren aus früheren Leben gehören, biologische Prozesse beeinflussen kann.

Doch das bedeutet nicht, dass Erinnerungen aus früheren Leben im engeren Sinn in der DNA gespeichert wären. Vielmehr handelt es sich um Seelenerinnerungen, die aus tieferen Bewusstseinsschichten stammen. Dazu zählen auch Erfahrungen aus nicht-physischen Existenzformen – aus Räumen, in denen wir keinen Körper tragen.

Ein weiteres Argument gegen eine rein genetische Erklärung ist die Vielfalt früherer Inkarnationen. Die Körper, die wir in früheren Leben hatten, sind genetisch in der Regel nicht mit unserer jetzigen Familie verwandt. Während jemand in einem Leben Teil einer bestimmten Familie gewesen sein mag, kann er sich im nächsten Leben für eine völlig andere Herkunft entschieden haben.
Viele Menschen haben frühere Leben in unterschiedlichen kulturellen, ethnischen oder geographischen Kontexten geführt – ohne jede genetische Verbindung zur heutigen Inkarnation. Erinnerungen an andere Welten oder nicht-menschliche Existenzformen lassen sich ohnehin nicht über menschliche DNA erklären.

Was hier als „genetische Erinnerung“ bezeichnet wird, sind in Wahrheit Erinnerungen der Seele.

Erinnerungsebenen nach Michael Newton

Der Forscher Michael Newton († 2016) unterschied drei Ebenen von Erinnerung:

1. Bewusste Erinnerung
Sie umfasst all jene Inhalte, die im biologischen Gehirn gespeichert sind und vom bewussten Ich wahrgenommen werden. Diese Erinnerungen entstehen durch Sinneseindrücke, emotionale Erfahrungen sowie durch biologische und instinktive Prägungen. Sie sind anfällig für Verdrängung, Verzerrung und Schutzmechanismen.

2. Unsterbliche Erinnerung
Diese Ebene entspringt dem Unterbewusstsein. Sie ist mit autonomen Körperfunktionen verbunden und dient zugleich als Speicher bewusster Inhalte. Die unsterbliche Erinnerung kennt die Ursprünge dieses Lebens ebenso wie jene anderer physischer Existenzen. Sie bildet die Brücke zwischen Bewusstsein und Überbewusstsein.

3. Göttliche Erinnerung
Diese Erinnerungen entstammen dem Überbewusstsein – dem Bereich der Seele. Gewissen, Intuition und Inspiration können Ausdruck dieser Ebene sein. Die göttliche Erinnerung verweist auf eine Intelligenz, die größer ist als das individuelle Selbst und nicht an einen Körper gebunden ist.

Ich bin mir bewusst, dass es im Feld der Reinkarnation viel Verzerrung und Projektion gibt. Aus diesem Grund habe ich bereits vor vielen Jahren Seelenrückführungen aus meinem Angebot genommen.
Die immer gleichen Erzählungen – die x-te Kleopatra, Napoleon oder Königin eines großen Reiches – führen selten zu Erkenntnis, wenn die Bereitschaft fehlt, die gewonnenen Informationen tatsächlich zu integrieren.

Meine Erfahrung ist: Wenn Wissen aus anderen Leben relevant ist, zeigt es sich von selbst. In meiner Arbeit – etwa in CoReOn-Gruppen – wurden frühere Leben nur dann betrachtet, wenn es für ein aktuelles Thema notwendig war. Besonders im Bereich Beziehung zeigt sich häufig eine karmische Vorprägung, die sich über mehrere Leben hinweg wiederholt.
Die Informationen, die dabei auftauchen, sind selten angenehm. Meist handelt es sich um unverarbeitetes Trauma, nicht um glanzvolle Biografien.

Verantwortung statt Ausstieg

Der Gedanke eines „Inkarnationsvertrages“ verweist auf eine unbequeme Wahrheit:
Wir haben uns auf das Abenteuer Erde eingelassen – und tragen Verantwortung für diesen Entschluss.

Ausweichnarrative, Verschwörungstheorien oder Projektionen auf äußere Mächte ändern daran nichts. Ein eingegangener Inkarnationsvertrag lässt sich nicht umgehen.
Ich habe selbst lange nach einer Exit-Klausel gesucht – ohne Erfolg.

Der Vertrag wurde nicht vom körperlichen Ich geschlossen, sondern vom Seelengeist.

Das bedeutet jedoch nicht Ohnmacht. Im Gegenteil. Niemand ist hier ein „kleines Würmchen“ oder bedeutungslos. Unabhängig von Manipulationen, die weit zurückliegen mögen, sind wir heute hier, um diese Muster zu klären, zu heilen und zu beenden.

Auch du hast einmal Ja gesagt.

Gerade an jenen Tagen, an denen alles gegen dich zu sprechen scheint, an denen du dich verlassen oder fehl am Platz fühlst, ist diese Erinnerung wesentlich:
Du bist kein Fehler. Du hast nichts falsch gemacht.
Du bist nicht auf einem Gefängnisplaneten. Und keine Manipulation wirkt ewig, wenn du ihr nicht weiter zustimmst.

Gott hat dich nicht verlassen.
Im Gegenteil: Es liegt Vertrauen darin, dass du diesen Weg gehen kannst.


Inkarnationsvertrag – Text von Joe Conrad (2002)

Der folgende Text ist ein zeitgeschichtliches Dokument. Ich teile ihn hier als Referenz.

(Der Vertragstext bleibt inhaltlich unverändert und wird aus Gründen der Authentizität nicht neu formuliert.)

[§1–§11 und Hinweise wie im Original]

Es ist hilfreich, über jeden Satz einzeln nachzudenken.

§1)Sie erhalten einen Körper. Dieser Körper ist neu und einmalig. Niemand sonst bekommt den gleichen.
§2)Sie erhalten ein Gehirn. Es kann nützlich sein, es zu benutzen.
§3)Sie erhalten ein Herz. Die besten Resultate erzielen Sie, wenn Hirn und Herz ausgewogen benutzt werden.
§4)Sie erhalten Lektionen. Niemand bekommt exakt die selben Lektionen wie Sie oder kann sie Ihnen abnehmen.
§5)Sie können tun, was Sie wollen. Alles, was Sie anderen antun, kommt zu Ihnen zurück.
§6)Eine Lektion wird so lange wiederholt, bis sie begriffen wurde. (Auch inkarnationsübergreifend)
§7)Dieser Vertrag ist für alle gleich. Es gibt keine Privilegien, auch wenn einige das behaupten. (Handschriftliche Änderungen haben keine Gültigkeit.)
§8)Sie bekommen Spiegel, um zu lernen. Viele Spiegel sehen aus wie andere Körper. Sie sind dazu da, Ihnen etwas zu zeigen, das in Ihnen ist.
§9)Wenn Ihr Körper zerstört wird oder aufhört, zu funktionieren, bekommen Sie einen neuen. (Es kann zu Wartezeiten kommen.)
§10)Der Inkarnationsvertrag läuft erst aus, wenn alle Lektionen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben.
§11)Was befriedigend ist, bestimmen Sie!

Nützliche Hinweise und Tipps:

Ziel ist es nicht, beim Verlassen eines Körpers möglichst viel Geld zu haben.
Es gibt keinen Bonus für Berühmtheit oder Beliebtheit.
Sie müssen sich nicht an den Fehlern anderer orientieren.
Regeln sind dazu da, überprüft zu werden.
Behauptungen anderer über das Ziel können Ablenkungen sein.
Sie können nichts falsch machen. Es kann höchstens länger dauern.
Zeit ist eine Illusion!
Sie haben Zugriff auf alle Antworten über eine spezielle Verbindung in Ihrem Herzen.
Alles innerhalb des Schulungsraums reagiert auf Herzensausstrahlung.
Versuche, den Schulungsraum zu beschädigen, führen zu Einschränkungen.
Niemand kann Ihnen die Verantwortung abnehmen.
Gewalt führt niemals zu einer Lösung.
Es kann nützlich sein, darauf zu achten, welche Situationen sich wiederholen.
Drogen (legale und illegale) können die Wahrnehmung der Lektionen verfälschen.
Nur, weil alle sich auf eine Weise verhalten, muß das nicht bedeuten, daß es richtig ist.
Es gibt selten nur eine richtige Lösung.
Sie können einen Antrag auf Vergebung stellen.
Es gibt keine Extraklauseln für niemanden.
Sie werden geliebt. (Auch wenn Sie in der Bronx oder Somalia sind.) Alles andere ist Täuschung.
Lektionen sind besondere Gelegenheiten, sich zu entwickeln und keine böse Absicht.
Es kann riskant sein, seinen Körper anderen anzuvertrauen.
Andere in der Entwicklung zu behindern, bringt keinen Vorteil.
Sie bekommen (vorzugsweise während der Nachtstunden) Gelegenheit, den Körper zu verlassen.
Erinnerungen an Erfahrungen außerhalb des Körpers werden nicht im Körper bzw. Gehirn gespeichert.
Herumspielen an Ihrem Körper ist Ihr gutes Recht. An den Körpern anderer erfordert deren Einwilligung.
Abgucken ist sinnlos!
Wer Ihnen eine Lebensversicherung anbietet, ist ein Betrüger.
Das mutwillige Beenden einer Inkarnation führt zu viel unnützem Papierkram.
Wissenschaftliche Gutachten und heilige Schriften dienen der Verwirrung.
Es geht nicht darum, Erster zu sein.
Es geht nicht darum, cool auszusehen.
Niemand macht in Ihrer Situation eine bessere Figur als Sie.
Sie sind nicht der Einzige, der am Sinn des Inkarnationsvertrages zweifelt.

Da Sie diesem Vertrag zugestimmt haben, ist es unnütz, sich darüber zu beschweren, dass Sie hier sind.
(Jo Conrad, 15.3.2002)


Einordnung aus heutiger Sicht

Dieser Text stammt aus einer früheren Phase meiner Arbeit.
Heute arbeite ich nicht mehr mit Inkarnationsmodellen oder Rückführungslogiken.

Was geblieben ist, ist die Frage nach Verantwortung:

Wie bleiben wir präsent, handlungsfähig und innerlich ganz – auch dann, wenn das Leben Druck erzeugt, Sinn infrage stellt oder keine Ausweichbewegung mehr zulässt?

Diese Frage bildet heute den Kern meiner Arbeit zu weiblicher Macht und innerer Führung.


© 01/2018 Renate Hechenberger. Alle Rechte vorbehalten.
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Warum Liebe allein nicht reicht

Warum Liebe allein nicht reicht

Ein früher Text über Beziehung, Bedürfnisse und innere Anteile.
Er bleibt hier bewusst sichtbar – als Teil des Weges, aus dem meine heutige Ausrichtung entstanden ist.

„Nur die Liebe zählt“, singt Gregor Meyle gerade im Radio.
„Nur die Liebe zählt, es ist nie zu spät daran zu glauben, du musst nur daran glauben, alles wird gut.“

Aber: Ist Liebe wirklich genug?

Natürlich ist echte Liebe eine kraftvolle, verbindende Qualität – etwas, wonach wir uns sehnen und das wir zugleich selten in reiner Form erleben. In unseren romantischen Beziehungen wirken fast immer Bedürfnisse mit, die in der abhängigen Phase der Kindheit nicht erfüllt wurden und sich später auf den erwachsenen Partner richten.

Und hier beginnt das Drama.

Wie soll ein einzelner Mensch all die Bedürfnisse eines anderen erfüllen können?
Viele Menschen wissen zu Beginn einer Beziehung selbst noch nicht, was ihre wirklichen Bedürfnisse sind. Manche zeigen sich erst im gemeinsamen Alltag. Häufig fehlt die innere Klarheit darüber, was eigentlich gebraucht wird. Diffuse Emotionen, hormonelle Schwankungen und eine oft wenig tragfähige Kommunikationskultur tragen dazu bei, dass man sich nicht ausdrückt – oder irgendwann aufhört, es überhaupt zu versuchen.

So entsteht schleichend das Gefühl, in der Beziehung nicht wirklich genährt zu sein. Gegenseitiges Bemühen lässt nach, Enttäuschung sammelt sich an. Am Ende landet die Beziehung innerlich in der Schublade: „Schon wieder etwas, das für mich nicht funktioniert.“

Es ist eine schmerzhafte Illusion, zu hoffen, ein Mensch könne alle inneren Lücken eines anderen füllen. Wir wissen das – und vergessen es dennoch immer wieder.
Die Vorstellung hält sich hartnäckig: Wenn zwei Menschen sich wirklich lieben, dann wird alles gut. Man wird sich gesehen, gehalten, wieder ganz fühlen.

Stattdessen zeigt sich im Laufe der Beziehung oft, dass es im Anderen Leerräume gibt, die sich nicht füllen lassen – egal, wie sehr man sich bemüht. Diese Leerräume entpuppen sich nicht selten als Fass ohne Boden.
Die Enttäuschung darüber ist tief. Sie wirft Fragen auf, die am Selbstwert rütteln:
Ist meine Liebe nicht stark genug? Liebe ich falsch? Bin ich nicht genug?

So beginnt eine Spirale, die sich immer weiter nach unten dreht. Wenn ein Partner beginnt, dauerhaft eigene Bedürfnisse zu opfern, um den anderen emotional zu stabilisieren, und dabei nichts zurückfließt, entsteht keine tragfähige Beziehung – sondern der Beginn einer emotionalen Erschöpfung.

Ein alltägliches Beispiel

Der Küchenboden ist schmutzig. Brotkrümel liegen herum, eingetrocknete Kaffeeränder zieren das Tischtuch.
Man kann jedes einzelne „Vergehen“ benennen – doch der Boden bleibt schmutzig, bis er geputzt wird. Analyse allein schafft keine Veränderung.

Also beginnt man zu nörgeln. Oder man putzt schweigend – und schluckt den Ärger hinunter, bis er sich Bahn bricht.

Wessen Bedürfnis zählt nun mehr?
Das Bedürfnis nach Ordnung? Oder das Bedürfnis nach Freiheit und Ungezwungenheit?

Eine populäre Beziehungsphilosophie lautet:
„Man muss den anderen so akzeptieren, wie er ist. Niemand kann den anderen ändern.“

Das klingt gut – ist im Alltag jedoch anspruchsvoll. Denn Partnerschaft konfrontiert unweigerlich die inneren Anteile, vor allem jene verletzten kindlichen und jugendlichen Ebenen, deren alte Wunden berührt werden.

Diese bedürftigen inneren Anteile – oft verbunden mit unverarbeiteten Verletzungen – erzeugen die inneren Leerräume, denen sich der Partner hilflos gegenüber fühlt.

Innere Dynamiken

Ich selbst habe zum Beispiel einen starken inneren Perfektionisten. Er setzt mich unter erheblichen inneren Druck, angetrieben von der alten Hoffnung, Kritik oder Ablehnung zu vermeiden.
Das Kind in mir reagiert darauf mit Stress und Angst – in Erwartung von Schelte, die längst vergangen ist, innerlich aber weiterwirkt.

Diese inneren Dynamiken haben sich über Jahre nur langsam verändert. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Geduld und Bewusstheit.
Für einen gelasseneren Partner wirken solche Reaktionen oft unverständlich – ebenso wie umgekehrt der Anspruch auf Ordnung Stress auslösen kann.

Was hilft, ist ehrliche Kommunikation und vor allem Selbsterkenntnis:
Wer fühlt da eigentlich? Welcher Anteil reagiert? Wovor schützt er?

Erst wenn diese inneren Ebenen gesehen und gefühlt werden können, beginnt Integration. Dann entsteht Verständnis – auch für den Partner.

Anpassung oder Selbstverlust?

In einer lebendigen Partnerschaft passen sich beide an. Es ist keine Schwäche, eigene Muster zu hinterfragen oder sich zu verändern, um einem Bedürfnis des anderen zu begegnen.
Doch es braucht Achtsamkeit: Anpassung darf nicht in Selbstverlust münden.

Liebe allein schützt nicht davor, dass Beziehung zur Bühne unbewusster Dynamiken wird. Im Gegenteil – sie kann zum Spielball werden, wenn innere Verantwortung fehlt.

Liebe kann tragen, wenn es schwierig wird.
Aber sie kann kein Trauma heilen.
Sie kann keine inneren Leerräume füllen, die nie gelernt haben, Liebe zu empfangen.

Diese Anteile brauchen etwas anderes: Zuwendung von innen.

Verantwortung für sich selbst

Es braucht die Bereitschaft, sich um die eigenen bedürftigen Anteile zu kümmern – statt diese Aufgabe an den Partner auszulagern.
Der Partner ist kein Elternersatz und kein Therapeut.
Er kann unterstützen, begleiten, mitgehen – aber nicht die innere Arbeit übernehmen.

Eine bewusste Beziehung erfordert Selbstanbindung, Klarheit über eigene Bedürfnisse und die Fähigkeit, innere Anteile nicht zu verdrängen oder gegeneinander auszuspielen.
Gesunde innere Führungsanteile sind verhandlungsfähig, kompromissbereit und lösungsorientiert. Wenn jedoch ausschließlich verletzte Kindanteile agieren, fehlt der Beziehung ein tragfähiges Fundament.

Viele Menschen fürchten, ihre Identität zu verlieren, wenn sie sich mit inneren Wunden beschäftigen. Das zeigt, wie fragil Identität oft ist.
Doch Liebe bedeutet Wandel. Sie fordert auf, alte Gewissheiten loszulassen – und verlangt Kommunikation, die gelernt werden will.

Romantische Ideale

Medien prägen bis heute Bilder idealisierter Beziehungen.
Der innere Teenager trägt diese Ideale oft besonders hartnäckig – und leidet, wenn sie sich nicht erfüllen.

Auch das Konzept der „Seelenliebe“ oder „Dualseele“ wirkt hier stark.
Ja, es gibt tiefe seelische Verbindungen. Doch sie bedeuten nicht automatisch Harmonie oder lebenslange Partnerschaft. Oft stellen sie gerade jene Basis bereit, auf der Konflikte sichtbar und bearbeitbar werden.

Eine gemeinsame spirituelle Anbindung kann Beziehung vertiefen.
Doch wenn Partnerschaft den Platz von Sinn, Halt und Transzendenz vollständig einnehmen soll, wird sie überfordert.

Ein stiller Anfang

Setze dich hin.
Halte all deine inneren Anteile in deinem Bewusstsein – auch die verletzten, wütenden, ängstlichen.
Nicht um sie zu verändern, sondern um sie wahrzunehmen.

Je mehr du das für dich selbst kannst, desto eher wirst du es auch in Beziehung können.

Geduld ist dabei unverzichtbar – eine Qualität, die unsere schnelle Welt kaum fördert. Doch ohne Geduld gibt es keine bewusste Beziehung.

Der Anfang liegt immer bei dir selbst:
Dich annehmen, mit dem, was jetzt ist.
Denn nur ein Herz, das sich selbst nicht mehr verleugnet, kann einem anderen wirklich begegnen.


Dieser Text stammt aus einer früheren Phase meiner Arbeit, in der Beziehung, Trauma und innere Anteile im Zentrum standen.

Heute arbeite ich nicht mehr primär auf der Beziehungsebene, sondern an der inneren Führung und Struktur, aus der Menschen Beziehung gestalten.

Was geblieben ist, ist die zentrale Erkenntnis:
Liebe allein trägt nicht – wenn innere Verantwortung, Selbstanbindung und Präsenz fehlen.

Diese Frage bildet heute einen Teil des größeren Rahmens meiner Arbeit zu weiblicher Macht und innerer Führung.


© 04/2017 Renate Hechenberger. Alle Rechte Vorbehalten.
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